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Landtagskandidaten im Wahlkreis 123: Gordan Dudas (SPD) im Porträt

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Von: Thomas Machatzke

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Gordan Dudas SPD Portrait
Gordan Dudas im Breddermann in Schalksmühle: Wie hier in der Corona-Zeit etwas ganz Neues entstanden ist, bewundert der Landtagsabgeordnete der SPD. © Machatzke, Thomas

Im heimischen Wahlkreis 123 (Lüdenscheid, Schalksmühle, Halver, Kierspe, Meinerzhagen und Herscheid) stehen am 15. Mai sieben Direktkandidaten zur Wahl: Gordan Dudas (SPD) im Portrait.

Lüdenscheid – Das Kulturcafé Breddermann im Schalksmühler Ortskern hat Gordan Dudas für seinen Portraittermin sehr bewusst gewählt. Zum einen, weil die Kultur so gelitten hat in den vergangenen beiden Jahren, vor allem aber, weil sich hier in der Pandemiezeit einer etwas getraut hat. Weil hier etwas Neues entstanden ist. Und vielleicht auch ein wenig, weil das Café auf regionale Produkte setzt. Die Region und ihre Menschen, die vertritt der Lüdenscheider seit nunmehr 13 Jahren im Landtag in Düsseldorf.

„Eigentlich war Berufspolitiker nie das Ziel“, sagt der 51-Jährige. Das Interesse an der Politik hatte sein Lehrer Fritz Schmid auf der Gesamtschule Kierspe früh geweckt. Ganz klassisch der Zugang. „Wir sollten zur Diskussion angeregt werden“, erinnert sich Dudas und ist Schmid sehr dankbar dafür, „da stellt sich dann schnell die Gerechtigkeitsfrage. Du bekommst nichts geschenkt, musst für alles kämpfen.“ Daheim war der Vater Fabrikarbeiter, die Mutter Reinigungskraft bei der Stadt. Die SPD als politische Heimat lag da nah. „Und reden konnte ich immer“, sagt Gordan Dudas beim Milchkaffee und einem Stück Apfelkuchen und lacht.

So fand er mit 16 zu den Jusos und seinen ersten politischen Themen. „Wir haben für eine Großdisco im Industriegebiet am Freisenberg gekämpft“, sagt er, „die gibt es bis heute nicht.“ Nicht alle politischen Wünsche erfüllen sich. Mit 18 trat er in die SPD ein. Es war die Zeit des Mauerfalls. „Alles war im Wandel“, sagt er. Sein nächster Schritt war der in die Kommunalpolitik, der er bis heute treu geblieben ist.

Landtagskandidaten im Wahlkreis 123: Gordan Dudas (SPD)

Aber die Politik lief immer nebenher. Dudas machte bei einem Gardinengeschäft an der Knapper Straße eine Ausbildung zum Raumausstatter. „Handwerklich war ich ganz gut, aber nicht perfekt“, sagt er. Deshalb suchte er sich nach der Bundeswehrzeit etwas Neues und heuerte bei Möbel Sonneborn als Schauwerbegestalter an, wurde im Lüdenscheider Süden Ausbildungsleiter und Vorsitzender des Betriebsrats. Parallel beackerte er für die SPD im Stadtrat kommunale Politikthemen. Und wenn Zeit war, schaute er sich seine Schalker Jungs an. Schon sein Vater war Schalke-Fan gewesen. Noch heute hat Dudas eine Dauerkarte für die Königsblauen. Wenn man ihn nach Vorbildern fragt, dann erzählt er zwar, dass ihn Politiker wie Brandt, Obama oder Gorbatschow enorm beeindruckt hätten. Sein einziges großes Idol oder Vorbild wird aber immer Klaus Fischer bleiben, der König der Fallrückzieher vom FC Schalke.

Doch zurück zur Politik: Als die SPD 2009 einen Nachfolger für Gerd Wirth suchte, der die Region lange in Düsseldorf vertreten hatte, brachte Dieter Dzewas Gordan Dudas ins Spiel. Aber es gab auch andere Bewerber: In Lüdenscheid Verena Kasperek und Lothar Hellwig, in Kierspe Marc Voswinkel. Es war ein offenes Rennen, aus dem er damals als Sieger hervorging. Dieser Sieger forderte nun Bernd Schulte heraus im Kampf ums Direktmandat. Schulte war im Vergleich zu Dudas ein politisches Schwergewicht. Der SPD-Mann erinnert sich an eine LN-Karikatur, die heute in seinem Landtagsbüro in Düsseldorf einen besonderen Platz gefunden hat. Sie zeigte Dudas im Boxring in den Seilen hängend, mit ein paar kleinen Boxhandschuhen, wie sie in Autos am Rückspiegel baumeln, in der Hand. Vor ihm ein übergroßer Schulte. „Naja, für so’n paar Seitenhieben wird’s reichen“, stand darunter. „Das war toll gezeichnet und hat mich unheimlich motiviert“, sagt Dudas. Er gewann den Boxkampf ums Landtagsmandat, eine kleine Sensation. Willkommen in einer neuen, anderen Welt.

„Die erste Rede im Plenarsaal, das war der schlimmste Moment meines Lebens“, erzählt Dudas, „klatschnass war ich danach. Ich hatte noch nie so viel Lampenfieber.“ Er erinnert sich aber auch an den ersten großen Erfolg, als man in Düsseldorf die Abschaffung der Studiengebühren einführte. An die spontane Party im Landtag, die Studenten organisiert hatte. „Danke, ohne Sie hätte ich nicht studieren können“, sagte ihm damals eine junge, ihm völlig unbekannte Frau und nahm ihn in den Arm. „Diese Erfahrung, ganz konkret etwas bewegt zu haben, vergisst man nicht.“

Berufspolitiker war nie das Ziel...

Gordan Dudas (SPD-Landtagskandidat)

Wenn man Dudas fragt, was ihm gefällt an seinem Job, dann muss er nicht lange überlegen. „Man lernt an jedem Tag neue Menschen kennen“, sagt er, „und man lernt jeden Tag etwas dazu.“ Zu seiner Partei steht er auch bei umstrittenen Themen. Wenn Kanzler Scholz sich dieser Tage in Zurückhaltung übt im Ukraine-Krieg, findet Dudas das gut. „Ich bin froh, dass wir einen Kanzler haben, der sich nicht in den populistischen Mainstream ziehen lässt“, sagt er, „natürlich müssen wir der Ukraine helfen, aber wir dürfen die Situation nicht eskalieren lassen. Auch wenn das aktuell vielleicht Stimmen kostet.“

Da, wo er es für nötig hält, ist Dudas aber auch selbstkritisch. Die Agenda 2020 hält er reformbedürftig, Hartz IV für einen Fehler der SPD. „Das hat dazu geführt, dass viele Leute bis heute aus dem sozialen Leben ausgeschieden sind“, sagt er und wünscht sich Korrekturen.

Den Wahlkampf bestimmt indes ein anderes Themen: die A45-Sperrung. „Seit dem 2. Dezember hat sich mein Leben als Abgeordneter verändert“, sagt Dudas, „ich bin eindimensionaler geworden. Diese Sperrung ist gefährlich für die Region.“ In den Köpfen der Verantwortlichen außerhalb des Märkischen Kreises sei dies aber noch nicht angekommen. Deshalb fordert er die weiträumige Umleitung des Schwerlastverkehrs und spätestens nach der Sprengung auch einen klaren Zeitplan für den Neubau. Bis dahin sollten alle rechtlichen Fragen geklärt sein. „Fünf Jahre sind nicht akzeptabel“, sagt Dudas, „aber wenn im Oktober gesprengt wird und zwei Jahre Bauzeit angesetzt würden, würde die Brücke nach drei Jahren stehen. Das muss das Planziel sein.“ Dafür will Dudas auch in Düsseldorf weiter kämpfen – am liebsten nach dem 15. Mai mit der SPD in der neuen Landesregierung.

Gordan Dudas: Reisen zur Mosel als Freizeitfavorit

Im heimischen Wahlkreis 123 (Lüdenscheid, Schalksmühle, Halver, Kierspe, Meinerzhagen und Herscheid) stehen am 15. Mai sieben Direktkandidaten zur Wahl: Ralf Schwarzkopf (CDU), Gordan Dudas (SPD), Angela Freimuth (FDP), Julia Decker (Grüne), Otto Ersching (Linke), Horst Karpinsky (AfD) und Stefanie Kordaß-Aysanoglu (Die Basis).

Gordan Dudas kandidiert in diesem Jahr zum vierten Mal für den Landtag. Der Lüdenscheider lebt mit einer Lebensgefährtin in der Bergstadt. In der Familie findet er den Ausgleich zur Politik, geht mit seiner Partnerin gerne Wandern und verbringt Zeit in der Natur. Über die vier Töchter (zwei Erzieherinnen, zwei MTA) bekommt er immer wieder Einblicke in zwei wichtige Lebensbereiche außerhalb der Politik. Gordan Dudas kocht gerne und leidenschaftlich, verbunden mit geselligen Abenden mit Freunden. Auch Reisen zur Mosel gehören zu den Freizeitfavoriten des 51-Jährigen.

Die weiteren Kandidaten für die Landtagswahl im Wahlkreis 123 (Erststimme) im Porträt:

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