Kfz-Gewerbe: Mit leichten Schäden durchs Jahr

MÄRKISCHER KREIS – Gerade noch einmal gut gegangen ist das Jahr 2012 für das Kfz-Gewerbe im Märkischen Kreis. Allerdings waren ein paar Kratzer am Lack nicht zu vermeiden. Insbesondere die private Nachfrage nach Neufahrzeugen ging spürbar zurück.

Und obwohl sich die Menge der gehandelten Gebrauchtwagen noch über dem hohen Niveau des Vorjahres bewegte, ist die Ertragssituation im Fahrzeughandel nicht zufriedenstellend, so der Vorsitzende der Innung des Kfz-Gewerbes Lüdenscheid, Walter Trimpop.

Denn der Rückgang der Nachfrage traf im vergangenen Jahr zusammen mit einem Überangebot an Fahrzeugen, die zum Teil auch aus anderen europäischen Ländern mit schwacher Autokonjunktur nach Deutschland zurückflossen.

Dies führte zu „Rabattschlachten“, die sich oft an extremen Einzelbeispielen orientierten. „Auch viele Betriebe unserer Innung wurden mit zum Teil völlig überzogenen Vorstellungen konfrontiert“, so Trimpop. Es sei nicht immer einfach, den Kunden im Gespräch eine realistische Preisgestaltung nahezubringen. Schließlich profitierten sie im Autohaus von umfangreichen Serviceleistungen – angefangen bei der Bereitstellung von Ausstellungsfahrzeugen über intensive Beratung bis hin zur Probefahrt. Diese Leistungen würden zum Beispiel Internet-Portale zur Neuwagenvermittlung nicht anbieten.

Ähnlich verhält es sich nach Meinung des Innungsvorsitzenden mit den Werkstattleistungen. Inzwischen würden auch Fahrzeuginspektionen über Portale im Internet angeboten. Und auch hier stehe der Preis im Vordergrund. „Dabei lassen sich Werkstattleistungen nicht allein über den Preis vergleichen“. Sorgfalt der Arbeit, Qualität der verwendeten Teile und des Öls, Termintreue und Kundenfreundlichkeit könnten dazu führen, dass das vermeintlich teurere Angebot in Wirklichkeit das preiswertere sei. „Kaum jemand wird sich etwa von einem Arzt operieren lassen, nur weil dieser der billigste ist.“ Gleiche Maßstäbe müssten für die Auswahl einer Kfz-Werkstatt gelten.

Insgesamt gesehen sei das Werkstattgeschäft jedoch nach wie vor die tragende Säule des Kfz-Gewerbes in der Innung. Dies werde sich auch in diesem Jahr nicht ändern. Gründe dafür seien die weiterhin gute Lage am Arbeitsmarkt und eine leichte Steigerung der Nettoeinkommen. Außerdem trage das steigende Durchschnittsalter der Pkw zu einer hohen Servicenotwendigkeit bei.

Die Aussichten für das Neuwagengeschäft hätten sich hingegen spürbar eingetrübt. Das Kfz-Gewerbe rechnet insgesamt für 2013 mit zirka 2,9 Millionen Neuzulassungen. Das Gebrauchtwagengeschäft hingegen werde sich mengenmäßig in etwa auf dem Niveau des Jahres 2012 und damit bei 6,9 bis 7 Millionen Besitzumschreibungen bewegen, so Trimpop.

Nach wie vor hoch attraktiv ist nach den Worten Trimpops die Ausbildung im Kfz-Gewerbe. So sei der Kfz-Mechatroniker unangefochten die Nummer 1 der Ausbildungsberufe im Handwerk. Zum neuen Ausbildungsjahr wurden 55 Ausbildungsverträge im technischen und kaufmännischen Bereich unterschrieben. Insgesamt lernen damit in den heimischen Autohäusern und Werkstätten 124 junge Menschen einen der gefragten Autoberufe, „die beispielhafte Perspektiven bieten“. In Deutschland würden zurzeit etwa 90 000 junge Menschen im Kfz-Gewerbe ausgebildet. Der Kampf um den qualifizierten Nachwuchs werde sich aber in den nächsten Jahren noch verschärfen. Zusätzliche Reserven, wie etwa doppelte Abiturjahrgänge und das Aussetzen der Wehrpflicht, fielen zukünftig weg.

„Daher ist es auch für die Meisterbetriebe in der Kfz-Innung Lüdenscheid extrem wichtig, sich sehr frühzeitig und intensiv um den geeigneten Nachwuchs zu kümmern.“ Dies sei eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre, so Trimpop abschließend.

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