Hauptgeschäftsführer Jedan: Gleichbehandlung mit Studenten dringend notwendig

Handwerk fordert Azubi-Ticket

Lüdenscheid - Der Westdeutsche Handwerkskammertag hat in einer Umfrage sowohl bei den Auszubildenden wie bei den Betrieben ein großes Interesse an einem Azubiticket für den öffentlichen Nahverkehr festgestellt. Für Dirk H. Jedan, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft MK, ist ein solches Angebot aus Gründen der Gleichstellung mit Studenten dringend erforderlich.

In einer Umfrage haben die sieben nordrhein-westfälischen Handwerkskammern Auszubildende und Ausbildungsfirmen schriftlich befragt, was sie von einem speziellen Tarif bei Bus und Bahn für die Lehrlinge halten. 835 Azubis und 609 Betriebe nahmen an der Befragung teil.

Das Ergebnis geht in eine eindeutige Richtung: 93 Prozent der Auszubildenden und 80 Prozent der Unternehmer begrüßten ein Azubiticket. Ein 30-Euro-Ticket würden der Umfrage nach mehr als 50 Prozent der Lehrlinge monatlich kaufen beziehungsweise 42 Prozent auf einen Anteil der Ausbildungsvergütung dafür verzichten. 28 Prozent der Firmen würden ein 30-Euro-Ticket ihren Auszubildenden sicher zur Verfügung stellen, weitere 40 Prozent eher ja und nur 4,8 Prozent hielten dies – der Umfrage nach – auf keinen Fall für nötig.

Jedan spricht von einer „wunderbaren Idee“, die sich unbedingt im Land durchsetzen sollte. „Das wäre ein gesellschaftspolitisch überaus wichtiges Zeichen, um Auszubildende und Studenten bei der Nutzung des Nahverkehrs gleichzustellen. Ein solches Signal für die betriebliche Ausbildung ist längst überfällig.“ Viele Berufsanfänger müssten im Monat deutlich mehr Geld für eine Fahrkarte aufbringen als Studenten. „Die Lehrstellen sind auch nicht immer da, wo die jungen Menschen wohnen.“

Im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr zahlen die Studenten für ihr Semesterticket im Monat knapp 24 Euro. Damit fahren die angehenden Juristen, Ärzte oder BWLer deutlich günstiger als ihre gleichaltrigen Schulabgänger, die sich zum Beispiel für einen handwerklichen Beruf auf dem Bau oder im Kfz-Bereich entschieden haben. Ein Abo kostet bei der MVG im innerstädtischen City-Tarif, der nur in Lüdenscheid und Iserlohn angeboten wird, 39,20 Euro, in der Preisstufe 2M, die für zwei benachbarte Städte gültig ist, sind schon 65 Euro fällig. Das gesamte MK-Netz gibt’s im Monatsabo für 88 Euro. Da dieses Angebot für Azubis wie für Schüler gilt, werden die Kartenkäufe nicht differenziert ausgewertet. MVG-Sprecher Jochen Sulies: „Wir erzielen etwas mehr als 40 Prozent unserer Erlöse aus dem Verkauf dieses gemeinsamen Ticket-Angebots, das es bei uns schon seit Jahrzehnten gibt.“

Für Jedan wäre ein dem Semesterticket angelehnter Tarif für Auszubildende ein „kleiner, aber sehr wichtiger Mosaikstein“, um zu einer Gleichbehandlung von Studenten und Lehrlingen zu kommen. „Das hat etwas mit einer Wertschätzung für das Duale System zu tun, die ich leider an zu vielen Stellen vermisse. Wenn wir die schlechte Wettbewerbssituation verändern wollen, in der sich das Handwerkwerk gegenüber den Hochschulen befindet, dann müssen auch solche Ungleichgewichte beseitigt werden. Eine politische Offensive ist deshalb dringend notwendig.“

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