Konjunktur steht auf Frühling

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Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbandes, betonte die gute Stimmung in den Unternehmen, beklagte aber die Zurückhaltung bei den Investitionen.

ISERLOHN -  Auch wenn draußen die ersten Schneeflocken fielen – das konjunkturelle Thermometer in der heimischen Metall- und Elektro-Industrie steht auf Frühling. „Wir können nicht klagen“, befand Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV), in Iserlohn.

Sowohl die Einschätzung der Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate sehen deutlich besser aus als noch vor einem Jahr. Allein die Investitionsbereitschaft macht ihm Sorgen.

Das ist das Ergebnis der traditionellen Konjunkturumfrage zum Jahreswechsel, an der sich 210 Mitgliedsunternehmen des Verbandes beteiligten. Eine ungeschönte Zahl, wie Pressesprecher Josef Schulte schmunzelnd betonte, und zugleich eine hohe Beteiligung – schon das ist ein Hinweis darauf, dass die Stimmung in den heimischen Unternehmen gut ist.

31 Prozent der befragten Firmen schätzten die Geschäftslage so positiv ein – im Vorjahr waren 22 Prozent dieser Meinung. Nur jede siebte Firma (14 Prozent) beurteilt die Lage zurzeit schlecht, im Januar 2013 waren es 21 Prozent. Vor allem im November und Dezember hätten sich Auftragseingänge und Produktion positiv entwickelt. Dieser Trend wird sich in den kommenden Monaten fortsetzen, so die Erwartung beim Verband. Jedes vierte befragte Unternehmen rechnet mit besseren, mehr als die Hälfte mit gleich guten Geschäften (zusammen 80 Prozent). Zum Vergleich: Vor einem Jahr blickten noch 50 Prozent der Firmen sehr pessimistisch in die Zukunft.

Die positiven Erwartungen im Verbandsgebiet lägen damit auf dem höchsten Stand seit drei Jahren, stellt der MAV fest. Sowohl aus dem In- wie aus dem Ausland werden deutlich mehr Aufträge als noch vor einem Jahr erwartet. Das spiegelt sich auch bei der Mitarbeiterzahl wider. Die Zahl der Unternehmen, die ihre Belegschaft aufstocken wollen, hat sich von neun auf 18 Prozent verdoppelt – dahinter stecken 264 neue Arbeitsplätze. Nur sieben Prozent befürchten Entlassungen.

Unverändert hoch ist die Ausbildungsbereitschaft. 13 Prozent der befragten Firmen wollen mehr Lehrlinge einstellen. Das sei auch dringend erforderlich, meint Maier-Hunke. Das Nachwuchsproblem werde sich noch nicht in diesem oder im nächsten Jahr auf das Wachstum auswirken. „Auf Dauer kriegen wir aber nicht genügend junge Leute nach“, warnte er gestern erneut. Der Verband selbst greife aktiv ein. Das geplante Ausbildungszentrum in Letmathe ist für 110 Plätze konzipiert. „Wir hoffen, dass wir da noch mehr Minderqualifizierte unterbringen können“, erklärte MAV-Geschäftsführer Werner Sülberg – eine der Hauptaufgaben neben der Berufsorientierung, die zu oft am Bedarf vorbeilaufe: „Die Berufe in der verarbeitenden Industrie machen bei uns 40 bis 50 Prozent aus.“

Sorgen macht Maier-Hunke die Investitionstätigkeit der Unternehmen, die im Vergleich zum Vorjahr nur leicht steigt: „Das ist zu wenig.“ Die Unternehmen sähen sich zu vielen Unsicherheiten gegenüber, so bei der Renten- und Arbeitsmarktpolitik und insbesondere bei den Energiepreisen. „Was der Gabriel vorhat, ist okay“, lobte Maier-Hunke. Das gehe nur in der Großen Koalition, nahm er die zu erwartenden Aufschreie vorweg. Doch eines sei klar: „Die Energiekosten werden nicht sinken, sondern weiter steigen, wenn auch etwas moderater.“

- Von Hildegard Goor-Schotten

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