Fitnessstudios öffnen nach dem Corona-Lockdown erstmals wieder

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Zurück an der Maschine: Die Fitness AG in Werdohl ist seit Montag wieder geöffnet. Trainiert werden musste mit Handschuhen, eine Schutzmaske dagegen war an den Geräten keine Pflicht.

Lennetal - Den großen Ansturm gab es nicht, wohl aber nahm der Betrieb recht schnell wieder Fahrt auf. So meisterten die Studios die neue Situation. 

In der Fitness AG in Ütterlingsen, zu der auch das neue Fit-und-Gesund gegenüber des Edeka-Marktes gehört, sportelten gestern Vormittag einige Mitglieder. Ein Ringbuch am Eingang, in dem die Namen der Besucher notiert werden, verriet: Bis 11 Uhr hatten bereits mehr als 20 Personen trainiert. Während ihres Besuchs mussten sie Handschuhe tragen. 

Coronavirus in Werdohl: Handschuhe sind Pflicht

Die Mund-Nase-Masken, durften an den Geräten abgezogen werden. „Anders wäre es eine Zumutung“, betonte Inhaber Axel Weber und erklärte: „Die Geräte stehen so weit auseinander, dass auch ohne die Maske eigentlich nichts passieren kann.“ Seine Mitglieder seien sehr verständnissvoll gewesen und hätten sich ausnahmslos an die neuen Vorschriften gehalten, selbst Handschuhe und Masken mitgebracht. 

Und wie sehr wurde das Fitnessstudio nun vermisst? Sehr, wie die beiden Sportler Aldin (37) und Hakan (21) berichteten. Joggen zum Fithalten oder kleinere Kraftübungen bis 30 Kilogramm würden zwar auch daheim gehen, aber das Equipment für richtigen Muskelaufbau fehle dort einfach. Und ein weiterer Punkt war den beiden Sportlern wichtig: „Das Ambiente, die Motivation fehlt einfach zu Hause.“ 

Kaum ältere Mitglieder im Studio

„Die älteren Mitglieder halten sich noch etwas bedeckt“, sagte Weber. Im Fit-und-Gesund, wo sonst morgens 70 Prozent der Anwesenden älter als 70 Jahre seien, hielten sich gestern gerade einmal zwei Personen dieser Altersgruppe auf. Der 70-jährige Heinrich, der auch in Ütterlingsen trainierte, war dagegen froh, endlich wieder ins Studio zu dürfen. „Ich gehe normalerweise drei Mal in der Woche zum Training, um meiner Osteoporose entgegenzuwirken“, sagte der Senior. Daher habe er das Fitnessstudio im wahrsten Sinne schmerzlich vermisst.  

Auch in derMN Fitnesslounge in Neuenrade waren am Montagmorgen schon einige Sportler aktiv. Pfiffig: Mitglieder müssen sich dort nicht per Hand in Listen eintragen, sondern scannen einfach ihr Mitgliedsarmband am Eingang, wie es auch schon vor Corona üblich war. Die Besucherliste entsteht so automatisch. Telefonische Anmeldungen vorab sind nicht notwendig. Allerdings könnte es zu Wartezeiten kommen. 

Coronavirus in Neuenrade: Telefonische Nachfragen

Zielgruppe der Fitnesslounge sind unter anderem Schmerzpatienten mit chronischen oder orthopädischen Beschwerden. Gerade für sie ist es wichtig, regelmäßig zu trainieren. „Der Körper baut sonst ab und das kann zu weiteren Problemen führen“, sagte Studioinhaber Marcel Niehues. Einige der Mitglieder fallen altersbedingt in die Corona-Risikogruppe. Daher hätte es schon telefonische Nachfragen gegeben, welche Maßnahmen das Studio treffe. 

Auch in der Fitnesslounge in Neuenrade war gestern der erste Tag nach der Corona-Zwangspause. Die Geräte wurden nach jedem Durchlauf desinfiziert.

Im Vergleich zu sonst sei weniger los, berichtete Niehues, der sich extra einen Mundschutz in der Farbe des Fitnesslounge-Logos zugelegt hat. Aber er sei froh, dass es jetzt überhaupt weitergehen könne, wenn auch mit einigen Einschränkungen. Diese Meinung teilt Kundin Claudia. Schon vor Beginn ihres Trainings sagte sie: „Es wurde jetzt auch Zeit, dass es wieder losgeht.“ Bis gestern hatte Claudia noch das Internetangebot der Fitnesslounge wahrgenommen. Auf der Homepage des Studios wurden verschiedene Übungen – mit dem eigenen Körpergewicht und einfachen Haushaltsgegenständen – präsentiert und erklärt, sodass Interessierte daheim zumindest ein bisschen aktiv werden konnten. 

Coronavirus in Balve: Indoorcycling im Freien

Indoorcycling im Außenbereich: Ohne Corona hätte Andrea Krüger, Leiterin des Fitnessstudios Life in Garbeck, über diese paradoxe Idee wohl nie nachgedacht. Nun tut sie es, denn im Trainingsraum dürfen derzeit keine Kurse stattfinden. Wie es draußen aussieht, möchte Krüger prüfen lassen. Denn einige der Mitglieder, die sich auf den Spinningbikes abrackern, sind Senioren, die damit ihr Herz-Kreislaufsystem trainieren, und die das oft deshalb tun, weil sie Erkrankungen an den Herzkranzgefäßen haben. Das Studio Life wird erst heute wieder öffnen. Die Genehmigung sei am Samstag zu kurzfristig gekommen, sodass die Mitarbeiter den Montag noch nutzen wollten, um alle Geräte und Räume gewissenhaft vorzubereiten. 

Im Life in Garbeck traf Inhaberin Andrea Krüger letzte Vorbereitungen. Heute erfolgt die Wiederöffnung.

Krüger hat zum Beispiel einen Raumplan erstellt, auf dem alle Trainingsgeräte verzeichnet sind. Fünf Geräte musste sie sperren, damit die Abstände eingehalten werden können. Die Laufbänder wurden zum Teil umgestellt, sodass nicht mehr alle Sportler in dieselbe Richtung laufen und damit atmen. Im Life herrscht Anmeldepflicht. Entweder über die App „No excuse“ oder per Telefon. 

Coronavirus in Altena: Hälfte der Geräte gesperrt

Besonders heftig wirken sich die Corona-Schutzbestimmungen in der Fitness Factory in Altena aus. Rund die Hälfte der Geräte ist abgesperrt. Trainerin Anja Bozniatzki versieht ihren Job neuerdings mit Maske und deutlich mehr Abstand. Zusätzlich gelten die bekannten Hygienevorschriften. „Daran halten sich die Mitglieder ohne zu meckern – selbst die Querulanten“, lobt Anja Bozniatzki. Das Studio selbst konzentriert sich mehr auf Breitensport und bietet keine Rehabilitation an. Dennoch trainieren hier aber auch Rentner und Senioren, die sich fit halten wollen. 

In der Fitness Factory in Altena kann rund die Hälfte der Geräte nicht genutzt werden.

Dietmar (67), der das Laufband auch mit Maske ausgetestet hat („Das geht gar nicht, das ist Quälerei“), erzählt, dass ihm das Training sehr gefehlt habe. Er habe zwar auch zu Hause Übungen gemacht und sich ein neues E-Bike gekauft, um Herz-Kreislaufsystem und Ausdauer zu trainieren. Das Fitnessstudio ersetzen, könne beides aber nicht. „Sich zu motivieren, ist zu Hause viel schwieriger“, sagt der Senior. Gegen seinen inneren Schweinehund kann Dietmar seit dieser Woche nun aber wieder im Altenaer Fitnessstudio ankämpfen.

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region lesen Sie hier im MK-Liveticker.

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