Was kann gegen strangulierte Hirsche getan werden?

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Andreas Kurras, stellvertretender Hegering-Vorsitzender, Landwirt und Jäger Friedrich-Wilhelm Schulz-Wiemann und Hegering-Leiter Hartmut Tengler mit aufgerollter Weide-Litze und einem Damwild-Geweih. F

Plettenberg – Gleich mehrfach kamen Damhirsche im Bereich Plettenberg und Herscheid zu einem qualvollen Tod, weil sich Weide-Litzen um Geweih und Läufe der Hirsche gewickelt und bis ins Fleisch hineingezogen hatte und die Tiere qualvoll verenden ließen.

Hartmut Tengler, Leiter des Hegerings Plettenberg, und sein Stellvertreter Andreas Kurras, trafen sich mit Landwirt Friedrich-Wilhelm Schulz-Wiemann und ST-Redakteur Georg Dickopf, um über eine praktikable Lösung des Litzen-Problems zu sprechen.

Herr Schulz-Wiemann, Sie sind seit über 40 Jahren Jäger, führen einen großen Pferde-Pensions- und Zuchtbetrieb und haben selbst schon Damhirsche elendig sterben sehen...

Ja, so etwas mit anzusehen, ist einfach schrecklich. Aber ich habe in den letzten Jahren auch schon mehrfach Hirsche befreien können, die sich im Tornetz am Bremcker Bolzplatz verfangen hatten. 

So eine Befreiungsaktion ist nicht ungefährlich, oder?

Man muss dabei am besten mit mehreren Beteiligten vorgehen und sehr vorsichtig sein, denn ein solcher Hirsch hat viel Kraft. 

Was kann man noch tun, um so etwas zu vermeiden? 

Es muss auf jeden Fall mehr miteinander gesprochen werden zwischen Landwirten und Jägern. Ich habe selbst 400 Meter Litzen eingesammelt und verwende zukünftig nur noch vier Zentimeter breite Litzen, die für weniger Verletzungsgefahr sorgen. 

Warum verwenden die Landwirte diese Litzen? 

Weil es eine kostengünstige Methode ist, um großflächig Kuh- oder Pferdeweiden abzustecken.

Gab es die Probleme früher bei Stacheldraht auch? 

Mit Stacheldraht gab es beim Wild nur ganz selten Probleme. Allerdings kann man Stacheldraht an einer Pferdekoppel nicht verwenden.

Gibt es auch andere Alternativen zur Litze? 

Eigentlich nicht, denn dann müsste man eine Pferdewiese komplett mit Holzgattern einzäunen, aber das kann niemand bezahlen und die Pferde knabbern am Holz. 

Wie lösen Sie das Problem? 

Wenn möglich nehmen wir die Litzen in den Wintermonaten ab. Wir haben aber auch Wiesen, die wir ganzjährig unter Strom stellen, um das Damwild so fern zu halten. 

Herr Tengler, ist es richtig, dass es hier richtig viel Damwild gibt? 

Ja, das stimmt. Es sind vor vielen Jahren mal ein paar Tiere aus zwei Gehegen ausgebüxt und haben hier ideale Lebensbedingungen vorgefunden.

Wie sehen diese aus? 

Es gibt in diesem Revier eine Südhanglage mit einer warmen Luftdurchströmung und überwiegend Laubwäldern. Das sind absolut ideale Bedingungen für Damwild. 

Über wie viele Tiere sprechen wir?

Es gibt hier laut der Wildzählung 350 Exemplare in dem gesamten Damwildring bis Meinerzhagen, aber wir können den vom Kreis verabschiedeten Abschussplan trotzdem erfüllen. 

Wie lange darf Damwild gejagt werden? 

Bis Ende Januar. Und deshalb sind wir auch nur Beobachter, wenn im März beispielsweise über 100 Tiere zusammen auf einer Wiese in Frehlinghausen grasen. 

Herr Kurras, inwieweit unterstützt der Hegering die Landwirte? 

Wir kommen für Wildschäden auf, die durch Schwarzwild verursacht werden und helfen in unserem Holthauser Revier auch gerne, wenn die Litze an Wiesen entfernt werden muss. 

Also wünschen auch Sie sich ein gutes Zusammenspiel? 

Ja genau. Wir sind auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Bürgern, Landwirten und Pferdehaltern angewiesen und freuen uns auch über Hinweise zu kritischen Zaunbefestigungen, damit solche schrecklichen Todesfälle in Zukunft vermieden werden.

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