Burnout-Syndrom nimmt dramatisch zu

Dr. Gerhard Hildenbrand

MÄRKISCHER KREIS – Die Entwicklung ist erschreckend, aber traurige Realität: Immer mehr Arbeitnehmer erkranken und geben sogar vorzeitig ihren Beruf auf, weil sie mit dem Stress im Alltag nicht mehr fertig werden. Der Burnout als psychische und psychosomatische Erkrankung ist mittlerweile eines der größten Probleme in der Arbeitswelt.

Dr. Gerhard Hildenbrand, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie im Klinikum Lüdenscheid, sieht in der wachsenden Belastung und Unsicherheit am Arbeitsplatz den Grund für die drastische Zunahme an Fällen. „Viele fühlen sich in ihrem Job überfordert oder empfinden die Bedingungen am Arbeitsplatz als belastend – und werden krank.“ Die Zahl der Krankschreibungen sei aufgrund von Burnout-Symptomen nach einer Studie der Bundespsychotherapeutenkammer regelrecht explodiert: Gab es im Jahr 2004 bei 100 Versicherten 0,6 Fehltage im Jahr wegen des Leidens, waren es 2011 bereits neun Tage. Derzeit würden 12,3 Prozent aller betrieblichen Fehltage in Deutschland durch psychische Erkrankungen verursacht. Während ein durchschnittlicher Krankheitsfall im Schnitt 13 Tage dauere, liege der Ausfall bei Burnout-Patienten bei 37 Tagen.

Im Gegensatz zur Arbeitswelt von vor 30 Jahren trete heute das Modell der „Gratifikationskrisen“ immer stärker in den Vordergrund. Die Menschen erkrankten, wenn sie sich einerseits stark verausgabten, dafür nicht in angemessener Weise entschädigt würden. „Die eigene Leistung wird nicht durch Lohn, Sicherheit oder Wertschätzung ausgeglichen. Das geht nur eine gewisse Zeit gut.“ Burnout-Zustände fänden sich am häufigsten bei Personen, die viel auf hohe Emotionen reagieren müssten: Lehrer, Sozialpädagogen, Telefonisten in Call-Centern und Menschen in Pflegeberufen. Die gesetzlichen Krankenkassen würden die Patienten in psychosomatische Reha-Maßnahmen eingliedern, obwohl die Betroffenen einen Krankenhausaufenthalt, eine ambulante Hilfe oder eine Beratung benötigten, so Dr. Hildenbrand. „Die Kranken werden alle über einen Kamm geschoren.“

Um dem gravierenden Burnout-Problem zu begegnen, gehe es um eine zügige Diagnostik und um präventive Strategien. Die entwickele die Klinik gemeinsam mit Betriebsärzten, der AOK und Unternehmen. Im ersten Fokus stehen Schulen, Kliniken und ein Energieversorger – und dabei insbesondere die Führungskräfte. „Je frühzeitiger man eine psychosomatische Gesundheitsstörung erkennt und Veränderungen einleitet, desto besser sind die Erfolgsaussichten.“ Unterstützung bietet der Klinikdirektor mit seinem Team Betrieben, Führungskräften, sozialen Institutionen, Ärzten und allen am Thema Interessierten an. Burnout ist auch Thema eines Vortrags am 25. Februar im Klinikum (Haus 7, 18.30 Uhr). „Gerade die Starken sind betroffen.“

Weitere Informationen im Klinikum unter Tel. 0 23 51 /46 27 31 oder E-Mail gerhard.hildenbrand@klinikum-luedenscheid.de

- be

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