Elektroautos sind nicht der Königsweg

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Elektromobilität ist nicht die einzige Option für die Zukunft der Automobilindustrie, sagten die Diskussionsteilnehmer. ▪

ISERLOHN ▪ Der Trend zur Elektromobilität ist nicht mehr umkehrbar. „Die Menschen wollen das“, ist Wolfgang Kirchhoff, einer der Geschäftsführer der Kirchhoff-Gruppe in Iserlohn, überzeugt. Aber: „Es wird viel länger dauern als gedacht.“ Und es ist nicht unbedingt der Königsweg. Viele andere Aspekte sind in der Automobilindustrie mit den Stichpunkten Klimaschutz und Energieersparnis eng verknüpft.

Etliche von ihnen wurden auf einer Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes NRW und der Hans-Böckler-Stiftung angesprochen, zu der sich Gewerkschafter und Vertreter aus Unternehmen und Verbänden bei der Firma Kirchhoff Witte trafen. Wird es ein ökologisch sauberes Auto geben? Wie wirken sich die Veränderungen in der Fahrzeugtechnik auf die Arbeit in der Autoindustrie aus? Diesen Fragen wollte der DGB in Iserlohn nachgehen – einer Station im Rahmen der Initiative „Gute Arbeit und ökologischer Wandel“, die mit Fachtagungen in die verschiedensten Branchen geht.

Die Automobilindustrie sehe sich nicht nur immer höheren technischen, sondern auch ökologischen Ansprüchen gegenüber, eröffnete Volker Grienitz von der Universität Siegen sein Referat über die Veränderungsprozesse in der Fahrzeugentwicklung: „Aber es muss auch bezahlt werden können.“

Das Fahrzeug von heute sei geprägt von unterschiedlichsten Technologien mit unterschiedlichen Lebenszyklen. Elektromobilität sei en vogue, aber produktionstechnisch passiere da noch nichts. „Keiner weiß, wann die Marktdurchsetzung kommt“, so Grienitz.

Dafür bewege sich auf anderen Gebieten viel. Die Bionik, das Übertragen von Naturphänomenen in die Technik, sei im Maschinenbau angekommen: So könnten Roboter allein über Gesten gesteuert werden. Ökologische Werkstoffe seien noch nicht stark verbreitet, aber ein Thema: „Man kann Holz spritzgießen wie Kunststoff.“ Über herkömmliche Werkstoffe müsse neu nachgedacht werden, meinte Grienitz und verwies auf faserverstärkte Kunststoffe und die entsprechende Felge für den Leichtbau-Smart: „Da wird noch sehr viel passieren.“ Er warnte allerdings davor, alles sofort einzusetzen: Die gesundheitlichen Risiken seien nicht immer abzuschätzen.

Auch in der Fertigung gehe es um Energie- und Kostenersparnis, so der Experte. Die Verlagerung der Produktion in kostengünstigere Länder sei eine Möglichkeit. Daneben werde die Rückspeisung von Energie – bis hin zu Trittschall und Schwingungen – immer wichtiger: „Da ist die Forschung erst am Anfang, aber das wird die Zukunft sein.“ Dafür gut gewappnet sei man in Südwestfalen durch das Automotive Center Südwestfalen, das in Attendorn entsteht und für die heimischen Unternehmen Kompetenzen anbieten und entwickeln soll.

Weniger Autos, kleinere Autos, mehr Car-Sharing und Öffentlicher Personennahverkehr – so stellte Anja Peters vom Fraunhofer Institut das Mobilitätsverhalten der Zukunft vor. Die Einstellung zur Elektromobilität sei positiv, die Skepsis gegenüber der Umsetzung noch groß.

Ihre Chancen nutzen, aber daneben auch Ressourcen sparen und auf Leichtbau setzen – das sichere die Arbeitsplätze, meinte Wolfgang Kirchhoff in der abschließenden Diskussion. Die Mitarbeiter im Betrieb müssten bei allen Veränderungen mitgenommen werden, betonten der nordrhein-westfälische DGB-Vorsitzende Andreas Meyer-Lauber und Knut Giesler, Bezirksleiter IG Metall NRW. Beschäftigung müsse durch Qualifizierung gesichert werden. „Das ist das A und O“, bestätigte auch Kirchhoff Witte-Betriebsratsvorsitzender Ulrich Kunz. ▪ higo

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