Iserlohnerin erneut Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag

Dagmar Freitag spricht im Interview über ihren Umgang mit AfD-Parlamentariern

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Dagmar Freitag

Altena - Am Mittwoch ist der AfD-Abgeordnete Boehringer zum Vorsitzenden des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages gewählt worden. AK-Redaktionsleiter Thomas Bender befragte dazu die heimische SPD-Bundestags-Abgeordnete Dagmar Freitag, die ihrerseits selbst einmal mehr zur Vorsitzenden des Sportausschusses gewählt worden ist.

Lesen Sie hier das Interview in voller Länge:

Können Sie uns das Abstimmungsverhalten erklären? Die SPD hat sich dabei enthalten. Das klingt nach „nicht Fisch, nicht Fleisch“. 

Dagmar Freitag: Die Aufteilung der Ausschussvorsitze zwischen den im Bundestag vertretenen Fraktionen entspricht dem Wahlergebnis und somit demokratischen Gepflogenheiten. Folglich gab es eine Einigung, wonach auch der AfD-Fraktion die ihrer Stärke entsprechende Anzahl von Ausschussvorsitzen zugesprochen wurde. Darauf, wen die AfD intern als Ausschussvorsitzende nominiert, haben die anderen Fraktionen aber natürlich keinen Einfluss. Daraus erklärt sich die Enthaltung meiner Fraktionskollegen: Einerseits macht es keinen Sinn, der AfD wieder zur gerne inszenierten Opferrolle zu verhelfen, indem man gegen die zuvor ausgehandelte Verteilung der Ausschussvorsitze stimmt. Andererseits sind mit der Personalie Boehringer erhebliche Vorbehalte verbunden, die durch die Enthaltung zum Ausdruck gebracht wurden. Das halte ich auch persönlich für eine angemessene Vorgehensweise. 

Dass die AfD im Bundestag sitzt, mag viele Menschen nicht begeistern. Muss man nicht trotzdem einen möglichst unverkrampften Umgang mit deren Abgeordneten suchen?

Dagmar Freitag: Wie das Beispiel der Besetzung der Ausschussvorsitze zeigt, setzen wir uns im parlamentarischen Rahmen so konstruktiv wie möglich mit der AfD auseinander. 

Im Moment macht es den Anschein, als sollten sie isoliert werden. Ist das so? Was glauben Sie macht das für einen Eindruck auf die Wähler der AfD? 

Dagmar Freitag: Ein reiner Isolationskurs würde der PR-Strategie der AfD, die sich selbst liebend gerne als Opfer „des Establishments“ stilisiert, nur in die Hände spielen. Mein Ansatz ist es, so weit wie möglich die inhaltliche Auseinandersetzung zu suchen, populistische Parolen zu entlarven und Widersprüche aufzudecken. Die AfD-Fraktion soll arbeiten, und wir werden uns mit dem Ergebnis dieser Arbeit auseinandersetzen. Aber man muss auch sehen, dass in den Reihen der AfD z.T. bekannte Antisemiten, Holocaust-Leugner, Rassisten und Sexisten sitzen, die die Grundwerte unserer Verfassung in Frage stellen. Das ist indiskutabel, dem müssen sich alle Demokraten gemeinsam entgegenstellen. 

Haben Sie ganz konkret Berührungspunkte zu Abgeordneten der AfD? Wie ist das für Sie? 

Dagmar Freitag: In den Plenardebatten haben wir leider schon einige Entgleisungen von AfD-Politikerinnen und -Politikern mitverfolgen müssen. Abseits der Öffentlichkeit erlebe ich die AfD-Abgeordneten auch in den Ausschüssen. Im Sportausschuss sind selbstverständlich auch Abgeordnete der AfD vertreten. Als Ausschussvorsitzende werde ich mit ihnen professionell umgehen. Da sich die Ausschüsse jedoch gerade erst konstituiert haben, ist es noch zu früh, sich hierzu zu äußern.

Was macht der Sportausschuss? 

Dagmar Freitag: Der Ausschuss hat sich gerade konstituiert und ich wurde erneut zur Vorsitzenden gewählt. Zunächst setze ich mich weiter dafür ein, dass die Sitzungen wieder überwiegend öffentlich stattfinden. Gerade mit Blick auf den Vorwurf der Populisten, „die da oben“ machten alles hinter verschlossenen Türen, könnte mehr Transparenz an dieser Stelle die Bürgerfreundlichkeit und das Demokratieverständnis fördern. Insgesamt bleibt es spannend in der Sportpolitik – zum Beispiel im Bereich der Spitzensportförderung, wo wir eine Stärkung der Belange der Athletinnen und Athleten brauchen. Aber auch mit Blick auf das Thema Sport und Integration gibt es in der vor uns liegenden Wahlperiode gewiss viel zu tun.

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