Aus für Klinik: Heftige Debatte im Kreishaus

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Lautstark forderten die Demonstranten vor dem Kreishaus den Erhalt des Marienhospitals. Doch der Protest verhallte: Der Kreistag entschied in geheimer Abstimmung, das Haus Ende des Jahres zu schließen.  

Märkischer Kreis - Um 20.15 Uhr war das Schicksal des Marienhospitals in Iserlohn-Letmathe am Donnerstagabend besiegelt. In geheimer Abstimmung votierte eine Mehrheit des Kreistags für die Schließung des Krankenhauses zum Jahresende.

Der geballte Protest von Belegschaft und Gegnern der Standort-Auflösung stimmte die Abgeordneten nicht mehr um. Dabei hatten rund 150 Protestler, mit mehreren Bussen zum Lüdenscheider Kreishaus angereist, bis zur letzten Minute auf die Rettung „ihres“ Hospitals gehofft. Am Ende lautete das Ergebnis: 34 Kreistagsmitglieder entschieden sich für das Aus, 24 wollten eine Fortsetzung des Betriebs (bei einer Enthaltung).

 In der vorangegangenen Debatte prallten noch einmal die Argumente von Befürwortern und Gegnern einer Schließung aufeinander. Das Marienhospital in Letmathe gehört wie die Stadtklinik in Werdohl und das große Klinikum in Lüdenscheid-Hellersen zum Verbund der Märkischen Kliniken. Die Kernfrage, ob das kleine Krankenhaus in Iserlohn eine Zukunft hat, spaltete dabei große wie kleine Fraktionen, wie den Redebeiträgen zu entnehmen war. 

Potential fürs Hospital

CDU-Fraktionschef Karsten Meininghaus machte als Letmather gleich deutlich, dass er für den Erhalt stimmen werde, es aber in der Partei eine kontroverse Auseinandersetzung gegeben habe. „Unterschiedliche Bewertungen sind in einer solchen Diskussion legitim und unumgänglich.“ Nach seiner Überzeugung werde mit zweierlei Maß gemessen. Während Werdohl ein Minus ausweise, spiele der über lange Jahre erfolgreiche Kurs in Letmathe bei der Bewertung keine Rolle mehr. „Das Marienhospital erhält keine Solidarität.“ 

Für den Christdemokraten Ralf Schwarzkopf, der zu den Befürwortern der Schließung zählte, spielten hingegen die aktuellen Zahlen und Prognosen, die auf ein steigendes Defizit hinweisen, die entscheidende Rolle. Und: „Die Versorgung bleibt überdurchschnittlich und alle Mitarbeiter erhalten gleichwertige Stellenangebote.“ Leider hätten Bund und Land „kein Interesse am Erhalt kleiner Häuser.“ 

Manuel Huff (Linke), Walter Gertitschke (UWG) und Renate Oehmke (Grüne) sahen reichlich Potenzial für das Hospital. So gebe es mit der stark nachgefragten Schmerzklinik bereits eine Spezialisierung und medizinische Fachkompetenz vor Ort, die angesichts des Ärztemangels keinesfalls abwandern dürfte. Oehmke: „Das Haus hat eine Chance verdient.“ Vorgaben von Bund und Land mit dem klaren Ziel, Krankenhausbetten abzubauen und kleine Häuser zu schließen, machten die Fraktionschefs Wolfgang Rothstein (SPD) und Axel Hoffmann (FDP) zu ihren inhaltlichen Schwerpunkten. Der SPD-Vorsitzende: „Die Vergütung für die Schmerzmedizin wurde durch die Krankenkassen abgewertet. Diese war der ursprüngliche Gewinnbringer beim Marienhospital.“ Der FDP-Vorsitzende: „Wir stehen hier vor einem bundespolitischen Problem, das alle Länder betrifft.“ 

Enttäuschte Demonstranten

Vor dem politischen Schlagabtausch hatten sich Vertreter der Belegschaft und Förderer des Krankenhauses zu Wort gemeldet. Das Krankenhaus sterbe durch Nachlässigkeit der Politik im Kreis und der Geschäftsführung der Märkischen Kliniken. Das Marienhospital habe über acht Jahre den Mutterkonzern ernährt, jetzt sei es nur noch reif für die Abwrackprämie bei einer Schließung.

 Nach der Entscheidung verließen die Demonstranten enttäuscht das Kreishaus, nicht wenige von ihnen mit Tränen in den Augen, war doch soeben eine mehr als 140-jährige Krankenhausgeschichte beendet worden. Ende des Jahres ist Schluss.

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