Patientenaufkommen drei bis vier Mal so hoch

Die Grippe führt Klinikum Hellersen ans Limit

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Dr. Karl-Josef Franke, Dagmar Keggenhoff und Dr. Dieter Schnalke blicken auf eine außergewöhnliche Grippewelle zurück.

Lüdenscheid - Die Grippewelle hat im Februar und März das Klinikum durchgehend an seine Kapazitätsgrenzen geführt. Das Patientenaufkommen war drei bis vier Mal so hoch wie im vergangenen Jahr, gleichzeitig fiel rund ein Drittel des Personals bei Ärzten und Pflegern wegen der Influenza aus.

„Aber jetzt ist es geschafft“, sagt der Leitende Ärztliche Direktor Dr. Dieter Schnalke.

Rückblickend war es die heftigste Grippewelle seit mehr als zehn Jahren. Über die Ursache ist bislang noch nichts bekannt. „Fest steht aber, dass Nordrhein-Westfalen mit den Influenza-Zahlen an der Spitze liegt.“

Der exakte Überblick über das Patientenaufkommen liegt im Klinikum in Hellersen zwar noch nicht vor, aber mit ein paar Zahlen machen Dr. Schnalke, Pflegedirektorin Dagmar Keggenhoff und Dr. Karl-Josef Franke, Direktor der Klinik für Pneumologie (Lungenheilkunde), die dramatische Situation der vergangenen Wochen schon deutlich. Die 36 Betten der Intensivstation waren durchgängig belegt, weil viele Patienten wegen schwerer Lungenentzündungen beatmet werden mussten. Die Auslastung der pneumologischen Abteilung schnellte auf 200 (!) Prozent hoch. „Wir mussten die Patienten auf das gesamte Haus verteilen“, erklärt Dr. Franke die außergewöhnliche Situation. 

Trotz einiger kritischer Krankheitsverläufe gab es im Klinikum keinen Influenza-Todesfall. Unter einem besonderen Leistungsdruck habe die Zentrale Notaufnahme gestanden, in der über die stationäre Aufnahme oder – in leichten Fällen – die ambulante Versorgung entschieden wurde.

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Bei einer solchen Überbelastung verwundert es nicht, dass die Grippewelle auch das Personal erwischte. Von den 330 Medizinern im ärztlichen Dienst und den 560 Pflege-Vollzeitkräften fehlten rein rechnerisch 30 Prozent. „Zwischen 15 und 30 Mitarbeiter meldeten sich pro Tag ab“, so Dagmar Keggenhoff.

 Aufgrund des Personalmangels musste für insgesamt zehn Tage die Station für die geplanten Eingriffe geschlossen werden. „Die hätten wir in diesem Notfall gut gebrauchen können.“ Wegen der außergewöhnlichen Lage verschob das Klinikum planbare Operationen auf später. „Wir sind bei den Betroffenen auf großes Verständnis gestoßen“, sagt Dr. Schnalke. „Ich habe häufig wegen Terminverlegungen telefoniert, aber nie einen Vorwurf gehört“, lobt der Leitende Ärztliche Direktor die Unterstützung von außen. 

Gleichzeitig weist die Pflegedirektorin auf die große Kollegialität im Hause hin. „Das vorhandene Pflegepersonal hat zusätzliche Schichten gemacht, Ärzte aus verschiedenen Fachabteilungen haben da geholfen, wo es eng war. Das Miteinander war beeindruckend.“ Schließlich lief der „normale Krankenhausalltag“ mit der Versorgung von Akut-Patienten nach Unfällen, Herzinfarkten oder Schlaganfällen wie eh und je weiter. Dr. Franke: „Es gab keinerlei Einschränkungen.“

 Als Lehre aus der Grippewelle geben die Ärzte den dringenden Rat zur Impfung weiter: über 60-Jährige, chronisch Kranke und Mitarbeiter im Gesundheitswesen sollten ihre Impfmüdigkeit auf jeden Fall überwinden.

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