Michael Brosch und Markus Tempelmann live in der Diskussion

"Das Duell" der Kandidaten

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Halver/Oberbrügge – Wer liegt vorne im Wettstreit ums Bürgermeisteramt bei der Kommunalwahl am 13. September. Eine wirklich verlässliche Antwort darauf gibt es nach der Bewerber-Diskussion vom Montagabend im Oberbrügger Bürgerhaus nicht. Die folgende Aufstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Mehr ist es der Versuch einer Einordnung.

Eine vorläufige Auswertung sieht Markus Tempelmann in Front mit 61 Prozent – bei insgesamt absolut 247 Antworten – der Zuschauer, die die Debatte auf Youtube verfolgten, sowohl bei der Frage nach dem Debattensieger wie nach der ihrer persönlichen Wahlentscheidung. Mit Stand von Dienstagmittag war der Videoclip bereits rund 2000-mal geklickt. Und eine Aussage zur Wahlentscheidung war auch nicht das Ziel der politisch interessierten Bürger aus Oberbrügge, die die aufwendige Debatte organisiert hatten. 

Entscheidungshilfe 

Mehr um eine Entscheidungshilfe für die Bürger sei es ihnen bei der Veranstaltung gegangen, hatten die Moderatoren des „Forums Demokratie“, Peter Seyfried, Arnd App, Britta Kattwinkel-Kiefer und Antoinette App-Manz, vorher deutlich gemacht. Die Fragen waren den Kandidaten nicht bekannt. 

30 Minuten Zeit hatte jeder der Kandidaten. Blick auf den Zeitnehmertisch.

Thema Oberbrügge

Die Fragen seien zu sehr auf Oberbrügge fokussiert gewesen, hatten Zuschauer eingangs der Sendung moniert. Doch so schlecht war diese Wahl nicht. An mehreren Stellen mussten die Bewerber Farbe bekennen. Die 2016 im Raum stehende Schließung der Grundschule verteidigte Michael Brosch mit den damals vorliegenden Daten zur Schulentwicklung und der Beschlusslage, auf jeden Fall die Bedingungen des Stärkungspakts zu erfüllen. Tempelmann versteckte sich nicht, obwohl dies die für Oberbrügge wohl härteste Entscheidung der vergangenen Jahre gewesen wäre: „Wir waren beide für die Schließung.“ Der Unterschied: Er selbst, Tempelmann, hätte eine Schließung ohne Folgenutzung kaum mittragen wollen. Das wäre ein „strategischer Fehler“ angesichts einer befürchteten Nutzung als Flüchtlingsunterkunft gewesen. 

Hier geht's zum Video

Brosch dagegen: Diese Gerüchte seien durch Oberbrügge gegangen. Doch solche Pläne habe es nicht gegeben. Und trotz Konkurrenz weitgehende Einigkeit in einem anderen Oberbrügger Punkt: Die einzügige Grundschule für Oberbrügger Kinder und ihre Geschwisterkinder reicht aus, wenn der Zuzug zum Schmittenkamp kommt. Beide Kandidaten sehen aufgrund der Einwohnerentwicklung keinen Bedarf für die Zweizügigkeit. Allenfalls „temporär“ kann sich Tempelmann eine Erweiterung vorstellen. 

Persönliches 

Kurz und würzig beantworteten die Bewerber Seyfrieds Frage, wie sie den Konkurrenten persönlich einschätzen würden. Brosch kam darin bei Tempelmann trotz der Konkurrenz durchaus positiv davon: Brosch verfüge „über eine sehr gute Auffassungsgabe, sei intelligent und ehrgeizig“, attestierte ihm der Mitbewerber. Schneller fertig war Brosch mit dem Thema: „Herr Tempelmann verfügt über eine hohe fachliche Tiefe und ist ein guter Kämmerer“, so das knappe Zeugnis des Amtsinhabers. 

Windkraft 

Beim Thema Windenergie auf dem Halveraner Stadtgebiet gehen die Einschätzungen der Kandidaten dann deutlich auseinander. Tempelmann könnte im Fall seiner Wahl auf die Unterstützung vierer Fraktionen (CDU, UWG, Grüne und FDP) zählen und plädiert für die Festlegung von Vorrangzonen. Brosch hingegen favorisiert die sogenannte Privilegierung, nach der die Betreiber selbst die Eignung von Flächen belegen müssen. Brosch: Im Falle der Festsetzung von Vorrangzonen werde man erfahrungsgemäß „rechts und links von der Rechtsprechung und dem Naturschutz überholt“ und investiere sechsstellige Summen. Mit Vorrangzonen sei die Windkraft schwierig voranzubringen. Tempelmann hingegen verwies auf die politische Mehrheit und den Sachstand: Eine Verhinderungsplanung wie in der Vergangenheit sei nicht mehr möglich. Die Entscheidung falle zwischen Vorrang und Privilegierung, wobei letztere Möglichkeit den Verlust der Steuerung und Beteiligung bedeute, die Entscheidung für die Vorrangzone jedoch die Chance biete, die Wertschöpfung am Ort zu halten. 

Einer der Moderatoren: Peter Seyfried.

Wahlkampfstil 

War Tempelmann mit der vereinbarten Redezeit von 30 Minuten eingangs deutlich sparsamer durch die Fragerunde gekommen, relativierte sich das beim Thema Wahlkampfstil, nicht zuletzt, weil der Jurist Peter Seyfried deutlich insistierte. „Selbstverständlich grüßen wir uns noch“, sagte Amtsinhaber Michael Brosch, auch wenn er sich die Auseinandersetzung manchmal anders wünschen würde. Es gebe tatsächlich zwar unterschiedliche Einschätzungen, aber er werde „keine persönlichen Angriffe fahren. Ich werde auch nie sagen, das ist mein Verdienst. Da bin ich Teil der Mannschaft im Rathaus“. Ausführlicher wurde an dieser Stelle Tempelmann: Jamaica-Kandidaten sähen sich „flächendeckend einer Flut von Leserbriefen ausgesetzt“. „Das geschieht landesweit, aber das halten wir aus.“ Im Wahlkampf stelle der Bewerber seine Leistungen vor und lasse darüber den Wähler entscheiden. „Ich sehe keine Deutungshoheit bei Leserbriefschreibern“, sagte Tempelmann und verwies auch auf fehlende Darstellungsmöglichkeiten „für Leute, die sich engagiert haben und denen in den letzten Wochen das Wort entzogen wurde. Die sind frustriert“. 

Das neue Klima 

Wie er sich die Zusammenarbeit mit vier gegnerischen Fraktionen nach der Wahl vorstelle, wollte Seyfried zunächst vom Amtsinhaber wissen. Brosch sieht darin kein Problem. „Wir haben zusammengearbeitet und sind zu guten Ergebnissen gekommen, überwiegend auch einstimmig“, stellte er fest und sah insofern keinen Grund zur Sorge. Tempelmann verwies auf „die haushohe Mehrheit von vier Fraktionen“, aber auch seine Gesprächsbereitschaft gegenüber der SPD. Das gelte weiterhin, „auch wenn die SPD mit Martin Kastner, Jürgen Wichert und Michael Brosch nach links gerutscht ist“.

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