Jugendstil-Ensemble freigelegt

350.000 Euro für Sanierung des Hagener Bahnhofs

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Nach der Entfernung von großen Rigipsplatten sind die historischen Korbbögen nun wieder sichtbar.

Hagen - Erstaunliches tut sich derzeit in und um Hagens Hauptbahnhof: Gut 100 Jahre nach seiner Einweihung bekommt der Jubilar nun verspätet seine verdiente Rundumerneuerung. Dazu gehört eine Auffrischung der Fassade, die derzeit bis auf die Turmkuppel von Planen eingehüllt ist wie einst der von Christo verhüllte Reichstag in Berlin. Doch auch innen tut sich einiges.

350 000 Euro investiert die Bahn-AG in die Auffrischung des einstigen Schmuddelkindes der Stadt, das die täglich 25 000 bis 30 000 Reisenden bisher so schnell wie möglich durchquerten.

Bei der Innensanierung der denkmalgeschützten Empfangshalle kam bereits viel Überraschendes zutage: Unter schnöden Rigipsplatten verbargen sich Halbbogenfenster und reizvolle Korbbögen, die im Zuge der Arbeiten jetzt wieder freigelegt werden. Oberhalb der Bögen kamen zudem alte Werbetafeln zum Vorschein.

Neues Werbekonzept setzt auf Kleinteiligkeit

Das neue Werbekonzept setzt auf Kleinteiligkeit statt erschlagender Werbeformate. Die gesamte Empfangshalle soll nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten rekonstruiert werden und ihre einst lichte, helle Gestalt wiederbekommen – ein Umfeld, in dem auch das kunsthistorisch bedeutende Glasfenster von Thorn Prikker über dem Ausgang wieder angemessen zur Geltung kommt. Es wurde bereits 2006 wieder freigelegt.

Infoschalter unter der weißen Hallenkuppel

In der Mitte der Halle verschwand ein in die Jahre gekommenes Lotto- und Tabakgeschäft. Stattdessen empfängt nun ein in den Hintergrund verschobener Informationsschalter der Bahn die Kunden unter der weißen Hallenkuppel. Nach dem Auszug eines Drogeriemarktes aus dem größten Ladengeschäft der Halle konnten auch dort die Verkleidungen abgenommen werden.

Jugendstil-Ensemble mit Uhr und Kamin

Lädt zum Verweilen ein: Der „Rewe-to-go“ richtete eine Sitzgruppe vor dem Kamin mit der historischen Jugendstiluhr ein.

Dahinter verbarg sich ein Jugendstil-Ensemble mit Uhr und Kamin, das der niederländische Künstler und Kunstschmied Frans Zwollo für den damaligen Wartesaal der Ersten Klasse entworfen hatte. Er gehörte zum sogenannten „Hagener Impuls“, lehrte von 1910 bis 1914 an der Staatlichen Kunsthandwerkschule und war in der Hagener Schilderschmiede tätig. Die Betreiber des in den ehemaligen Wartesaal neu eingezogenen „Rewe-to-go“ akzeptierten die Auflage, das Uhren- und Kamin-Ensemble in den Markt zu integrieren und ergänzten es um eine Sitzgruppe.

Unterführung ist deutlich sauberer geworden

Sichtbar sind die Veränderungen auch bereits in der Unterführung zu den Gleisen, die deutlich sauberer geworden ist. Hier soll noch erheblich mehr gemacht werden: „Das Lichtkonzept ist in Planung, aber die Umsetzung noch nicht terminiert“, erklärte Bahnsprecher Franz Heumüller auf Anfrage unserer Zeitung.

Umbau der Bahnsteige ist geplant

In Planung sei auch der Umbau der Verkehrsstation, also der Bahnsteige. Zuvor seien aber „noch abschließende Gespräche notwendig“. Bisher passen die vorhandenen Bahnsteige nicht in allen Fällen zum Waggonpark der Bahn, was den Ein- und Ausstieg bei manchen Zügen erschwert.

Der aktuelle Zeitplan ist relativ ehrgeizig: Ende des Jahres sollen zunächst die Baumaßnahmen rund um die Empfangshalle des Hagener Bahnhofs abgeschlossen werden.

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