Coronavirus: Reisebüros im Ausnahmezustand

+
Nachdenklich: Elke und Peter Rohe in ihrem Reisebüro an der Lennestraße.

Altena/Neuenrade/Plettenberg – Ausnahmezustand in den Reisebüros: Der Markt bricht komplett zusammen durch die weltweite Reisewarnung. Dennoch arbeiten die Berater nonstop.

Peter Rohe, Inhaber des Reisebüros Holiday-Land an der Lennestraße in Altena, ist Optimist und Realist gleichermaßen. Er sagt: „Hoffentlich kommt bald Entwarnung. Wir müssen Zuversicht bewahren.“ 

Aber der erfahrene Touristiker sagt auch: „Seit Corona gibt es praktisch keinen Reisemarkt mehr.“ Das gelte umso mehr, da sich die Ausgangslage für Urlaubsplanungen jetzt drastisch verändert habe. Rohe meint die weltweite Reisewarnung, die das Auswärtige Amt am Dienstag ausgegeben hat. „Das hat es noch nie gegeben“, sagt Rohe. 

Reisen müssen storniert werden

Das Außenministerium hatte vor nicht notwendigen, touristischen Reisen gewarnt. Eine solche Reisewarnung spricht das Amt normalerweise nur für Kriegs- und Krisengebiete aus. Damit, erläutert Rohe, seien Reiseveranstalter verpflichtet, gebuchte Reisen zu stornieren. 

Eine Umbuchung von den Oster- auf die Herbstferien, nach der nun etliche Kunden fragen, sei nicht möglich. „Es kann ja auch noch niemand sagen, wie die Situation dann aussehen wird.“ Fest steht für Rohe: „Es wird sehr ruhig in nächster Zeit.“ 

Dem ist derzeit allerdings noch nicht so. „Unser Geschäft ändert sich aktuell im Stundentakt. Es gibt ständig neue Entwicklungen“, sagt Wolfgang Reinhardt, Inhaber des gleichnamigen Reisebüros in Plettenberg und Neuenrade. 

Notbetreuung sieben Tage die Woche

Sein Team und er würden seit der vergangenen Woche an sieben Tagen pro Woche für die Kunden mit Rat und Tat zur Seite stehen. Selbst am Sonntag gab es eine Notbetreuung. 

Wie schnell Grenzen geschlossen werden können, macht er an einem Beispiel von Sonntag deutlich: „Wir haben erfahren, dass sieben Studenten aus unserer Kundschaft in Buenos Aires sind, Argentinien aber am Montag dichtgemacht werden sollte. Dann haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit wir die jungen Leute schnell noch nach Hause holen."

"Wir arbeiten jetzt erst einmal alle Buchungen ab, die im Zeitraum bis Anfang April laufen. Was danach passiert, das kann keiner von uns zum jetzigen Zeitpunkt absehen“, erklärt der Inhaber. Wer aktuell eine Reise lediglich aus Angst stornieren möchte, die Mitte April oder später stattfinden soll, aber für die noch keinerlei Reisewarnung vorliegt, der zahle die üblichen Stornierungsgebühren, so Reinhardt. 

Vergleich mit Terroranschlägen 2011

Insgesamt merkt der Reiseexperte deutliche Unterschiede, wie die Bevölkerung mit der Coronavirus-Bedrohung umgeht: „Es gibt leider immer noch diejenigen, die den Ernst der Lage nicht erkannt haben. Großveranstaltungen werden nicht einfach abgesagt, um den Leuten den Spaß zu verderben“, mahnt er. 

So eine Situation, bezogen auf die geschäftliche Seite, habe er zuletzt nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 gehabt – allerdings „nur in Ansätzen“. Diese Krise sei deutlich weitreichender, weil sie die ganze Welt betreffe. Man könne jetzt eigentlich nur ruhig bleiben und abwarten.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus im MK  finden Sie in unserem Ticker.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare