Neue Technologie vorgestellt: Strom tanken und bei Bedarf ins Netz einspeisen

E-Auto als kleines Kraftwerk

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Erstmals wird ein Elektroauto, ein Nissan Leaf, als mobiler Stromspeicher genutzt. Das Fahrzeug tankt Strom und kann ihn bei Bedarf zurück ins Netz einspeisen.

Märkischer Kreis - Es könnte ein Meilenstein auf dem Weg in eine neue Mobilitäts- und Energiewelt sein: Beim Energieversorger Enervie in Hagen wurde mit einem Nissan Leaf das erste Elektroauto vorgestellt, das nicht nur Strom tankt, sondern bei Bedarf über den Batteriespeicher auch wieder ins deutsche Stromnetz zurückspeist. Das E-Auto soll künftig auch als Kraftwerk dienen.

Enervie, das Technologieunternehmen The Mobility House, der Übertragungsnetzbetreiber Amprion und der Automobilhersteller Nissan präsentierten erstmals die „Vehicle-to-Grid“-Technologie. Mit Superlativen sparten die Redner nicht: Für Thomas Raffeiner, Gründer von The Mobility House, ist die Entwicklung „vielleicht nicht so groß wie der Flug zum Mond, aber sie zeigt, was die Welt noch nicht gesehen hat“. 

Darum geht’s: „Damit die Energiewende gelingt, sind neue Lösungen zur Stabilisierung des Stromnetzes nötig. Denn die zunehmende Nutzung von Sonne und Wind führt zu Schwankungen im Stromnetz – mal ist reichlich Energie vorhanden, mal herrscht Flaute. Dann müssen Stromausfälle verhindert werden. Weil heute Fahrzeuge mehr „Stehzeuge“ sind, liegt für den Bundestagsabgeordneten Andreas Rimkus die Lösung praktisch in der Parkbox. „Der Speicher ist eine neue Dimension, um die Stromfrequenz stabil zu halten.“ 

Strom mit perfekter Qualität hat 50 Hertz. Je stärker die Frequenz von diesem Wert abweicht, umso schlechter ist die Qualität. Wird ein Wert von 49,8 Hertz unterschritten, werden zusätzliche Kraftwerke zugeschaltet, um den Strombedarf zu decken. Für Erik Höhne, Vorstandssprecher von Enervie, ist das „gesteuerte Laden“ die Königsdisziplin, um die perfekte Qualität auf Dauer zu erreichen.

 Irgendwann werde vor jedem Haus ein E-Auto stehen, ist Höhne überzeugt. „Wenn aber alle zur gleichen Zeit laden wollen, brauchen wir dickere Leitungen und damit eine neue Infrastruktur.“ Auf das Aufreißen von Straßen und Bürgersteigen könne verzichtet werden, wenn der Fahrer den Ladevorgang der Technik überlasse, die dann Straßenzug für Straßenzug den Batteriespeicher fülle. „Nicht der Kunde bestimmt die Ladezeit, sondern eine zentrale Leitstelle.“ 

Das alles, auch darüber sind sich die Projektverantwortlichen im klaren, ist noch Zukunftsmusik – erst recht für den Privatnutzer. Auf eine Jahreszahl wollte sich Guillaume Pelletreau, Geschäftsführer von Nissan in Europa, deshalb auch nicht festlegen. Aber seit etwa eineinhalb Jahren verbuche der Hersteller eine deutlich stärkere Nachfrage nach Elektrofahrzeugen. Anfangen werde man mit der neuen Technologie bei großen Flottenkunden. Für Rimkus steht fest: „Die Zukunft ist elektrisch.“

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