Aus dem größten Arbeitgeber Plettenbergs soll eine Manufaktur werden

Schock in Plettenberg: Dura will 850 Stellen abbauen

Noch herrscht reger Betrieb an der Königstraße, aber das könnte sich nach den Plänen der Dura-Spitze bald ändern, denn fast 60 Prozent der Belegschaft sollen entlassen werden.

Plettenberg - Mit einem heftigen Paukenschlag verdarb der Amerikaner Jerry Lavine der gesamten Dura-Belegschaft in Plettenberg die Vorfreude auf Weihnachten. Das US-Unternehmen will 850 Mitarbeiter entlassen. Der bislang größte Arbeitgeber der Stadt schrumpft nach den Plänen zu einer Manufaktur mit gerade einmal 450 Angestellten zusammen.

Das Management des Automobilzulieferers hatte am Montag die Belegschaft einberufen und informierte die Beschäftigten in Blöcken zu jeweils rund 300 Mitarbeitern über die Pläne. Die Hiobsbotschaft wurde den Dura-Mitarbeitern von Jerry Lavine in englischer Sprache verkündet – eine Dolmetscherin übersetzte entsprechend. Konkrete Gründe wurden nicht genannt. Es hieß nach Informationen, dass die US-Gesellschafterin Lynn Tilton die roten Zahlen in Plettenberg nicht mehr mittragen wolle und daher ein erheblicher Personalabbau in Plettenberg geplant sei.

Das bisherige Volumengeschäft mit Leisten und Blenden, bei dem es offenbar Qualitätsprobleme gab, dürfte demnach größtenteils nach Portugal verlagert werden.

Ganz aufgeben will man den traditionsreichen Standort an der Königstraße aber nicht. Das Dura-Werk soll demnach zu einer Art Manufaktur für Premium-Produkte werden. Dazu dürfte dann auch die Produktion von Rolls-Royce-Bauteilen zählen, die man erst in diesem Jahr mangels Platz nach Lenhausen (ehemals Kartonagen Freiburg) ausgelagert hat. Konkrete Angaben zum Zeitplan des Arbeitsplatzabbaus wurden nicht genannt. Entsprechend groß war die Verunsicherung bei den 1300 Dura-Mitarbeitern, schließlich weiß bislang noch niemand, wen der Personalabbau betrifft.

Martin Becker, der das Plettenberger Dura-Werk im Jahr 2011 übernahm, danach neu aufstellte und nach Angaben von Insidern einen guten Job machte, hat das Unternehmen vor zwei Wochen auf eigenen Wunsch verlassen. Nun hat mit Jerry Lavine ein Amerikaner das Sagen. Neuer Werkleiter ist ab dem 1. Dezember der Franzose Jean-Jacques Durr und ersetzt damit Vorgänger Michael Lindner, der das Unternehmen ebenfalls auf eigenen Wunsch verlassen wird.

Der Betriebsrat wird zusammen mit der IG Metall in der nächsten Woche eine Betriebsversammlung in Plettenberg einberufen. „Das ist für Plettenberg eine Nummer. Wir werden uns entsprechend aufstellen und um die Arbeitsplätze kämpfen“, sagte der 2. IG Metall-Bevollmächtigte Torsten Kasubke. „Noch ist nicht alles in Stein gemeißelt. Das werden wir uns so nicht gefallen lassen“, kündigte der Gewerkschafter an. Es gelte nun, einen neuen Beschäftigungssicherungsvertrag auszuhandeln. Der aktuelle Vertrag läuft am Jahresende aus, was die Dura-Leitung in den USA offenbar dazu bewog, den Personalabbau einzuleiten.

Betroffen davon ist auch das Dura-Werk Selbecke bei Oberhundem, das im November die 60-jährige Zugehörigkeit zur Firma Schade bzw. Dura feiern konnte. Zum Feiern ist dort aber nun auch niemandem mehr zumute, denn der Standort soll konsolidiert werden – im Klartext steckt dahinter die Zusammenlegung mit dem Standort Plettenberg und die komplette Aufgabe des Zweigwerkes. - Georg Dickopf

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare