Firmen sehen kommunale Steuern als Gefahr

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SIHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Peter Rapp-Frick (l.) und Rudolf Wittig, Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung, stellten gestern die neuesten Konjunkturdaten vor. -

MÄRKISCHER KREIS – Selbstbewusst und zuversichtlich präsentiert sich die südwestfälische Wirtschaft zu Jahresbeginn. Das ist das Ergebnis einer Konjunkturumfrage, die am Mittwoch SIHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Peter Rapp-Frick und Rudolf Wittig, Fachbereichsleiter Wirtschaftsförderung bei der Kammer, vorstellten.

Allerdings machten sich die Unternehmen zunehmend Gedanken über steigende Gewerbe- und Grundsteuer-B-Abgaben. „Wird noch hier investiert oder bald an anderen Standorten?“ Diese Frage, so Rapp-Frick, werde immer intensiver diskutiert.

Beispiel Hemer: Der Hebesatz für die Gewerbesteuer liegt in diesem Jahr bei 480, die Grundsteuer B, die auch Unternehmen zahlen müssen, ist auf 680 Punkte geklettert. Angesichts der desolaten Finanzlage ist in den meisten Städten und Gemeinden zum Teil kräftig an der Steuerschraube gedreht worden – und zwar ausnahmslos nach oben. Im Rheinland wie auch in Hessen, so Rapp-Frick, seien die Rahmenbedingungen für die Unternehmen in einigen Regionen deutlich günstiger. Angesichts des hohen Energiepreisniveaus würden die steuerlichen Belastungen durch die Kommunen bei den Firmenumfragen zunehmend eine Rolle spielen. Stark exportorientierte Unternehmen tendierten sogar dazu, notwendige Investitionen am ehesten in den Absatzländern, zum Beispiel Asien, zu tätigen. Das habe sich bei der aktuellen Winterumfrage in 231 Betrieben mit 38 900 Beschäftigen herauskristallisiert. Trotz dieses Umfelds erwarte die heimische Wirtschaft „nach Überwindung der momentanen Konjunkturschwäche eine schrittweise Erholung in diesem Jahr“. 88 Prozent der Betriebe seien mit ihrer aktuellen Geschäftslage mindestens zufrieden. Für dieses Jahr rechneten nur noch 29 Prozent der Unternehmen – nach noch 39 Prozent im Spätsommer vergangenen Jahres – mit schlechter werdenden Geschäften. Dagegen sei der Anteil der Optimisten mit besser laufenden Geschäften wieder um sieben Prozent gestiegen. „Damit ist eine Erholung in den nächsten Monaten in Sicht.“ Nach einer Zurückhaltung im letzten Quartal 2012 sei die Stimmung seit Anfang des Jahres umgeschwenkt.

Das gelte nur nicht für den Kfz-Handel. Der leide unter starken Überkapazitäten und den Rabattschlachten der vergangenen Monate. „Alle Autohändler berichten von schlechten Geschäften und erwarten weiter sinkende Absatzzahlen.“ Die anderen Handelsbereiche seien dagegen weiter optimistisch gestimmt. Die derzeit mageren Zinserlöse hätten die Bereitschaft zum Kauf von Konsumgütern beflügelt. Dazu beigetragen habe zweifellos auch die gute Beschäftigungslage. Die sei zuletzt 1991 so niedrig gewesen wie im vergangenen Jahr. Zwar hätten viele Firmen vorsorglich Kurzarbeit angemeldet, sie aber im Januar nicht umgesetzt. Rapp-Frick: „Zwölf Prozent der befragten Firmen wollen sogar Arbeitskräfte einstellen. Das ist ein gutes Zeichen für die Wirtschaftsregion.“

Dagegen wachse der Druck auf die Unternehmen durch die steigenden Energiepreise. 49 Prozent planten, mit einer erhöhten Material- und Energieeffizienz den Kostendruck in den Griff zu bekommen. Mit eigenen Energiemanagern wolle die Kammer mögliche Sparpotentiale mit den Betrieben ausloten. „Das Interesse wächst.“ - be

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