Landratswahl im Märkischen Kreis: Volker Schmidt (SPD) im Porträt

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Volker Schmidt hat ein Faible für bunte Krawatten.

Lüdenscheid – Volker Schmidt ist ein Gewohnheitsmensch. Das hat seine Vorteile. Eingespielte Prozesse geben Sicherheit. Ihm selbst und den anderen. Aber er bricht auch mit Gewohnheiten, wenn er es für nötig hält. Wenn sich etwas nicht so entwickelt wie angestrebt. Oder wenn sich eine neue Perspektive ergibt.

Dann ist es Zeit für Veränderung. Zeit, etwas Neues zu machen. Landrat, zum Beispiel. Die Partei hat ihn, der seit 25 Jahren Mitglied ist, gefragt, ob er sich das vorstellen könnte. Kann er. „Und wenn man sich entscheidet, dann will man’s ja auch werden.“ Es passt in die Lebensplanung. Er wollte ohnehin bis 70 arbeiten. Das dürfe man auch als Beamter, wenn der Arbeitgeber zustimme, erläutert er. Woanders wollen über 70-Jährige noch Präsident werden. „Da kann ich noch zweimal wiedergewählt werden“, hat er ausgerechnet. Passt doch. Mit seinen 64 Jahren fühlt er sich allemal jung genug. Und fit genug. 

Jeden Tag ein 10-Kilometer-Lauf

Dafür tut er einiges. Seit 45 Jahren rahmen die Morgengymnastik und ein 10-Kilometer-Feierabendlauf einen mehr oder weniger stressigen Arbeitstag ein. Natürlich sei er im Alter etwas langsamer geworden, sagt er und lacht: „Aber nach dem Laufen sind die Probleme etwas kleiner.“ Um 5.15 Uhr steht er auf. Denn wenn er erst um 7 Uhr am Kreishaus ist, hat er Probleme, einen Parkplatz zu finden. Als Landrat hätte er zwar auch keinen festen Parkplatz, dafür aber einen Fahrer. Es ist kein Schreibtisch-Job, für den er sich bewirbt, es ist ein 50-Prozent-unterwegs-Job. Mittlerweile ist er ganz gerne unterwegs, hat den Reiz des Reisens erst recht spät für sich entdeckt. Sein erster „normaler“ Flug sei 2006 gewesen. Damals ging’s in die polnische Partnerstadt. Die Hubschrauber-Flüge aus seiner Zeit beim Bund, die zählt er nicht. Lieber die Tausende von Kilometern, die er in den letzten 14 Jahren in Reisebussen zurückgelegt hat. Damals hat er Astrid Altmann kennengelernt, seine Lebensgefährtin. Italien, Baltikum, Russland, Andalusien – „ich reise sehr gerne“, sagt sie. „Ich nicht so gerne auf eigene Faust“, sagt er. 

Die Sicherheit ist ihm wichtig, die Planbarkeit: „Für mich ist das einfacher.“ Auch wenn es auf Kosten der Spontaneität geht. Das Spontane verwahrt er sich für offizielle Reden. Die liest er nicht gerne ab, improvisiert lieber. Spontaneität ist beim Reisen jetzt ohnehin nicht mehr angesagt. Deshalb bleibt die Skyline von New York wohl auf die Krawattennadel beschränkt. Und Fotoreisen durch Asien – die sollen jetzt andere machen. Ihm bleiben allemal die Bücher über ferne Länder, „obwohl Bücher über Fotografie sehr teuer sind“. Aber im Allgäu war’s auch schön, ihm ist nicht bang, keine Ziele mehr zu finden. Fürs Reisen gilt nun halt „weniger Distanz“. Für den Alltag als Chef des Corona-Krisenstabs im Märkischen Kreis gilt das nicht. „Doch Corona ist ja irgendwann auch mal vorbei“, sagt er und schätzt „mit Aufräumarbeiten vielleicht noch zwei Jahre“. Auch deshalb sieht’s nicht gut aus mit Urlaub im Moment. „Am 4. Juli habe ich einen Tag frei gehabt“, erzählt er von dem Tag mit einem Foto-Workshop an der Wuppertaler Schwebebahn und im Fußballstadion. Aufmerksam plaudernd sitzt er in einem pinkfarbenen Relaxsessel vor einem Glastisch, inmitten von Holzmöbeln, die sich an antike Vorbilder anlehnen. 

Wohnzimmer mit Essbereich, zwischendrin ein Bildschirmarbeitsplatz, an dem er seine Fotos bearbeitet. Eine Schiebetür führt in den Garten. „Ich arbeite auch im Garten“, folgt er dem Blick. „Nur unter Druck“, ergänzt seine Lebensgefährtin. Er hat sich ein Buch zum Thema gekauft, seine Art, sich dem Unbekannten anzunähern: „Das ist aber mehr philosophischer Natur“, räumt er ein und sympathisiert sichtlich mit dem Autoren, der „wild wachsen lassen“ empfehle. An der Wand hängt eine Geige. Eine Geige? Nein, ein Instrument spielt er nicht: „Bloß nicht.“ Nicht auch das noch. Denn er ist durchaus Perfektionist. Beim Tanzen, zum Beispiel. Auch so etwas, das er mit seiner Partnerin vor mehr als zehn Jahren begonnen hat. Aus Sicht desjenigen, der nicht tanzen kann, „sind wir vermutlich gut“, sagt der drahtige Sportler bescheiden. „Man lernt immer etwas dazu. Das ist ja nie zu Ende. Manchmal ist das ein bisschen frustrierend.“ Frust und Erfolg – das ist dem Werder-Bremen-Fan, seit seiner Zeit als Trainer vertraut. Die Liebe zum Sport ist so alt wie er, der sein Abi „durch Schwimmen gerettet“ hat. An der Niederstein-Anlage aufgewachsen, den Sportplatz der Albert-Schweitzer-Schule vor der Tür, war klar, wo der Junge von klein auf zu finden war: auf dem Fußballplatz. Nur samstags und sonntags durfte er sich nicht dreckig machen. 

Fußballbegeistert und arbeitsfreudig

Bis heute freut er sich auf Montage. Nicht, dass er ohne Arbeit nicht leben könnte. Die Interessen sind vielfältig, die Neugier groß. „Ich könnte auch kochen“, glaubt er. Feigenmarmelade hat er mal gekocht. Aber eigentlich ist das mit dem Essen so eine Sache. Volker Schmidt, der Drahtige, lebt gesundheitsbewusst. Seit er das Intervallfasten für sich entdeckt hat, gibt es kein Frühstück mehr, dafür 16 Stunden lang literweise grünen Tee und acht Stunden lang am liebsten, aber natürlich nicht nur, Buttercreme und Apfelkuchen mit Sahne. „Das ist meine große Liebe: Ich gehe gerne in richtige Cafés“, sagt er und schwärmt von prächtigen Kaffeehäusern in Budapest, von der Lüdenscheider Oberstadt und Geheimtipps im inzwischen gut erkundeten Kreis. Eiserne Disziplin braucht Belohnung. Umstellungsprobleme? Er versteht die Frage nicht. „Ich hab’s einfach gemacht.“ Kein Kartoffeltief, kein Suppenkoma: „Man ist wach!“ Dass seine Astrid, eine Immobilienverwalterin, das Frühstücken liebt und deftiges Essen, ist kein Widerspruch. Jedem das Seine, Gemeinsamkeiten finden sich genug, wenn der andere interessiert ist – eine der Eigenschaften, die sie an ihm schätzt. Die anderen: „Er ist zuverlässig, vertrauens- und glaubwürdig.“ Der Vater war Schriftsetzer bei Staats, die Mutter gelernte Fotolaborantin, vor allem aber da für Mann und Kinder, für ihn und den älteren Bruder. Den ersten Fernseher bekam die Familie, als der Jüngste zwölf war und Olympiade in Mexiko, ein Telefon gab’s später – „aber da war ich schon außer Haus“. 

1979 hat der Lüdenscheider seine berufliche Laufbahn in der Kreisverwaltung begonnen, die damals noch den Hauptsitz in Altena hatte. Im Neubau in Lüdenscheid war er dann der Erste, „der einen PC hatte“. Geschäftsprozesse optimieren, Datenverarbeitung, Verwaltungsmodernisierung, damit fing’s an. Heute gibt es immer noch Zukunftsthemen – und Luft nach oben. Das würde er gerne anpacken: „Wer sich in der Verwaltung auskennt, hat’s einfacher.“ Er fühlt sich gerüstet. „Mit 64 sollte man seine Werte gefunden haben“, sagt er selbstbewusst. „Ich verbiege mich nicht. Ich mache es so, wie ich es sehe.“ Dazu gehört der Wille, den Ausgleich zu schaffen. Zusammenzuführen, was geht. „Man ist,“ sagt der Kandidat, „Landrat von allen.“

Zur Person: Volker Schmidt

Volker Schmidt ist Ur-Lüdenscheider, groß geworden im CVJM an der Werdohler Straße (Jungschar, Mitarbeiter). Nach dem Abitur am Zepp ging er für vier Jahre zur Bundeswehr (Oberleutnant der Reserve). 1979 hat er beim Kreis angefangen und war mit 35 Jahren Amtsleiter. Heute ist er Fachbereichsleiter Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz. Nebenbei ist er Dozent am Studieninstitut in Hagen, Präsident des DRK-Kreisverbandes, Kreisgeschäftsführer der Kriegsgräberfürsorge und Drobs-Vorsitzender. Aus seiner Ehe, die kurz vor der Silberhochzeit geschieden wurde, stammen zwei erwachsene Kinder.

Die Mitbewerber um den Landratsposten im Märkischen Kreis: 

Zu Besuch bei Angela Freimuth, FDP 

Zu Besuch bei Marco Voge, CDU 

Dasist der AFD-Kandidat Gerhard Droßel

Das ist der UWG-Kandidat Walter Gertitschke 

Zu Besuch bei Christian Kißler (Die Linke)

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