Essen auf Rädern braucht neue Fahrer

MÄRKISCHER KREIS ▪ Tausende von alten und nicht mehr mobilen Menschen sind auf das Angebot Essen auf Rädern angewiesen. Mit der Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli dieses Jahres und dem damit einhergehenden Aus für den Zivildienst sehen einige Wohlfahrtsverbände Probleme auf sich zukommen.

Rund 100 Menschen beliefert die Diakonie Ruhr-Mark mit Mahlzeiten. „Eine Lösung, wie wir den Service künftig regeln, haben wir noch nicht“, räumt Volker Holländer, kaufmännischer Vorstand, ein. Schon in den vergangenen Jahren habe es immer wieder mal Schwierigkeiten wegen der Verkürzung der Zivildienstzeit gegeben.

„Wir lassen unsere alten Menschen nicht im Stich“, so Hans-Joachim Kußberg, Küchenchef im Haus St. Elisabeth des Caritasverbandes Altena-Lüdenscheid. Für Caritasdirektor Hans-Werner Wolff steht fest, dass mit dem Ausscheiden der drei Zivildienstleistenden ein größerer Stab aufgebaut werden muss, um täglich in der Mittagszeit die frisch zubereiteten Menüs auszufahren oder auch Betreuungsdienste zu leisten. „Unser Angebot erfreut sich wachsender Beliebtheit.“ Als neue Mitarbeiter hat er die „klassischen Frührentner“ im Visier.

Im Regionalverband Südwestfalen der Johanniter gibt es vergleichbare Probleme nicht. Die Tiefkühlkost wird von fest angestellten Mitarbeitern ausgefahren. „Wir haben frühzeitig auf den Rückgang der Zivildienstleistenden reagiert“, so Pressereferentin Jutta Beißner. Im Südkreis werden mehr als 300 Mahlzeiten ausgefahren, im Nordkreis knapp 100.

Für Holländer ist der Wegfall des Zivildienstes auch aus einem anderen Blickwinkel bedauerlich. „In dieser Zeit kamen junge Leute häufig zum ersten Mal mit pflegebedürftigen oder Behinderten Menschen in Kontakt.“ Nicht wenige hätten sich aufgrund dieser Tätigkeit auch beruflich orientiert und sich für einen sozial-pädagogischen Dienst entschieden. „Solche wichtigen Erfahrungen fallen für die Zukunft weg. Diese Problematik für die künftige Alten- und Behindertenpflege wird öffentlich leider gar nicht diskutiert.“ - be

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare