Wichtigste Fragen zur Coronaschutzimpfung

Impfstart in Heimen: Darum kommt es zu Verzögerungen im MK

Der Impfstoff gegen das Coronavirus soll zunächst ausschließlich in den Pflegeheimen eingesetzt werden. Das Risiko für Mitarbeiter und betagte Bewohner, sich zu infizieren, ist nach Überzeugung der Ständigen Impfkommission (Stiko) in den Einrichtungen am höchsten.

Märkischer Kreis – Bis zum Mittwoch wurden erst in vier der rund 60 Pflegeheime im Märkischen Kreis Impfungen durchgeführt – obwohl sogar mehr Impfstoff zur Verfügung stünde. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Coronaschutzimpfung im Märkischen Kreis.

Wie viel Impfdosen wurden dem Märkischen Kreis bislang zugewiesen?
Nach offiziellen Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums und des Kreises wurden am 26. Dezember 180 Impfdosen und am 29. sowie am 31. Dezember jeweils 1 582 Dosen in den Märkischen Kreis geliefert. Seit dem Wochenende stehen zudem weitere 1 632 Impfdosen zur Verfügung. Insgesamt liegen demnach im Kreis 4 976 Einheiten vor. In der nächsten Woche wird eine weitere Lieferung des Biontech-Pfizer-Impfstoffes erwartet.
Kreis Märkischer Kreis
VerwaltungssitzLüdenscheid
Einwohner410.222 (Stand: 31. Dezember)
Fläche1.061,06 Quadratkilometer
Wer erhält die Impfdosen?
Dieses Kontingent darf ausschließlich in Pflegeheimen im Märkischen Kreis verimpft werden. Für die notwendige zweite Impfung wird jeweils die Hälfte der Impfdosen zurückgelegt. Mit den rund 5 000 Impfdosen können können also rund 2 500 Mitarbeiter und Bewohner geimpft werden. Zuständig für die Koordinierung ist die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Sie fordert die entsprechende Zahl an Impfdosen beim Märkischen Kreis an, sobald die Impftermine in den Altenheimen festgelegt sind.
Wie viele Menschen in Altenheimen wurden bereits geimpft?
Das weiß niemand, oder es will niemand sagen. Die Recherchen dazu verliefen im Sande. Eine KVWL-Sprecherin sagte, man arbeite derzeit an einer Regionalisierung der Impfzahlen. Wann und wo sie veröffentlich werden, ließ sie offen. Am Dienstag nannte die Kassenärztliche Vereinigung die Zahl von rund 44 000 bereits geimpften Pflegeheimbewohnern und -mitarbeitern – bezogen allerdings auf das gesamte KVWL-Gebiet, das sich von Minden bis Siegen erstreckt. Auch der Märkische Kreis sagt nicht konkret, wie viele Menschen schon geimpft sind. „Aktuell sind circa 2 250 Impfungen durchgeführt oder terminiert worden“, heißt es aus dem Kreishaus. Bis gestern gab es Impfungen in vier Einrichtungen in Iserlohn (2), Hemer und Schalksmühle. Für 15 weitere Heime wurden bereits Termine festgelegt. Im Ergebnis: Im Märkischen Kreis ist das Angebot an Impfstoff derzeit größer als die Nachfrage in den Heimen.
Woran liegt das?
Die Pflegeheime können die Impftermine weitgehend selbst bestimmen, brauchen aber Vorlauf. Die Vorbereitung der Impfungen wurde den Einrichtungsleitungen auferlegt. Sie müssen den exakten Impfbedarf bei Personal und Bewohnern an die KVWL melden. Für die Bedarfsermittlung werden zum Beispiel Einverständniserklärungen von Betreuern eingeholt – ein bürokratischer Mehraufwand, der über die Feiertage kaum zu stemmen war. Zudem obliegt es den Heimleitungen den gewünschten Termin mit den Heimärzten zu koordinieren, die für die Verimpfung in den Einrichtungen eingesetzt werden sollen.
Warum wird mit dem bereits vorhandenen Impfstoff nicht das Krankenhaus-Personal geimpft?
„Obwohl zahlenmäßig mehr jüngere Personen an Covid-19 erkranken als ältere, besteht für Senioren ein vielfach höheres Risiko einen schweren Covid-19-Verlauf zu erleiden oder sogar einer stationären Behandlung zu bedürfen“, teilt der Märkische Kreis mit. Die Logik dahinter: Mit der Impfung in den Altenheimen bleibt auch die Einsatzfähigkeit der Krankenhäuser erhalten – weil weniger Covid-Patienten stationär aufgenommen werden müssen.
Wann werden die Über-80-Jährigen geimpft, die nicht in Pflegeheimen leben?
Im Märkischen Kreis gibt es rund 30 000 Menschen, die ihren 80. Geburtstag bereits hinter sich haben. Die meisten von ihnen leben nicht in Pflegeheimen. Auch sie gehören laut Stiko-Empfehlung zu den Risikogruppen, die prioritär zu impfen sind. Die Über-80-Jährigen sind aber erst an der Reihe, wenn die 18 000 Impfberechtigten in den Heimen und Kliniken im Kreis versorgt sind. „Sobald die Impfungen in den Pflegeheimen beendet sind und genügend Impfstoff zur Verfügung steht, werden die Impfungen in den Impfzentren begonnen“, teilt der Kreis mit. Wann es so weit ist, ist völlig unklar.
Wo werden die Über-80-Jährigen geimpft?
In den Impfzentren. Bislang ist nur das Zentrum in der Schützenhalle in Lüdenscheid einsatzbereit, ein zweites in Iserlohn könnte nach Kreis-Angaben bei steigendem Bedarf eingerichtet werden. Klar ist aber jetzt schon, dass es keine Hausbesuche geben wird. „Aufgrund der komplizierten Lagerung, Aufbereitung und mengenmäßigen Lieferung kann die Impfung durch die mobilen Impfteams nur an Orten durchgeführt werden, an denen viele Personen gleichzeitig geimpft werden können. Auch ein Weitertransport nach Auflösung des Impfstoffs ist nicht mehr möglich, da er äußerst empfindlich gegenüber äußeren Einflüssen ist“, schreibt der Kreis.
Wie erhalten Über-80-Jährige einen Impftermin?
Der Märkische Kreis bereitet derzeit ein Informationsschreiben zur Coronaschutzimpfung vor, das den Impfberechtigten in den kommenden Wochen per Post zugehen soll. Darin wird auch erklärt, wie sie einen Termin erhalten. Die kreisangehörigen Kommunen sind aufgefordert, ihre über-80-jährigen Einwohner, die nicht in Pflegeheimen leben, an den Kreis zu melden. Schon klar ist: Die Termine für die Impfzentren werden zentral vergeben – aber erst dann, wenn der Impfbeginn in den Impfzentren feststeht und die Termin-Servicestellen freigeschaltet sind. Das ist derzeit noch nicht der Fall.
Werden auch andere Impfstoffe gegen das Coronavirus eingesetzt?
Das ist denkbar, sobald weitere Impfstoffe zugelassen sind. Wie Kreissprecherin Ursula Erkens erklärte, hänge das davon ab, welche Impfstoffe dem Kreis zugewiesen werden. Eine Wahlmöglichkeit gäbe es für die Impflinge in diesen Fällen voraussichtlich nicht.

Heimische Kliniken fragen Impfbereitschaft beim Personal ab

„Wir sind bereit“, vermeldeten die Märkischen Kliniken bereits am 28. Dezember. Die Vorbereitungen für die Impfung der Mitarbeiter gegen Covid-19 waren zu dem Zeitpunkt schon komplett abgeschlossen. Das klinikeigene Impfzentrum befindet sich in der ehemaligen Station 8.8 im Klinikum Lüdenscheid. Um den Impfbedarf in der Belegschaft zu ermitteln, wurden die Mitarbeiter befragt. Ein Ergebnis konnte Klinikumsprecher Dr. Norbert Jacobs gestern noch nicht mitteilen. Für eine möglichst hohe Impfquote beim Personal werden die Mitarbeiter umfassend aufgeklärt und für eine Impfung sensibilisiert. Eine Impfpflicht besteht jedoch nicht. Auch in der Sportklinik Hellersen wurden die Mitarbeiter befragt. „In einem ersten Schritt haben sich mehr als die Hälfte der Mitarbeiter bereit erklärt, sich impfen zu lassen“, sagte Sportklinik-Sprecherin Marie Veelen.

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/dpa

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