Ist das schon der Klimawandel?

Thesen zum Lüdenscheider Wetter: Experte hat eine klare Meinung

+
Dirk Jacobs

Lüdenscheid - Da konnte selbst der Regen der letzten Tage nichts mehr retten. 2018 war in Lüdenscheid ein außergewöhnliches Wetter-Jahr. Ein Experte erklärt, warum. 

Die Meteorologen sind sich einig. 2018 wird vermutlich das Jahr mit der höchsten Durchschnittstemperatur in Deutschland. In Lüdenscheid dokumentiert Dirk Jacobs, Lehrer am Zeppelin-Gymnasium, mit Kollegen und Schülern in der Wetterstation auf dem Staberg die lokale Witterung. 

Über die Jahre sind abertausende Wetterdaten gesammelt und ausgewertet worden. Für die Lüdenscheider Nachrichten hat er einige Wetter-Thesen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

2018 war ein Wetterjahr, wie es die Lüdenscheider noch nicht erlebt haben. 

Dirk Jacobs: Das stimmt! Die Werte für die hohe Lufttemperatur, den vielen Sonnenschein und den geringen Niederschlag, wie wir sie im Jahr 2018 an unserer Meteorologischen Station im Zeppelin-Gymnasium gemessen haben, waren schon für sich betrachtet jeweils außergewöhnlich. Darüber hinaus macht die Kombination dieser drei Parameter das Jahr 2018 zu einem so noch nicht da gewesenen Jahr! 

Sommer der Wetter-Rekorde in Lüdenscheid

Es war das heißeste Jahr in Lüdenscheid seit Beginn der Aufzeichnungen. 

Jacobs: Das stimmt! Die bisherige höchste mittlere Lufttemperatur von 10,2 Grad Celsius aus dem Jahr 2014 werden wir mit Sicherheit übertreffen. Je nachdem, wie die nächsten Tage werden, könnte es auf 10,3 bis 10,4 Grad Celsius hinauslaufen.

In den letzten Jahren wurde es immer wärmer. Ein Klima fast wie auf Mallorca. Der Sommer dauerte von Mai bis Oktober.

Jacobs: Von den neun wärmsten Jahren seit 1900 liegen sieben in diesem Jahrhundert. Die vier wärmsten Jahre gab es seit 2011! In Lüdenscheid ist es zwar manchmal wärmer als auf Mallorca aber von einem Klima fast wie auf Mallorca sind wir jedoch noch weit entfernt. Dort ist die Jahresdurchschnittstemperatur fast doppelt so hoch wie in Lüdenscheid. Außerdem ist es dort im Durchschnitt selbst deutlich trockener als bei uns im extrem trockenen Jahr 2018. Dieses Jahr hatten wir einen außergewöhnlich langen Sommer bei uns in Lüdenscheid. Der Sommer legte bereits mit vier Sommertagen (mehr als 25 Grad Celsius) im April los und dauerte bis in den Oktober mit drei Sommertagen. 

Es wird jedes Jahr stürmischer in Lüdenscheid. 

Jacobs: Das haben wir so mit der Messanlage auf dem Dach unseres Zeppelin-Gymnasiums nicht festgestellt. Im Zeitraum von 1986 bis 1998 gab es deutlich mehr Sturmtage pro Jahr als in den letzten 20 Jahren. 

Ein so trockenes Jahr hatten wir in Lüdenscheid noch nie. 

Jacobs: Vermutlich ja! Zur Zeit deuten die Wettervorhersagen daraufhin, dass wir beim Niederschlag circa 780 Liter pro Quadratmeter erreichen werden. Damit liegen wir etwas unter den bisher niederschlagärmsten Jahren 1892 (792 Liter pro Quadratmeter), 1959 (806 Liter pro Quadratmeter), 1971 (818 Liter pro Quadratmeter) und 1976 (822,5 Liter pro Quadratmeter). Aber mit einem größeren Regengebiet in den nächsten Tagen könnte sich das noch relativieren.

Der Klimawandel ist auch in Lüdenscheid spürbar. 

Jacobs: Der Klimawandel lässt sich in Lüdenscheid deutlich feststellen. Dazu bilden wir mit den Jahresdurchschnittslufttemperaturen für jeweils zehn Jahre – die sogenannten Dekaden – Mittelwerte. Dabei fällt auf, dass diese Dekadenmittelwerte von 1931 bis 1990 zwischen 7,7 und 8,2 Grad Celsius schwanken. Dann steigen diese Werte deutlich spürbar über 8,5 (1991-2000), 8,9 (2001-2010) auf momentan 9,5 Grad Celsius (2011-2018) an. 

Wird es auch künftig so warm und trocken bleiben?  Welche Auswirkungen hat das auf unser Leben? 

Jacobs: An die gestiegenen Temperaturen werden wir uns gewöhnen müssen – vermutlich wird sich unsere Erde die nächsten Jahrzehnte – auch bei einer sofortigen massiven Reduktion der jährlich ausgestoßenen Treibhausgase – weiter erwärmen. Beim Niederschlag ist das Jahr 2018 mit den extrem geringeren Niederschlägen in den Monaten Februar bis November sehr außergewöhnlich. So etwas kann sich durch den Klimawandel bedingt die nächsten Jahre natürlich wiederholen, doch wir werden bestimmt auch Jahre mit normalen Niederschlagsmengen wie im Jahr 2017 erleben.

Die Wetterstation am Staberg.

Auf unser Leben wird das mit Sicherheit Auswirkungen haben. So können wir mehr Lebenszeit draußen verbringen. Für die Stadt, die Gärten und den Wald müssen trocken-, wärme- und sturmresistentere Bäume angepflanzt werden, die dann aber auch noch in unser Ökosystem passen müssen. Als Hausbesitzer sollte man sich nicht nur Gedanken über eine gute Wärmeisolierung, sondern auch über einen vernünftigen Hitzeschutz machen. Im Rahmen der fast entleerten Trinkwassertalsperren im Sauerland muss man auch über die Sicherheit der Wasserversorgung neu nachdenken. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare