„Energiekosten werden explodieren“

MÄRKISCHER KREIS – „Wenn ich morgens aufstehe, bin ich gut gelaunt. Abends nach der Tagesschau hört die gute Laune auf.“ Einen schleichenden Stimmungsverlust den Tag über stellt Horst-Werner Maier-Hunke, Vorsitzender des Märkischen Arbeitgeberverbandes, zurzeit bei sich fest. Und führt dies auf die permanent schlechten Meldungen zurück. Dabei sei die Lage besser als beschrieben, meint er und sieht sich auch durch die aktuelle Konjunkturumfrage des Verbandes bestätigt (wir berichteten).

Man könnte glauben, man stehe kurz vor dem Ende, doch die Auftragslage in der Metall- und Elektroindustrie sei gut, in der Automobilindustrie sogar sehr gut. „2011 war ein gutes Jahr. Wenn die Erwartungen jetzt schlechter ausfallen, ist das immer noch ein hohes Niveau“, relativiert Maier-Hunke die eher skeptische Grundhaltung in den befragten Unternehmen. Immerhin ist der Anteil derer, die mit einer gleich schlechten beziehungsweise schlechteren Auftragslage rechnen, von rund 14 auf 33 Prozent gestiegen.

Das wirkt sich auf die unternehmerischen Planungen aus. Nicht so sehr auf den Arbeitsmarkt: Bei 76 Prozent der befragten Unternehmen soll sich die Zahl der Beschäftigten nicht ändern, 19 Prozent wollen neu einstellen. Zurückhaltender zeigen sich die Unternehmer jedoch bei ihren Investitionsplänen. Nur noch jedes vierte Unternehmen plant höhere Ausgaben, 39 Prozent gleichbleibende. Die Zahl der Firmen, die ihr Budget kürzen wollen, hat sich dagegen von fünf auf 15 Prozent verdreifacht.

Dabei sei gerade im Finanzierungsbereich Entspannung eingekehrt, sagt Maier-Hunke: „Die Bankkreditvergabe ist nach einer Untersuchung des Vereins Creditreform weniger restriktiv geworden, auch wenn sich die Anforderungen an den Kreditnehmer erhöht haben.“

Fast jedes zweite Unternehmen rechnet durch Staatsschulden- und Eurokrise mit negativen Auswirkungen aufs eigene Geschäft. Der größte Unsicherheitsfaktor wird aber in den steigenden Energie- und Rohstoffpreisen gesehen. 70 Prozent der Befragten sehen da ein großes Risiko.

„Die Energiekosten werden explodieren. Ich rechne damit, dass in einigen Jahren der Preis für die Kilowattstunde auf 20 Cent steigt“, sieht der MAV-Vorsitzende eine extreme Belastung auf die Unternehmen zukommen: „Wir brauchen die Energiewende.“ Maier-Hunke setzt dabei auf alternative Energien: „Ich bin ein Fan von Photovoltaik.“ Es müsse aber vor allem in die Leitungen investiert werden, die den Windkraft-Strom von Nord nach Süd transportieren. Und es müsse regional mehr erzeugt werden.

Mehr Einfluss als auf die Energiekosten haben die Unternehmen auf den Risikofaktor „Fachkräftemangel“. Jedes vierte sieht darin eine Gefahr fürs Geschäft. Dass 80 Prozent ihre Ausbildungsquote halten und 16 Prozent mehr ausbilden wollen, sei eine Reaktion darauf, so Maier-Hunke. Die hohe Ausbildungsbereitschaft sei aber auch ein Zeichen für die trotz spürbarer Vorsicht langfristig positive Grundstimmung. Ohne auf die bevorstehenden Tarifverhandlungen eingehen zu wollen, machte der MAV-Vorsitzende deutlich, dass er die von der Gewerkschaft geforderte Übernahmegarantie für Auszubildende ablehnt: „Keiner will die Personalhoheit abgeben.“ Er ist aber zuversichtlich, dass man zu einer Einigung kommt: „Dass wir besser dastehen als andere, liegt auch an den vernünftigen Gewerkschaften.“

higo

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