1. come-on.de
  2. Kreis und Region

Landtagskandidaten im Wahlkreis 123: Horst Karpinsky (AfD) im Porträt

Erstellt:

Von: Thomas Machatzke

Kommentare

Horst Karpinsky AfD Porträt
Horst Karpinsky (hier vor dem Feuerwehrgerätehaus in Piepersloh) kandidiert bei der Landtagswahl für die AfD, auch wenn auf ihn kein AfD-Klischee passen will. © Machatzke, Thomas

Im heimischen Wahlkreis 123 (Lüdenscheid, Schalksmühle, Halver, Kierspe, Meinerzhagen und Herscheid) stehen am 15. Mai sieben Direktkandidaten zur Wahl: Horst Karpinsky (AfD) im Porträt.

Lüdenscheid – Die Politik ist ein Geschäft des Erwartbaren. Beim Treffen mit Horst Karpinsky aber ist schon der Wunschort ein unerwarteter. Der Spielplatz in Piepersloh/Lüdenscheid. Ein Herzensort für den Plettenberger, hier ist Horst Karpinsky groß geworden. Das Dorf ist sein Dorf gewesen – ganz früher, als er Kind war, und dann Jugendlicher mit dem Mofa. Das erste Bier hat er im Café Kemper getrunken, dort, wo heute ein gut besuchtes Steakhaus zu Hause ist, direkt neben dem Spielplatz.

Als junger Erwachsener – nun mit Honda CB 250 unterwegs und „mit Kutte“ Stammgast in der Diskothek Infinity in Oberbrügge – wurde er Mitglied der Feuerwehr (auch direkt neben dem Spielplatz) und linker Verteidiger beim Post SV, der damals auf der Höh kickte. „Einmal sind wir aufgestiegen, von der Kreisliga C in die Kreisliga B“, sagt er, „die Hälfte der Mannschaft kam aus Piepersloh, da war das ganze Dorf da. 1000 Zuschauer.“

Heute ist Horst Karpinsky Mitglied des SC Plettenberg und schaut gerne Spiele auf der Elsewiese. Und er ist eines von rund 100 Mitgliedern der Alternative für Deutschland im Märkischen Kreis. Karpinsky sitzt für die AfD im Kreistag, ist stellvertretender Kreissprecher dieser Partei, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Die von allen anderen etablierten Parteien als rechtsextrem gemieden und geächtet wird.

Landtagskandidaten im Wahlkreis 123: Horst Karpinsky (AfD)

Karpinsky aber passt nicht in das Klischee des Rechten, auch nicht ins Klischee der alten Lucke-AfD mit ihrer Europakritik. Karpinsky passt eigentlich in gar kein Klischee. „Ein Freund von mir ist Sozi, der sagt immer: Guck mal, da kommt der Linke von der AfD“, sagt Karpinsky und lacht. Die Eltern aus dem Arbeitermilieu und SPD-Wähler fand auch Horst Karpinsky eigentlich immer die SPD gut. Willy Brandt, den er auf dem Rathausplatz in Lüdenscheid gesehen hat, sei sein großes Vorbild, sagt er. Eines von zwei – das andere war Jürgen Grabowski, der Mittelfeldstratege von Eintracht Frankfurt, Karpinskys Herzensverein beim Fußball. Helmut Schmidt nennt er einen „Superkanzler“. Johannes Rau fand er nicht allein wegen dessen Affinität zum Skatspiel richtig gut. „Versöhnen statt spalten, dieser Satz hat mich durch mein Leben begleitet“, sagt Karpinsky, der in Plettenberg auf der Suche nach einem „neuen Sport“ Rau nacheiferte und im Skatverein landete.

Nach Plettenberg war Karpinsky nach der Ausbildung im Tiefbau der Stadt Lüdenscheid gekommen. Die Arbeiten im Tiefbau waren seine Sache. Seine Mitschüler von der Theodor-Heuss-Realschule zog es vielfach ins Büro. Körperliche Arbeit an der frischen Luft hätte er indes gegen keinen Bürojob tauschen wollen. In Plettenberg fand er auch seine große Liebe, heiratete, wurde heimisch. 30 Jahre lang hielt die Ehe. Als es zu Ende ging, war das „ein Knackpunkt“, wie Karpinsky sagt. Knackpunkte gab es indes auch im beruflichen Sektor. 2007 musste er umschulen, weil er in seinem alten Beruf nicht mehr arbeiten konnte, wurde Industriekaufmann. Doch die Lage am Arbeitsmarkt war nicht gut, so gründete Karpinsky eine eigene Firma für Hallen- und Zeltaufbau. Als Subunternehmer. Bis ins Jahr 2012 lief das gut. Dann folgte der nächste Schicksalsschlag. Bei einer Knieoperation verblieben Keime im Knie des Plettenbergers, der fünf Mal unters Messer musste. „Das eine Jahr, in dem ich fast nichts machen konnte, war für einen wie mich die Höchststrafe“, sagt er. Für die Firma bedeutete es das Aus. „Immerhin habe ich es geschafft, alle Mitarbeiter irgendwo unterzubringen“, sagt er.

Karpinsky selbst fuhr danach fürs Deutsche Rote Kreuz Essen auf Rädern aus. Bis die älteren Menschen wegstarben und das DRK das Angebot einstellte. Heute arbeitet er noch immer fürs DRK, macht Behindertenfahrten oder übernimmt andere Aufgaben fürs DRK, hilft gerne, wo Hilfe gebraucht wird. Als Minijobber. Seit kurzem hat der 55-Jährige zudem eine Erwerbsunfähigkeitsrente durch.

Mich einen Nazi zu nennen, das ist das Allerletzte!

Horst Karpinsky (AfD-Landtagskandidat)

Doch zurück zur Politik. Warum ist es ausgerechnet die AfD geworden? „Ich habe mich über die SPD geärgert. Hartz IV – da hatte sich gewaltig der Kompass verschoben“, sagt er. Den Weg findet er nicht ungewöhnlich. „Zehn bis 15 Prozent im Kreisverband sind früher bei der SPD gewesen“, sagt er, „im Märkischen Kreis haben wir mit Handwerkern, Unternehmern und Arbeitern in der Partei einen Querschnitt der gesamten Gesellschaft und keine Spinner.“

Dass es die in der AfD, gerade am rechten Rand, gibt, will er nicht abstreiten. Im Gegenteil. Die „Rechtsaußen“ ärgern ihn. So wie es ihn geärgert hat, dass er in der Gewerkschaft als Nazi beschimpft wurde. Da ist nach mehr als 20 Jahren ausgetreten („Mich einen Nazi zu nennen, das ist das Allerletzte“). Als bei einer AfD-Veranstaltung der NPD-Mann Stephan Haase aufgetaucht ist, hat er ihn weggeschickt. „Mit solchen Leuten wollen wir nichts zu tun haben.“

Ein Leben lang linker Verteidiger

So ist Karpinsky auch heute als linker Verteidiger, diesmal nicht beim Post SV, sondern bei der AfD unterwegs. „Unser Kreissprecher Klaus Laatsch hat wie ich eine Partnerin mit Migrationshintergrund“, sagt Karpinsky. Ein Landtagskandidat der Partei im Kreis ist Charalambos Karagiannidis. „Bei uns sind alle stinknormal, dafür lege ich meine Hand ins Feuer“, sagt Karpinsky, „wir sind nicht gegen Menschen, wir sind gegen falsche Politik. Politik und Verwaltung sind heute so unbeweglich geworden.“ Und für Karpinsky gilt: Den Protest „gegens Establishment“, wie er es nennt, lebt er mit einem „roten Herzen.“

Horst Karpinsky: Baustellenprobleme mit dem Blick die Tiefbauers

Im heimischen Wahlkreis 123 (Lüdenscheid, Schalksmühle, Halver, Kierspe, Meinerzhagen und Herscheid) stehen am 15. Mai sieben Direktkandidaten zur Wahl: Ralf Schwarzkopf (CDU), Gordan Dudas (SPD), Angela Freimuth (FDP), Julia Decker (Grüne), Otto Ersching (Linke), Horst Karpinsky (AfD) und Stefanie Kordaß-Aysanoglu (Die Basis).

Horst Karpinsky sitzt für die AfD im Kreistag im Verkehrsauschuss. Als gelernter Tiefbauer hat er einen Blick auf Baustellenprobleme und kritisiert, wenn auf den Umleitungsstrecken der A45-Sperrung an Baustellen festgehalten wird. Karpinsky will für Bürgernähe stehen und sieht in der Energiepolitik die Abkehr von Kohle und Kernkraft kritisch. In der Corona-Politik liegt er nicht auf AfD-Linie. „Natürlich bin ich geboostert“, sagt Horst Karpinsky, „jeder sollte beim Impfen seine Entscheidung selbst treffen dürfen.“

Wobei: Es ist eigentlich gar kein konsequenter Protestkurs. Landrat Voge bescheinigt er in der Krise eine sehr gute Arbeit. Bei Bundeskanzler Scholz findet er die zögerliche Haltung in der Waffenfrage sehr gut. Und für die Landtagswahl wünscht er sich, dass die Landesregierung einfach weitermachen soll. „Nur die Ideologie der Grünen mag ich mir gar nicht in der Regierung vorstellen“, sagt Karpinsky, der für seine Partei gerne fünf Prozent holen würde, „das wäre ein Achtungserfolg.“ Nicht unbedingt erwartbar. genau Karpinskys Sache.

Die weiteren Kandidaten für die Landtagswahl im Wahlkreis 123 (Erststimme) im Porträt:

Auch interessant

Kommentare