Zustimmung der Banken

Grünes Licht für die Enervie-Gruppe

Märkischer Kreis - Enervie kann mit der Zustimmung der Banken die angestrebte Neuausrichtung zu einem profitablen regionalen Energie- und Wasserunternehmen einleiten. Nach der positiven Prognose durch die Beratungsgesellschaft Roland Berger und einem Gesellschafterdarlehen in Höhe von 60 Millionen Euro gaben die Banken „grünes Licht“ für eine Finanzierung bis Ende 2019.

Damit sind befürchtete Kündigungen von Kreditlinien vom Tisch. Im Gegenteil: Sie werden teilweise sogar verlängert, um dem Unternehmen mehr finanzielle Spielräume zu verschaffen.

„Nun kann die Enervie-Gruppe die nächsten Schritte für die Restrukturierung und Weiterentwicklung in allen Unternehmensbereichen einleiten. Ziel ist die Rückgewinnung der Wirtschaftskraft des Unternehmensverbundes“, erklärte der Vorstand in einer Pressemitteilung.

Zur Gruppe mit ihrer Zentrale auf der Haßley-Insel in Hagen gehören der Kraftwerksbetreiber Mark-E, die Stadtwerke Lüdenscheid und die Netzgesellschaft AssetNetWork.

290 Millionen Euro an Schulden bei 32 Banken

Aufgrund der hohen finanziellen Verpflichtungen war das Unternehmen seit dem Frühjahr in einer existenzbedrohenden Lage. Auf fast 290 Millionen Euro summiert sich der aktuelle Schuldenstand. Bei 32 Banken und Sparkassen steht das Unternehmen mit 161 Millionen Euro an Krediten, 12 Millionen Euro an Bürgschaften und 111 Millionen Euro an Schuldscheindarlehen in der Kreide. Darin enthalten sind nicht die Pensionsrückstellungen (etwa 200 Millionen Euro) sowie weitere Projektkosten – zum Beispiel für Windkraftanlagen.

Dabei reichen die Ansprüche der Geldgeber zum Teil weit zurück. So hat die Sparkasse Lüdenscheid, die in der langen Liste der Finanzinstitute gleich sechs Mal auftaucht, noch Forderungen aus den 90er-Jahren im Zusammenhang mit dem Bau des Stadtwerkegebäudes an der Lennestraße.

Spezial zur Rettung von Enervie

„Bei der Aufzählung der Beteiligten und ihrer Ansprüche handelt es sich um ein sehr umfangreiches Papier“, hieß es aus den Reihen der Anteilseigner. Die drei größten Aktionäre der Enervie, Hagen (42,7 Prozent), Lüdenscheid (24,1) und Remondis (19,1), sagten vor wenigen Tagen ein Gesellschafterdarlehen in Höhe von 60 Millionen Euro zu. Damit war eine Kernforderung der Banken für eine weitere Finanzierungszusage bis 2019 erfüllt.

Im Sommer hatten Enervie und Banken zunächst eine „Stillhaltevereinbarung“ bis Ende vergangenen Monats vereinbart, um den Stadträten Zeit für das Finanzkonzept zu geben. Hagen sicherte im August 30 Millionen Euro zu, Lüdenscheid folgte mit 16,8 Millionen, die weiteren Millionen steuerte Remondis bei.

„Damit leisten auch die Aktionäre der Enervie Gruppe einen wichtigen Beitrag für die anstehende Neuausrichtung. Ein wesentliches Verhandlungsergebnis mit den Banken ist zudem, dass Enervie im Rahmen der weiteren Restrukturierung die Chance hat, auch neue Finanzierungskonzepte umzusetzen“, bewertet Vorstandssprecher Christoph Köther die erreichten Zusagen.

Die Beratungsgesellschaft Berger macht die positive Prognose nicht zuletzt an einem massiven Personalabbau fest. Insgesamt halten die Sanierer einen Abbau von 430 Stellen für notwendig. Rund 110 Mitarbeiter sind über Altersteilzeit oder ähnliche Vertragsgestaltung bereits ausgeschieden, hinzu kämen bereits viele freiwillige Kündigungen von Beschäftigten mit Zeitverträgen.

Auch an einen Einkommensverzicht koppelt Berger die Prognose, heißt es aus sicheren Quellen. Um zehn Prozent sollen die Bezüge im Jahresdurchschnitt sinken. Dafür müssten aber zwei „Sanierungstarifverträge“ abgeschlossen werden. Für den Haustarifvertrag der Mark-E-Beschäftigten sei das vergleichsweise einfach zu realisieren, für die Mitarbeiter der Stadtwerke Lüdenscheid und des Bäderbetriebs gebe es dagegen den bundesweit gültigen Tarifvertrag Versorgungsbetriebe (TV-V).

„In diesem Fall müssen Änderungen mit der Gewerkschaft Verdi vereinbart werden.“ Gespräche über derartige Modifizierungen habe es aber noch nicht gegeben.

Banken lassen sich Zusage honorieren

„Bei den vorliegenden Zahlen und dem massiven Druck“, so ein Insider, „könne Enervie froh über die Zeitschiene bis Ende 2019 sein.“ Dieses Einverständnis ließen sich die Geldinstitute jedoch mit Zuschlägen auf die Kreditzinsen honorieren. „Wir haben es hier nicht mit gemeinnützigen Vereinen oder Organisationen zu tun.“

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