Landratswahl im Märkischen Kreis: Marco Voge (CDU) im Porträt

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Marco Voge und seine Familie im Balver Ortsteil Mellen.

Märkischer Kreis – Muss man dem kleinen Heimatort den Rücken kehren und in eine pulsierende Stadt ziehen, um seinen Weg zu machen? „Auf keinen Fall“, sagt Marco Voge und lehnt sich entspannt zurück.

Er wohnt seit 40 Jahren im beschaulichen Balver Ortsteil Mellen. Das Golddorf, das 1991 beim Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ den ersten und 2006 den zweiten Platz belegte, ist ihm aus vielerlei Gründen eine Herzenssache. Beruflich will der CDU-Landtagsabgeordnete, der vor drei Jahren in seinem Wahlkreis das Direktmandat mit 43,2 Prozent holte, hingegen zu neuen Ufern: Er kandidiert für das Amt des Landrates. Den Wahlabend am 13. September möchte er mit der Gewissheit ausklingen lassen, künftig nicht mehr in Düsseldorf, sondern in Lüdenscheid am Schreibtisch zu sitzen. 

Ein Mann der Traditionen 

Auch das hat seine Gründe. Idyllische Landschaft, schmucke Häuser, gepflegte Vorgärten: Wer in diesen Tagen Marco Voge daheim besucht, dem fällt nach diesen gewonnenen Eindrücken als nächstes der Fahnenmast vor dem Einfamilienhaus auf, an dem sich die blau-weiße Dorffahne im leichten Wind dreht. Die wird, klärt er den Städter auf, zu Beginn des Schützenfestes am ersten Samstag im August gehisst. Das fiel angesichts von Corona in diesem Jahr zwar deutlich bescheidener aus, aber Traditionen lassen sich nicht komplett aushebeln – auch dank großzügiger Weite. So wurde der Gottesdienst kurzerhand ins Freie verlegt, um alle Hygienevorschriften einzuhalten. Die Schützenbruderschaft St. Hubertus ist für Mellen weit mehr als nur ein Verein. 

Das machen schon zwei Zahlen eindrucksvoll deutlich. Von den rund 600 Einwohnern des Dorfes haben 450 einen Mitgliedsausweis – sogar einige „Auswärtige“ bereichern die Kartei. „Wir veranstalten sehr viel für die Menschen“, sagt Voge, der viele Jahre als Schriftführer bei den Schützen tätig war. Das nächste Großereignis ist hingegen vollständig gestrichen. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr müssen die Mellener auf ihren besucherstar-ken Martinsmarkt im November verzichten. Wegen Corona haben die Organisatoren diese beliebte Veranstaltung abgesagt. „Angefangen haben wir mit einem gemütlichen Treffen im Dorf, entstanden ist daraus ein bunter Markt mit 40 bis 50 Ständen. Über die gesperrte Balver Straße flanieren dann rund 5000 Menschen aus der Region“, erklärt Voge mit Freude über das Erreichte. 

Einmal Mellener, immer Mellener

Dass es nun zur 25. Auflage ausfallen müsse, sei natürlich sehr bedauerlich. Die Fahne werde trotzdem vorm Haus gehisst. Fürs im Wind flatternde Tuch gelten schließlich keine Auf-lagen. Schützenfest und Martinsmarkt stehen für den christdemokratischen Landratskandidaten beispielhaft für eine intakte Gemeinschaft. Als Ortsvorsteher hat er daran wesentlichen Anteil. Seit sechs Jahren ist er Ehrenbeamter der Stadt Balve. In dieser Funktion sieht er sich als Bindeglied zwischen städtischer Verwaltung und den Interessen des Dorfes. „Ich bin ausgesprochen stolz auf das, was wir auf die Beine stellen.“ 

Einmal im Quartal wird eine Dorfversammlung einberufen, zu der jeder Mellener eingeladen ist. Aktuell wird das Merchandising vorangetrieben, schließlich sind Fanartikel kein exklusives Werbefeld für die Großen. Deshalb soll der Fanshop neben Anstecknadeln künftig noch Einkaufswagen-Chips und Aufkleber anbieten – alles versehen mit dem Mellener Dorfwappen. Weitere Aktionen und Initiativen wie Babywald und der Arbeitskreis der Dorfkümmerer spiegeln das Zusammenleben sowie die gegenseitige Unterstützung wider. Dass im Dorf jeder jeden kennt und aus seinen geplanten kurzen Spaziergängen nicht selten längere Ausflüge werden, weil es zwischen Gartenzäunen und Blumenbeeten noch dies und das mit den Anwohnern zu besprechen gilt, stört ihn ganz und gar nicht. 

„Es gibt viele schöne Orte auf der Welt, aber eben nur ein Mellen. Ich bin hier aufgewachsen, das ganze Dorf war unser Spielplatz, und auch heute fühle ich mich hier total zufrieden und glücklich“. Den größten Anteil daran hat zweifellos die Familie. Hier lebt er mit Ehefrau Pamela und den Töchtern Emma (7) und Hanna (5) seit sechs Jahren im eigenen Haus, zur Nachbarschaft zählen Eltern und Schwester mit Familie. „Sie sind für mich der entscheidende Ankerpunkt. Das Frühstück mit der eigenen Familie gehört zur festen Tagesordnung, wenn nicht gerade die Sitzungswoche im Düsseldorfer Landtag den Terminkalender diktiert. Auch das Dorf hat familiären Charakter, in dem der Zusammenhalt großgeschrieben wird. Dass man sich kennt und hilft, macht den Charme aus“, betont der Kan-didat. So ist es von der Idee bis zum fertigen Angebot oft ein kurzer Weg – und das kann dabei mit großstädtischen Ereignissen mühelos mithalten. 

Die Familie steht an erster Stelle 

Jüngstes Beispiel ist das von der SG Balve-Garbeck initiierte Sauerlandkino. Das mobile Open-Air-Autokino bringt Filmerlebnisse in die ländliche Idylle. Dafür braucht‘s unter anderem Leinwand, Projektor und Fahrzeughänger. Wo ein Wille ist, ist schnell ein Weg gefunden: „Ich suche das, ich habe das – schwupp, schon ist die Sache organisiert.“ Vor seiner Wahl zum Abgeordneten war Marco Voge mehrere Jahre Büroleiter des CDU-Parlamentariers und Kreisvorsitzenden Thorsten Schick aus Iserlohn. „Meine Arbeit im Landtag mache ich extrem gerne. Wenn man Menschen mit einer Antwort, im Idealfall sogar mit einer Lösung, helfen kann, ist das immer wieder eine großartige Erfahrung.“ Mit Blick auf die Regionale 2025, die zahlreiche Projekte von der Digitalisierung über Mobilitätskonzepte bis hin zur medizinischen Versorgung ins Visier nimmt, gelte es, sich frühzeitig und an den richtigen Stellen zu positionieren, um optimale Fördermöglichkeiten zu erhalten. 

„Bei 31 Kreisen in Nordrhein-Westfalen gibt’s natürlich einen Verteilungskampf um Zuschüsse des Landes. Ich kann einen offiziellen Brief schreiben, der in irgendeiner Schublade landet, oder bekannte und direkte Drähte nutzen“, unterstreicht Marco Voge, der übrigens seit vielen Jahren Lüdenscheids Partnerstadt Den Helder als maritimen Urlaubsort an der niederländischen Nordseeküste zu schätzen weiß. Um solche Botschaften zur Person und zu den politischen Zielen publik zu machen, gelten heute Video-Clips als beliebte Kommunikationsmittel. 

Ein solcher Dreh, so sollte man meinen, sei im Gegensatz zur Stadt mit ihrem ständigen Grundrauschen in ländlicher Abgeschiedenheit eigentlich kein Problem. Eigentlich. Doch das naturnahe Porträt entwickelte sich zur Geduldsprobe. Die erste Aufnahme zerstörte ein unerwartet anspringender Rasenmähermotor. Die freundliche Bitte um Ruhe währte indes nur kurz. Die Heckenschere eines Gartenfreundes vis-à-vis zwang zu einem weiteren Stopp. Den dritten Anlauf beendete ein paar Häuser weiter ein dröhnender Kompressor. Sämtliche Hilferufe stießen bei den „lärmenden“ Nachbarn sofort auf offene Ohren, die ländliche Idylle kehrte für die Produktion zurück. Aller guten Dinge sind mitunter vier. Fürs persönliche Glück reichen Marco Voge wiederum drei: „Meine Mädels sind das Wichtigste in meinem Leben.“ Die eigene Prioritätenliste bleibt auch im Wahlkampf unangetastet.

Zur Person: Marco Voge 

Marco Voge, geboren 1979 in Balve, absolvierte nach der Mittleren Reife zunächst eine Ausbildung zum Informatiker. Danach erwarb er die Fachhochschulreife. Das anschließende Studium an der Universität Duisburg-Essen schloss der Mellener als Diplom-Sozialwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Politikwissenschaften ab. Es folgten Stationen beim Landesverband der CDU Nordrhein-Westfalen und bei der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union. Von 2012 bis zu seiner Wahl in den Landtag vor drei Jahren war Marco Voge als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Büroleiter des Iserlohner CDU-Landtagsabgeordneten Thorsten Schick tätig. Seit 2014 gehört er außerdem dem Rat der Stadt Balve und dem Kreistag des Märkischen Kreises an. Marco Voge ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Die Mitbewerber um den Landratsposten im Märkischen Kreis: 

Zu Besuch bei Angela Freimuth, FDP

Zu

Besuch bei Volker Schmidt, SPD

Das ist der AFD-Kandidat Gerhard Droßel

Das ist der UWG-Kandidat Walter Gertitschke 

Zu Besuch bei Christian Kißler (Die Linke)

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