Bundestagwahl 2021: M. Thomas-Lienkämper (Die Linke)

Ein Mann mit Ecken und Kanten

Michael Thomas-Lienkämper mag seinen Wallach Dariusz und ist gerne in der Natur. Der 59-Jährige kandidiert bei der Bundestagswahl für die Partei Die Linke.
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Michael Thomas-Lienkämper mag seinen Wallach Dariusz und ist gerne in der Natur. Der 59-Jährige kandidiert bei der Bundestagswahl für die Partei Die Linke.

Sein Name macht anderen mitunter Probleme. Die Kombination aus zwei männlichen Vornamen, von denen ein Teil seines Doppel-Familiennamens ist, bringt seine Gesprächspartner schon einmal ins Schleudern. Michael Thomas-Lienkämper nimmt es locker.

Werdohl ‒ Der 59-Jährige, der als Michael Thomas in Lüneburg geboren wurde und den zweiten Teil seines Familiennamens durch Eheschließung erhalten hat, scheint ohnehin kein Mensch zu sein, der anderen etwas nachträgt. Aber er ist ein Mann mit Ecken und Kanten. So hat er auch den Slogan formuliert, mit dem er bei der Bundestagswahl als Kandidat der Partei Die Linke antritt: „Offen, ehrlich, direkt“. „Das ist meine Art, aber ich bin damit auch schon auf die Klappe gefallen“, sagt Thomas-Lienkämper, der seit rund einem Jahr in Werdohl wohnt.

Auf dem Reiterhof Noelle in Rentrop, den er seit 25 Jahren kennt, bewohnt er alleine eine Dachgeschosswohnung. Das ist kein Zufall, denn Thomas-Lienkämper ist mittlerweile geschieden und er mag Pferde, seit er seine inzwischen längst erwachsen gewordene Tochter als Mädchen zum Voltigieren gebracht hat. Er selbst hält einen Wallach, den er regelmäßig anspannt, um mit der Kutsche durch die Felder und Wälder auf den Höhen Werdohls zu fahren. Oder er geht joggen – fast jeden Morgen vor der Arbeit etwa 45 Minuten. „Darauf möchte ich nicht verzichten, das mache ich schon seit 45 Jahren“, sagt Thomas-Lienkämper. Er sei gerne draußen und liebe die Natur, weswegen er übrigens auch die Erweiterung des Gewerbeparks Rosmart „klipp und klar“ ablehne.

Kutsche fahren, laufen gehen, draußen sein – all das geht besser, wenn man ländlich wohnt. Deshalb ist Thomas-Lienkämper vor einem Jahr von Lüdenscheid, wo er aufgewachsen ist, auf den Reiterhof unweit des Höhenwegs gezogen. Einmal auf dem Land zu wohnen sei immer sein Traum gewesen. Dass seine Freundin nicht mitgekommen ist, sondern lieber weiterhin in Lüdenscheid lebt, ist für ihn kein Problem. Das bedeute für beide auch ein Stück Freiheit, findet er.

Den Weg in die Politik hat Thomas-Lienkämper praktisch von ganz alleine gefunden. „Ich war immer schon politisch interessiert“, versichert er und erzählt von seiner Familie, in der „viel diskutiert“ worden sei „auch über politische Themen“. Deshalb habe er einst am Lüdenscheider Bergstadt-Gymnasium auch Geschichte, Soziologie und Politik als Abi-Fächer ausgesucht. „Gewählt habe ich immer, seit ich wählen darf. Und Wahlhelfer war ich auch schon ganz oft“, zeichnet er von sich das Bild eines Menschen, der fest an die demokratischen Grundwerte glaubt.

Seine politischen Ansichten indes haben sich im Laufe der Zeit geändert. Vielleicht waren es aber auch nur die Programme der Parteien, mit denen er nicht mehr einverstanden war. Auf jeden Fall ist Thomas-Lienkämper das Gegenteil eines Stammwählers. „Früher habe ich SPD gewählt. Dann fand ich die Ideen der Grünen interessant, bis mir die zu wertkonservativ geworden sind und dem Einsatz im Jugoslawien-Krieg zugestimmt haben. Da war bei mir Feierabend“, erzählt der Pazifist, der einst selbst den Wehrdienst an der Waffe verweigert hat. Schließlich sei für ihn nur noch Die Linke übrig geblieben.

Dass sich Michael Thomas-Lienkämper überhaupt ausschließlich im linken Parteispektrum verortet, mag auch mit seinem Beruf zusammenhängen. Der Diplom-Sozialarbeiter ist bei der Stadt Iserlohn in der Fachstelle zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit beschäftigt und hat es folglich häufiger mit den wirtschaftlich Schwächeren der Gesellschaft zu tun. Er hält eine Ausweitung des sozialen Wohnungsbaus für erforderlich und stellt – wie die Partei, für die er kandidiert – das System des Kapitalismus infrage. Mit den kommunistischen Hardlinern habe er allerdings nichts am Hut. In der DDR, wo Teile seiner Partei ihre politischen Wurzeln haben, seien Fehler gemacht worden, ist Thomas-Lienkämper sicher und nennt den Mauerbau inklusive Schießbefehl als Beispiel. Aber es sei eben nicht alles schlecht gewesen damals im deutschen Osten, ist er überzeugt.

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