Ein Ort kämpft um sein Krankenhaus - heute Entscheidung

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Über die Zukunft des Marienhospitals in Letmathe entscheidet heute der Kreistag.

Märkischer Kreis – Heute fällt im Kreistag die Entscheidung über die Zukunft des Marienhospitals in Iserlohn-Letmathe: Gehen Ende des Jahres die Lichter aus, wie es Landrat, Aufsichtsrat und Geschäftsführung der Märkischen Kliniken aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung vorschlagen, oder setzen sich die Befürworter durch, die sehr wohl eine Zukunft für das Krankenhaus sehen?

Die heutige Kreistagssitzung im Lüdenscheider Kreishaus (der öffentliche Teil beginnt ab 17 Uhr) wird auf jeden Fall von einer starken Iserlohner Delegation begleitet, die sich für die Versorgung vor Ort einsetzen will. 250 bis 300 Demonstranten wollen mit Bussen anreisen und ab 15 Uhr unter dem Motto „Finger weg vom Marienhospital“ das Aus in letzter Minute abwenden.

 Rückendeckung erhält die Letmather Belegschaft aus der Iserlohner Politik. Alle sieben Fraktionen im Rat der Stadt haben einstimmig eine Resolution verabschiedet, in der sie vom Kreis und den Märkischen Kliniken einen Zukunftspakt für das Marienhospital fordern. Das gehört wie die Stadtklinik in Werdohl und das Klinikum in Lüdenscheid-Hellersen zum Verbund der Märkischen Kliniken.

"Jahrelang schwarze Zahlen"

 Die Ratsfraktionen fordern für Letmathe unter anderem die personelle Absicherung der Klinik für Anästhesie und Schmerzmedizin, die großen Zuspruch im gesamten Kreisgebiet finde. Darüber hinaus sei ein Antrag auf ein sechstes Bett für die Intensivmedizin, die Sicherstellung der Chirurgie auf einem qualitativ hochwertigen Stand sowie die Einstellung weiterer Pflegekräfte notwendig. 

Marjan Nowak, Anästhesie-Schwester im Marienhospital, weist in einem Schreiben an die Kreistagsfraktionen auf die Patientenzufriedenheit, das Alleinstellungsmerkmal der Schmerzklinik und den langjährigen wirtschaftlichen Erfolg hin. „Ein kleines Krankenhaus, das jahrelang eine Ausnahmeerscheinung in NRW war, weil es durchgehend schwarze Zahlen schrieb, wird bei der ersten Gelegenheit, dem ersten Minusergebnis abgewrackt?“ Nicht Gewinnmaximierung dürfe oberstes Gebot im Gesundheitswesen sein, sondern eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung und eine gute Erreichbarkeit der Krankenhäuser, so Marjan Nowak. 

 "Marktsituation aussichtslos"

Landrat Thomas Gemke hatte noch Anfang der Woche auf die Krankenhausfinanzierung durch Bund und Land hingewiesen, die einen Fortbestand kleinerer Häuser nicht mehr zulasse. 111 kleine Häuser von der Größe des Marienhospitals müssten allein in NRW geschlossen werden. Diese Leitlinie der Politik führe bereits jetzt zu unlösbaren Problemen bei der Personalgewinnung, schreibt die Verwaltung in ihrer Antwort auf die Anfragen der Grünen im Kreistag. So forderte die Fraktion unter anderem mehr Personal für die Palliativmedizin. Keine Chance, so die Verwaltung. Die Ärztin habe aus persönlichen Gründen gekündigt, für eine Nachbesetzung fehle es an Fachkräften. Vier Personalserviceagenturen – sogenannte „Headhunter“ – hätten entweder direkt wegen Aussichtslosigkeit abgesagt oder keine geeigneten Kandidaten gefunden. „Die Marktsituation ist aussichtslos.“

 Ob das auch für die Zukunft der Einrichtung gilt, wird sich heute zeigen. Die Grünen werden namentliche Abstimmung beantragen. Geschäftsführerin Elke Olbrich-Tripp: „Dann muss jeder Abgeordnete Farbe bekennen, ob er für den Erhalt ist oder nicht. Sonst gehen Einzelentscheidungen in der allgemeinen Abstimmung unter.“

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