Grüne sehen Förderung von Gas kritisch

MÄRKISCHER KREIS ▪ Mit scharfer Kritik haben die Grünen in Menden auf mögliche Probebohrungen nach unkonventionellem Gas und auf die Tatsache reagiert, dass eine öffentliche Beteiligung nicht vorgesehen ist.

Zur Erinnerung: Eine Reihe von Energieunternehmen haben sich Lizenzen für Bohrungen nach „unkonventionellem Gas“ gesichert. Insgesamt 19 Felder sind zurzeit reserviert. Wintershall hat sich die Region von Düsseldorf/Köln bis Südwestfalen gesichert. Im Märkischen Kreis sind im so genannten „Erlaubnisfeld Ruhr“ die Städte und Gemeinden Iserlohn, Menden, Hemer, Balve und Teile von Altena, Neuenrade und Nachrodt-Wiblingwerde.

Als unkonventionelles Erdgas bezeichnet man die Energie, die aus tiefen Gesteinsschichten wie Ton-, Sand- und Kalksteinen oder Kohleflözen gewonnen werden kann. Bei der Förderung konventioneller Erdöl- und Erdgasvorkommen reicht es, diese unterirdischen Lagerstätten vertikal anzubohren. Die Förderung von unkonventioneller Energie erfordert dagegen ein technisch aufwendigeres und daher kostspieligeres Verfahren. Zunächst wird ebenfalls vertikal in die Tiefe gebohrt, bis die entsprechende Gesteinsschicht erreicht ist, in der das Erdgas gebunden ist. Dann macht die Bohrung einen 90-Grad-Knick und wird horizontal fortgesetzt.

Auf eine Anfrage der Grünen teilte Landrat Thomas Gemke mit, dass nach derzeitigem Sachstand weder Arbeiten unter Tage oder gar Sprengungen durchgeführt werden. „Deshalb findet auch keine Öffentlichkeitsbeteiligung statt.“

Für die Grünen ein unhaltbarer Zustand. „Für den Erkundungsbetrieb gibt es eine Ausnahme von einer sonst vorgeschriebenen Offenlegung solcher umweltrelevanten Pläne,“ beklagt Ingrid Ketzscher, Sprecherin der Mendener Grünen: „Deshalb müssten sich in einem ersten Schritt die betroffenen Städte und Wasserversorger zusammenschließen, um eine Beteiligung einzufordern.“

Denn wenn es tatsächlich zu einer Förderung kommen sollte, handele es sich hier um einen „brachialen Prozess“, der erhebliche Umweltauswirkungen nach sich ziehe. „In das rund 1500 Meter tiefe Bohrloch werden mit großem Druck Sand, Wasser und Chemikalien gepumpt, darunter auch wassergefährdende Stoffe, um den Fels zu spalten. Zu befürchten ist, dass Chemikalien in Grund- und Trinkwasser gelangen.“

Wintershall-Pressesprecher Stefan Leunig hatte nach dem Bekanntwerden der Pläne versichert, umfassend alle Beteiligten zu informieren. Zunächst müsse geprüft werden, ob Bohrungen umwelttechnisch machbar seien. - be

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