Landratswahl im Märkischen Kreis: Angela Freimuth (FDP) im Porträt

+
Die Phänomenta in Lüdenscheid ist für Angela Freimuth immer ein lohnendes Ziel. „Ich bin immer wieder aufs Neue fasziniert von den zahlreichen Exponaten, die zum Mitmachen einladen.“

Märkischer Kreis – Eine zu Ostern geplante Japanreise abgesagt, die für Ende Mai vorgesehene Familienfeier in den USA verschoben, das für Mitte August im amerikanischen Bundesstaat Colorado terminierte Treffen der „National Conference of State Legislatures“, die als überparteiliche Organisation Abgeordnete aus vielen Ländern vereint und aktuelle Themen diskutiert, ins Wasser gefallen.

Die wegen der Corona-Pandemie erfolgten Reise-Annullierungen warfen den Terminkalender der FDP-Landtagsabgeordneten und Vizepräsidentin des Parlaments, Angela Freimuth, gehörig durcheinander. Auch vor Ort läuft nicht alles wie gewohnt – und das ausgerechnet im Wahlkampf. Denn für die Liberalen kandidiert sie nach 2014 zum zweiten Mal als Landrätin für den Märkischen Kreis. „Schade, dass keine einzige Podiumsdiskussion stattfindet, in der die Bürger die unterschiedlichen Konzepte der Bewerber erfahren und hinterfragen können. Aber die aktuelle Situation gibt uns zugleich die Möglichkeit, digitale Formate auszuprobieren und zu nutzen“, sagt die erfahrene Landespolitikerin, die gerne das direkte Gespräch sucht. 

Freundin des direkten Gesprächs

Damit der Dialogfaden erst gar nicht reißt, sollen Videokonferenzen und Fragen über den Chat den Kontakt zur Kandidatin halten. „So kann ich die Beteiligten im Wohnzimmer oder auf der Terrasse erreichen.“ Wie ein solches Format angenommen werde, müsse man sehen. „Die Krise hat uns allen gezeigt, dass Menschen innovative Kon-zepte und Lösungen finden, an die vorher niemand gedacht hat.“ Unternehmen digitalisierten Prozesse und Verwaltungen entwickelten ebenfalls neue Abläufe. Doch in den Rat- und Kreishäusern bleibe man kurz vorm Ziel auf der Strecke. „Genehmigungsverfahren laufen digital durch, aber die Gebührenrechnung wird ausgedruckt und per Post zugestellt, weil es die Gebührenordnung so vorsieht. Wir haben noch viel Spielraum für Verbesserungen.“ 

Den sieht Angela Freimuth auch im schulischen Bereich. Zwar habe „Lernen auf Distanz“ mit viel gutem Willen von Lehrern und Schülern schon sehr gut geklappt, technisch müsse noch an vielen Stellen aufgerüstet werden. Da gehe es zum einen natürlich um die Notwendigkeit eines flächendeckenden Breitbandanschlusses, speziell für den funktionierenden Lehrbetrieb brauche es unterstützende IT-Kräfte. In den direkten Zuständigkeitsbereich des Kreises fielen zwar ausschließlich die Förderschulen und Berufskollegs, ein gebündelter Support, der allen Einrichtungen zur Verfügung stehe, mache das Lernen letztlich effektiv. „Ich will selbstverständlich nicht in die Kompetenzen von Städten und Gemeinden reingrätschen. Aber eine solche Kundenbetreuung ist für alle Schulträger ein wichtiges Element und legt eine Zusammenarbeit für den technischen Bereich nahe.“ 

Partner in der Region finden, vernetzen, den Austausch von Ideen und Kon-zepten forcieren – das sind für die Kandidatin zentrale Aufgabenfelder, um Herausforderungen auch bei knappen Haushaltsmitteln zu meistern. Der Bereich Mobilität ist für sie ein Beispiel dafür, dass mehrere Köche nicht zwangsläufig alles verderben. „Für junge Familien ist heute das Auto nicht mehr unbedingt der Mittelpunkt, trotzdem wird der Individualverkehr bleiben. Gleichzeitig müssen wir das Angebot der Märkischen Verkehrsgesellschaft so ausgestalten, dass in Zeiten schwacher Nachfrage Busfahrten gewährleistet sind.“ Dafür werde es in Meinerzhagen eine „On-Demand“-Testphase geben. Über eine Smartphone-App geben die Nutzer Start- und Zielort ein und erhalten die Abfahrtszeiten eines Shuttles – „gerade für die Außenbezirke mit ihrer geringen Fahrgastnachfrage ist der bedarfsgerechte Service eine sinnvolle Einbindung in den Nahverkehr“. Eine weitere Suche nach dem besten Konzept werde derzeit in Iserlohn vorangetrieben. Die Fachhochschule Südwestfalen, das Forschungszentrum Jülich und die Stadtwerke vor Ort erprobten ein Modell fürs autonome Fahren. „Ich möchte starke Hochschulen und Einrichtungen häufiger mit ins Boot nehmen, um neue Wege zu bestreiten. Wo es Ankerpunkte gibt, sollten wir den Dialog mit den Hochschulen intensivieren.“ 

Vernetzung und Mobilität zentrale Themen

Eine neue Mobilitätsform hat die Mutter eines 13-jährigen Sohnes für sich entdeckt: das E-Bike. Die guten Vorsätze, aufs Auto zu verzichten und sich stattdessen elektrisch unterstützt auf den Weg zu machen, werden gerne in die Tat umgesetzt. Während die Strecke vom Wohnort Schalksmühle nach Lüdenscheid noch vergleichsweise komfortabel zurückgelegt werde, müsse es beim Lenneradweg endlich den ersehnten Lückenschluss zwischen Plettenberg und Werdohl geben. „Wir brauchen ein schlüssiges Konzept.“ Während die Topografie im Kreisgebiet lange Zeit nur konditionsstarke Radsportler zugelassen habe, sei durch die Pedelecs ein neuer Trend erkennbar: „Viele Menschen sind aufs Fahrrad umgestiegen.“ Diese Entwicklung werfe nun neue Fragen auf: Wie sind die Mitnahmemöglichkeiten in Bus und Bahn, gibt es ausreichend Stellplätze an zentralen Punkten? Wer sich wie der Märkische Kreis als Innovationsregion verstehe und dies nicht allein auf den Bereich der Wirtschaft mit seinen vielen Weltmarktführern begrenzen wolle, müsse genau hinschauen, wo es Synergien gebe. „Nicht jeder muss alles vorhalten.“ Deshalb sei es eben wichtig, miteinander zu arbeiten. Nur durch die enge Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft werde es gelingen, die Klimaziele zu erreichen. Der hervorragende nationale und internationale Ruf der märkischen Unternehmen gehe übrigens weit über das Produkt hinaus. Ein Exportschlager ganz besonderer Art, der sich allerdings in keiner Bilanz und in keiner Konjunkturprognose von Wirtschaftsinstituten finde, sei die „duale Berufsausbildung“. Das Zusammenspiel von Ausbildungsbetrieb und Berufsschule, weiß die Vorsitzende der NRW-USA-Parlamentariergruppe aus eigener Erfahrung, ist in der größten Volkswirtschaft praktisch unbekannt. „Die Amerikaner staunen jedes Mal Bauklötze, wenn ich davon erzähle. Wir brauchen uns in keiner Weise zu verstecken.“ 

Bei solchen Vorträgen kann Angela Freimuth auf einen persönlichen Erfahrungsschatz bauen, denn ins Berufsleben startete sie nach dem Abitur mit einer Ausbildung zur Werkzeugmacherin beim Lüdenscheider Unternehmen Busch-Jaeger-Elektro – „eine tolle und prägende Zeit“. Paragrafen und Gesetze lösten anschließend im Rahmen des Jurastudiums technische Zeichnungen und Präzisionswerkzeuge ab. Der ursprüngliche Berufswunsch geriet bei aller Faszination für die Technik nicht in Vergessenheit: Seit 1998 ist die liberale Abgeordnete als selbstständige Rechtsanwältin beim Landgericht Bonn zugelassen. 

Als leidenschaftliche Hobby-Köchin, die gerne Neues ausprobiert, weiß Angela Freimuth die ebenso vielfältigen wie unbekannten Eindrücke aus anderen Ländern zu schätzen. „Auslandsaufenthalte sind stets wunderbare Gelegenheiten, neue Ideen zu sammeln. Sie schärfen den Überblick.“ In diesem Jahr, da ist sie sich mit Ehemann Axel Hoffmann und Sohn Martin einig, wird‘s wohl nichts mehr mit einem USA- oder Japan-Trip. „Zum ersten Mal seit 26 Jahren können wir unsere amerikanischen Freunde nicht besuchen.“ Dabei gibt es auf ihrer persönlichen Landkarte zwischen Ost- und Westküste noch einige weiße Flecken. Sieben Bundesstaaten – darunter Alaska – harren noch der Erkundung. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, lautet ihre Devise für die Nach-Corona-Zeit.

Zur Person: Angela Freimuth

Angela Freimuth, geboren am 12. Juli 1966, absolvierte nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zur Werkzeugmacherin beim Lüdenscheider Unternehmen Busch-Jaeger-Elektro, studierte anschließend Jura und ist seit 1998 als selbstständige Rechtsanwältin zugelassen. Ihre politische Karriere begann 1987 bei den Jungen Liberalen. Im Mai 2000 zog sie erstmals für die FDP in den nordrein-westfälischen Landtag ein. Das Parlament wählte sie für die Jahre 2005 bis 2012 und seit Juni 2017 zur Vizepräsidentin. Aktuell vertritt sie die FDP im Landtag als Obfrau im Hauptausschuss sowie als Sprecherin für Wissenschaft und Forschung. Angela Freimuth ist Vorsitzende der NRW-USA-Parlamentariergruppe und seit zwei Jahren in dieser Funktion auch um engere Beziehungen zu Japan bestrebt.

Die Mitbewerber um den Landratsposten im Märkischen Kreis: 

Das ist der CDU-Kandidat Marco Voge

Zu Besuch bei Volker Schmidt, SPD 

Dasist der AFD-Kandidat Gerhard Droßel

Das ist der UWG-Kandidat Walter Gertitschke 

Zu Besuch bei Christian Kißler (Die Linke)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare