Johanniter fahren Ärzte zu Patienten

Johanniter-Regionalvorstand Hartmut Eckert.

MÄRKISCHER KREIS - Die Neustrukturierung des ärztlichen Notdienstes durch die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe sorgt bei den Johannitern für ein völlig neues Aufgabengebiet.

Denn die Hilfsorganisation stellt mit ihren Regionalverbänden – darunter auch Südwestfalen – ab dem 1. Februar den Fahrdienst für die Ärzte bei Hausbesuchen sicher. 300 neue Arbeitsplätze haben die Johanniter dafür geschaffen – alleine 70 in Südwestfalen, darunter elf in Lüdenscheid und 14 in Iserlohn. Die Mitarbeiter werden in Voll- und Teilzeit oder als geringfügig Beschäftigte eingestellt. „Um die Schichtdienste bewältigen zu können, ist die hohe Zahl an Arbeitsplätzen erforderlich“, so Johanniter-Regionalvorstand Hartmut Eckert.

In ganz Nordrhein-Westfalen können Patienten ab dem kommenden Monat die landesweite Telefonnummer 01 80 / 5044100 wählen. Dort erhalten sie Informationen über die nächste Notfallpraxis. Sollte ein Hausbesuch erforderlich sein, führt die Zentrale das Fahrzeug, das dem zu besuchenden Patienten am nächsten ist, bezirksübergreifend zum Einsatzort. Die für den Hausbesuchsdienst eingeteilten Ärzte werden von den Johannitern zu den Einsätzen gefahren – der eigene Pkw muss nicht mehr genutzt werden.

Neben Personal ist dafür auch eine Menge Fahrzeugmaterial notwendig. Die Johanniter schaffen 55 Ford Focus und acht Skoda Yeti an. In Lüdenscheid sind zwei Wagen stationiert, in Iserlohn drei. Insgesamt hat diese Anschaffung ein Investitionsvolumen von 1,4 Millionen Euro. Das zahlen die Johanniter zunächst selbst, die späteren Leistungen werden dann mit der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet. Die Wagen sind mit Navigationssystem, Telefon und Standheizung ausgestattet, um auch für Problemsituationen gerüstet zu sein.

„Die Neuorganisation des Fahrdienstes ist ein elementarer Baustein innerhalb der gesamten Notfalldienstreform. Mit unseren neuen Partnern Johanniter-Unfall-Hilfe und Arbeiter-Samariter-Bund können wir sowohl den Ärzten als auch den Patienten zukünftig in ganz Westfalen einheitliche und hohe Standards anbieten“, sagt der erste Vorsitzende der KVWL, Dr. Wolfgang-Axel Dryden.

Der neu organisierte Fahrdienst wird zu den vollen Notfalldienst-Zeiten – das heißt werktags von 18 bis 8 Uhr, Mittwoch- und Freitagnachmittag von 13 bis 8 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 8 bis 8 Uhr – durchgeführt. Ergänzend dazu werden weitere Fahrzeuge am Wochenende und an Feiertagen von 8 Uhr bis 23 Uhr im Einsatz sein.

„Wir freuen uns, dass wir mit unseren Fahrzeugen und Mitarbeitern einen wichtigen Beitrag zur Sicherstellung des allgemeinen Notfalldienstes leisten können und nehmen diese verantwortungsvolle Aufgabe gerne an“, so Hartmut Eckert. Die Leistung hat die Vereinigung ausgeschrieben und den Johannitern und dem Samariter-Bund den Zuschlag erteilt. Zusammen mit der Einrichtung von 67 Notfalldienstpraxen, der Inbetriebnahme der Arztrufzentrale für die Koordination der Fahrdienste sowie der zukünftig einheitlichen Arztrufnummer werde eine deutliche Qualitäts- und Professionalitätssteigerung erreicht.

Die umfassende Reform des ärztlichen Notfalldienstes sei nötig geworden, da viele Ärzte in Westfalen-Lippe bereits heute an ihre Leistungsgrenzen bei der Aufrechterhaltung des Notdienstes stoßen. Insbesondere die hohe Dienstfrequenz durch das deutliche Missverhältnis zwischen städtischen und ländlichen Regionen sei häufig untragbar und verschärft dadurch auch die Nachwuchsproblematik zusehends, so Eckert.

„So ist in Westfalen-Lippe bereits heute jeder vierte Hausarzt über 60 Jahre alt und wird in den kommenden Jahren aus dem aktiven Arbeitsleben scheiden. Somit stand eine gerechte Aufteilung der Notdienstverpflichtung sowie eine möglichst geringe Dienstbelastung für alle westfälischen Ärztinnen und Ärzte im Fokus der Reform.“

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