Umfrage des Märkischen Arbeitgeberverbandes / Skeptischer Blick in die Zukunft

Konjunkturlage in der Schwebe

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Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV), Geschäftsführer Werner Sülberg und Pressesprecher Josef Schule (v. l.) stellten die Konjunkturumfrage vor. 

Iserlohn  - Der heimischen Metall- und Elektroindustrie geht es nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut. Ein wenig in der Schwebe blieb die traditionelle Konjunkturumfrage des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV), die der Vorsitzende Horst-Werner Maier-Hunke in Iserlohn vorstellte.

Das zunächst positive Ergebnis – 87 Prozent der beteiligten Unternehmen schätzen die aktuelle Geschäftslage als gut bis befriedigend ein (Vorjahr: 90 Prozent) – hat auch ihn überrascht: „Ich bin selber erstaunt, wie stabil die Lage ist.“ Geblieben ist die Skepsis.

Trotz eines Aufwärtstrends bei den Aufträgen im letzten Quartal erwarten nur noch 68 Prozent bessere oder gleich gute Geschäfte für das erste Halbjahr 2016. Im Vergleich: 2015 lag der Wert bei 70 Prozent, 2014 bei 80 Prozent. Gründe für diesen skeptischen Blick in die Zukunft sieht Maier-Hunke auf Unternehmerseite genug, denn: „50 Prozent der Wirtschaft ist Stimmung“.

Die wird eingetrübt durch die wenig stabile Lage in Europa und insbesondere die hohe Jugendarbeitslosigkeit in einigen Ländern. Immerhin gingen 60 Prozent der Exporte aus dem heimischen Raum nach Europa. Dazu kommen Probleme in China, Brasilien, Russland und der Krieg in vielen Teilen der Welt. „Das kostet Milliarden, die nicht woanders ausgegeben werden.“

Im Inland sei der Einfluss des VW-Skandals auf die Branche noch nicht so groß wie anfangs befürchtet, meint Maier-Hunke, der eine klare Meinung zu den Vorgängen hat: „Das war grob fahrlässig. Das gefährdet Arbeitsplätze und geht nicht.“ Größere Probleme unter anderem für die Beschäftigungsstruktur erwartet der MAV-Vorsitzende durch die Industrie 4.0, und auch die Flüchtlingsproblematik macht Sorge. Sein Verband will deshalb aktiv mit einem Qualifizierungsprogramm helfen. Dabei setzt er auf die Firmen im Verbandsgebiet (Lenneschiene und nördlicher Märkische Kreis, Hagen, Ennepe-Ruhr-Kreis).

172 von ihnen hatten sich an der aktuellen Konjunkturumfrage beteiligt, rund 19 500 Beschäftigte stehen dahinter. Trotz der stabilen Einschätzung der Geschäftsentwicklung und einer insgesamt guten bis befriedigenden Ertragslage – 81 Prozent der befragten Unternehmen bewerten sie so – zeigte die Umfrage aber auch eine sinkende Bereitschaft zu investieren. Nur noch gut die Hälfte will auf gleichem Niveau oder mehr Geld ausgeben, nämlich 54 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es noch 62 Prozent.

Auch der Beschäftigungsaufbau scheint ein Ende zu finden. Neueinstellungen planen nur noch zwölf Prozent der Umfrageteilnehmer, Entlassungen zehn Prozent (Vorjahr: 14 beziehungsweise acht Prozent). In absoluten Zahlen steht laut Umfrage 75 neuen Arbeitsplätzen der Abbau von 200 Stellen gegenüber. Unverändert groß dagegen bleibt die Bereitschaft, auszubilden. Nur sechs Prozent wollen da reduzieren. Maier-Hunke begrüßt das, sieht als einen Grund den langsam bemerkbaren Mangel an Nachwuchs. Bei den Ingenieuren gebe es im heimischen Raum, auch wegen der erfolgreichen Verbundstudiengänge, kaum Engpässe.

Die gewerblichen Ausbildungsplätze konnten dagegen nicht alle besetzt werden. „Das passt nicht immer hundertprozentig übereinander“, so Maier-Hunke. Der Verband habe bisher schon viel mit Jobbörsen und dem Info-Truck erreicht. „Wir müssen noch besser auf die Berufsbildung vorbereiten“, meint der MAV-Vorsitzende, der zu oft die Unterstützung der Eltern vermisst.

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