Bundestagswahl: Direktkandidat ganz privat

Familie, Natur und Nordseeurlaub

Daniel Bläsing auf dem Rad.
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Auf dem Fahrrad fühlt Daniel Bläsing sich wohl. „Ich liebe die Natur und gehe auch gerne im Wald spazieren“, sagt der Familienvater und Hundehalter.

Der 36-jährige Iserlohner Daniel Bläsing kandidiert für die AfD.

Einen Wunsch hat Daniel Bläsing nach dem fast zweistündigen Gespräch am Esstisch: „Ich würde mich gerne umziehen und mich auf dem Fahrrad fotografieren lassen“, sagt der 36-jähriger Iserlohner, der für die AfD kandidiert. Denn schließlich gehe es bei dieser Homestory darum, den Menschen Bläsing und seine privaten Seiten in den Mittelpunkt zu rücken. Und der fährt in der sehr ländlichen Umgebung gerne Rad; erst recht, wenn sein achtjähriger Sohn oder Freunde dabei sind.

Wir sind eine sehr demokratische Partei, und genau das gefällt mir.

Daniel Bläsing

Doch Fragen zu den persönlichen politischen Ansichten des Familienvaters kommen zwangsläufig zur Sprache; schließlich stand die AfD nicht nur einmal wegen rechtsextremer Tendenzen in der Kritik. Das sei auch nicht immer unberechtigt, räumt Bläsing ein, und formuliert sehr diplomatisch: „Es gibt in der AfD den einen oder anderen, der es mit der Vaterlandsliebe zu genau nimmt.“ Doch es sei nicht einfach, Mitglieder mit offensichtlich rechten Tendenzen auszuschließen. „Wir sind eine sehr demokratische Partei, und genau das gefällt mir. Ein Ausschluss ist deshalb allerdings schwierig. Aber wir arbeiten permanent daran.“

Finanzpolitik war ausschlaggebend

Bläsing engagiert sich seit 2016 aktiv bei der Alternative für Deutschland. Für ihn sei damals die Finanzpolitik ausschlaggebend gewesen. „Politisch interessiert war ich schon vorher.“ Damals habe er sich im Freundeskreis häufiger speziell über die Währungspolitik beschwert. „So wie das jeder mal macht“, sagt Bläsing – und kritisiert: „Es kann doch nicht sein, dass wir in Deutschland zum Beispiel für die Misswirtschaft in Griechenland oder Italien geradestehen müssen.“

Es blieb bei Diskussionen, bis ein Arbeitskollege ihn quasi auf die politische Laufbahn gelenkt und gesagt habe: „Schön, dass Du Dich so aufregst. Aber mach doch mal was dagegen.“ Diesen Rat nahm der Iserlohner an. Er sitzt inzwischen nicht nur für die AfD im Stadtrat, sondern ist auch auf Kreisebene aktiv, kandidierte 2020 sogar für das Bürgermeisteramt in der Waldstadt.

Privater Schicksalsschlag

Privat hatte Daniel Bläsing – er ist heute Gebietsverkaufsleiter im Dachbaustoffhandel in einem mittelständischen Unternehmen – zu diesem Zeitpunkt schon einen schweren Schicksalsschlag zu verarbeiten. In seinem Beruf als Dachdecker ging er voll auf, noch heute ist er stolz auf die Auszeichnung, die er im im Jahr 2007 als bester Auszubildender in den Kreisen Soest und Lippstadt erhalten hat. Doch nach nur einem Gesellenjahr hatte der damals 23-Jährige einen schweren Arbeitsunfall; stürzte von einem Dach und trug schwerste Kopfverletzungen davon. Unter den Folgen leidet der Iserlohner noch heute: „Die komplette Erinnerung an meine Kindheit ist weg.“

Theoretisch kann jeder nach Deutschland kommen, aber er muss etwas für die Gesellschaft tun, er muss arbeiten.

Daniel Bläsing

Auch seinen Beruf musste Bläsing aufgeben, arbeitete sich an anderer Stelle wieder hoch und sagt heute: „Ich bin froh, dass das Unternehmen es damals mit mir versucht und mir diese Chance gegeben hat.“ Eine solche sollte jeder Mensch erhalten, erklärt er – wieder mit Blick auf die politische Ebene: „Theoretisch kann jeder nach Deutschland kommen, aber er muss etwas für die Gesellschaft tun, er muss arbeiten.“ Bläsing unterstreicht: „Das gilt übrigens auch für diejenigen, die hier geboren sind.“

Doch zurück zur Privatperson Daniel Bläsing. „Viele Hobbys habe ich nicht“, erzählt der BVB-Fan und Hundehalter, für den der „Heimaturlaub an der Nordsee“ einfach dazugehört – „auch, weil der Schwiegervater dort wohnt“.

Die eigene Familie vor Anfeindungen schützen

Über seine Familie, die für ihn im Leben an erster Stelle stehe, möchte der Iserlohner ansonsten aber nicht viel in der Zeitung sehen. Sein Sohn sei schon einmal von einem anderen Kind angesprochen und aufgehetzt worden, berichtet der 36-Jährige: „Wir waren fassungslos.“ Einem anderen AfD-Mitglied sei ein Hakenkreuz auf das Garagentor gesprüht worden. Bläsing: „Ich möchte meine Familie auf jeden Fall vor Anfeindungen schützen.“

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