Umfrage bei den heimischen Unternehmen

Coronavirus-Alarm: Unternehmen aus MK ziehen Konsequenzen

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Die Kostal-Konzernzentrale an der Bellmerei in Lüdenscheid.

Lüdenscheid – Die heimische Wirtschaft hat enge Verbindungen nach China. Von den Folgen der Ausbreitung des Coronavirus in der Provinz Hubei sind Unternehmen aus dem MK betroffen. Das sind sie.

  • Die Ausbreitung des Coronavirus hat Auswirkungen auf die Unternehmen im Märkischen Kreis
  • Durch das Virus sind in China schon mehr als 1.000 Menschen erkrankt
  • Zahlreiche Firmen haben Niederlassungen oder Handelspartner in China - eine Übersicht

Lüdenscheid: Kostal betreibt sechs Niederlassungen in China

Kostal, Lüdenscheid: Automobilzulieferer Kostal betreibt sechs Niederlassungen im „Reich der Mitte“ – darunter fünf Produktionsstandorte. Sie befinden sich in der Region Shanghai sowie in den Provinzen Changchun und Guiyang. 

Aus Anlass der steigenden Zahl der Virus-Erkrankten hat die Konzernleitung am Dienstag eine Mitarbeiter-Information herausgegeben, in der die Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten erläutert werden. „Wir haben beschlossen, der Marschrichtung der chinesischen Regierung zu folgen“, erklärt Kostal-Sprecher Georg Exler. 

Kostal storniert alle Reisen von und nach China - zunächst bis Ende Februar

Bis 9. Februar müssen auf Anweisung der Regierung nahezu alle Betriebe geschlossen bleiben. „Dem werden wir uns in unseren Werken anschließen“, sagt Exler. Zudem werden alle Reisen von Kostal-Mitarbeitern nach China bis Ende Februar abgesagt, storniert oder verschoben.

„Auch die chinesischen Kolleginnen und Kollegen werden nicht an globalen Meetings von Kostal teilnehmen“, erläutert der Unternehmenssprecher. Dies sei im Interesse und zur Sicherheit aller Mitarbeiter. Man werde mit den Chinesen bis Ende Februar per Telefon und über Messengerdienste in Kontakt bleiben. Die Mitarbeiter in China bittet die Konzernleitung, vorsichtig zu sein. „Das ist kein schöner Jahresanfang“, konstatiert Georg Exler. 

Lüdenscheid: Siku-Hersteller hat einen Produktionsstandort in China

Sieper GmbH, Lüdenscheid: Auch die Lüdenscheider Sieper GmbH, mit den Marken Siku und Wiking einer der weltweit führenden Spielzeughersteller, betreibt eine eigene Fabrik in Guangzhou. Auf das Auftreten des Coronavirus' hat Sieper rasch reagiert, auch wenn das Werk nicht in der am stärksten betroffenen Provinz Hubei liegt.

Werk liegt nicht in der betroffenen Provinz - bislang keine Krankheitsfälle bekannt

„Wir halten uns genau an die bereits von der Regierung erlassenen Vorschriften und Empfehlungen“, erklärt Geschäftsführerin Britta Sieper auf Anfrage. Bislang gebe es unter den Sieper-Mitarbeitern und ihren Familien keine bekannten Krankheitsfälle

Britta Sieper, Geschäftsführerin der Sieper GmbH, am Dienstag auf der Spielwarenmesse in Nürnberg.

Auch die Liefersituation sei aktuell nicht beeinträchtigt, „da in China gegenwärtig Chinese New Year gefeiert wird und unser Werk, wie jedes Jahr und wie bei den meisten Unternehmen in China, längere Betriebsferien macht“, sagt Britta Sieper, die derzeit Siku-Neuheiten auf der Spielwarenmesse in Nürnberg präsentiert. 

Lüdenscheid: ABB-Konzern trifft Sicherheitsvorkehrungen für alle Kollegen weltweit

Busch-Jaeger, Lüdenscheid: Das Lüdenscheider Unternehmen Busch-Jaeger teilte auf Anfrage mit, dass die Lage in China derzeit keine Auswirkungen auf das Geschäft von Busch-Jaeger habe. „Wir haben darüber hinaus innerhalb des ABB-Konzerns alle notwendigen Sicherheits- und Informationsmaßnahmen für unsere Kollegen weltweit getroffen“, betonte ein Unternehmenssprecher. 

Lüdenscheid: Hotset hat eigene Vertriebsgesellschaft in China

Hotset Gmbh, Lüdenscheid: Der Lüdenscheider Heizpatronenhersteller Hotset verfügt über eine eigene Vertriebsgesellschaft in Luzhi in der Provinz Jiangsu am Gelben Meer. Derzeit ruhe dort wegen der staatlich verlängerten Neujahrsferien der Betrieb, teilte Geschäftsführer Ralf Schwarzkopf mit. 

Eine für April geplante Reise einer Lüdenscheider Delegation zur Kunststoffmesse China Plast nach Shanghai steht wegen des Coronavirus allerdings auf der Kippe. Schwarzkopf: „Die Sicherheit der Mitarbeiter geht vor.“

Halver: Turck schickt Atemschutzmasken zum chinesischen Standort

Die Firma Turck in Halver hat alle Geschäftsreisen nach China abgesagt. Zum Werk in Tianjin würden Mitarbeiter aus Halver reisen. Statt Mitarbeitern schickt Turck zur Niederlassung in China nun Atemmasken. Die seien in Apotheken vor Ort ausverkauft, heißt es aus dem Unternehmen. 

Die Firma Turck hat ihren Hauptsitz in Halver.

Zudem dürften im Werk selbst nur die Mitarbeiter arbeiten kommen, die nicht außerhalb von Tianjin waren. Aktuell wird in China das Neujahrsfest gefeiert. Es wurde verlängert, so dass die Mitarbeiter erst am Montag wieder zur Arbeit gehen. Turck hat alle Vorkehrungen getroffen. „Man sollte nichts riskieren.“ 

Halver: Escha-Gruppe stoppt Geschäftsreisen nach China

Die Escha-Gruppe aus Halver hat ein Werk in Shanghai. Vonseiten der Firma heißt es ebenfalls, dass alle Geschäftsreisen nach China gestoppt wurden. Die letzte Reise fand vor Weihnachten statt, heißt es auf Nachfrage des Allgemeinen Anzeigers. Die nächsten Reisen waren für Februar geplant und finden nun nicht mehr statt. „Bis sich die Lage beruhigt hat“, sagt Dorothea Schriever, Assistentin der Geschäftsführung. 

Halver: Leoni erstellt globale Reiserichtlinie

Bei dem Unternehmen Leoni in Oeckinghausen in Halver wurde eine globale Reiserichtlinie erstellt. Für jedes Werk weltweit gilt ein Reiseverbot nach China, so der Inhalt. Davon ausgenommen seien Reisen, die „absolut notwendig“ seien, heißt es vom Pressesprecher des Unternehmens, Sven Schmidt. Die meisten Meetings werden über Telefon- oder Videokonferenzen gehalten. 

Wenn ein persönliches Erscheinen notwendig sein sollte, sind Reisen nach China erlaubt. Leoni hat mehrere Standorte in China. In der Provinz Hubei jedoch keinen. „Unser erstes Anliegen ist es, unsere Mitarbeiter zu schützen und eine Ausbreiung des Virus zu verhindern.“

Schalksmühle: Lumberg-Gruppe hat ein Werk in Shanghai

Die Lumberg-Gruppe mit ihrem Hauptsitz im Gewerbepark in Schalksmühle-Holthausen betreibt unter anderem ein Werk in Shanghai. Anfang dieser Woche habe man auf die Entwicklung dort reagiert, erklärt Pressesprecher Kai Rotthaus. „Aufgrund des derzeitigen chinesischen Neujahrsfestes erlebt das Land seine wohl größte Wanderbewegung. Rund eine Milliarde Menschen sind innerhalb des Landes unterwegs. Viele Reisende, auch aus dem Ausland, besuchen ihre Verwandten. Das wird noch eine Woche so weitergehen. Die Gefahr der Ansteckung ist deshalb sehr hoch.“ 

Die Lumberg-Gruppe aus Schalksmühle hat einen Standort in Shanghai.

Die Unternehmensführung habe beschlossen, die derzeitigen Betriebsferien der 16 Mitarbeiter – neben des belgischen Geschäftsführers arbeiten in dem Werk ausschließlich Chinesen – um eine Woche zu verlängern. „Wir hoffen, dass so die Gefahr einer Ansteckung reduziert wird und die Kollegen gesund nach Hause kommen“, sagt Kai Rotthaus. 

Schalksmühle: Günther Spelsberg hat einen chinesischen Partner

Auch das Unternehmen Günther Spelsberg mit  Sitz im Gewerbegebiet Ramsloh pflegt geschäftliche Kontakte nach China. Doch die Gefahr durch das Virus sei bei Spelsberg noch nicht spürbar, sagt Unternehmenssprecher Jörn Lindert. Man habe in China zwar einen Partner, der Produkte aus Schalksmühle regional vertreibt. Aber dieser sei nordöstlich von Peking angesiedelt und damit ein Stück weit entfernt der Stadt Wuhan in der Provinz Hubei, die als Hauptgefahrenzone gilt. Man sei „zum Glück unbetroffen“, heißt es aus dem Unternehmen. 

Schalksmühle: Die Firma Jung sieht von Reisen nach Asien ab

Auch Albrecht Jung aus Schalksmühle hat Beziehungen nach China. Laut des Presseverantwortlichen, Deniz Turgut, habe man eine Vertriebsgesellschaft als Tochterunternehmen, die ihren Sitz in Peking und Shanghai hat. „Dort gibt es die gleichen Probleme, wie derzeit überall in dem Land. Es herrscht Stillstand.“ Das sei zwar in erster Linie auf das Neujahrsfest zurück zu führen. Aber auch der Virus spiele eine Rolle. 

„Wir sind im ständigen Austausch mit den Kollegen dort. Derzeit können wir nur abwarten.“ Damit keine Schwierigkeiten nach Schalksmühle kämen, habe man sich bei Albrecht Jung dazu entschieden, in der nächsten Zeit keine Gäste aus China an der Volmestraße zu empfangen und auch keine Mitarbeiter dorthin zu schicken. „Aufgrund des Virus sehen wir momentan generell von Reisen nach Asien ab“, erklärt Deniz Turgut das Vorgehen der Verantwortlichen.

Plettenberg: Schürholz verlängert Neujahrsfest-Urlaub, CD Wälzholz streicht China-Flüge

Auch in Plettenberg zeigen sich Auswirkungen der Virus-Epidemie. So erklärte Angelo Castrignano, Geschäftsführer der Schürholz-Gruppe, dass man den eigentlich am Wochenende auslaufenden Urlaub der chinesischen Mitarbeiter zum Neujahrsfest um drei Tage verlängert habe. 

Die Betriebsferien im Schürholz-Werk in Yangzhou wurden verlängert.

Das Schürholz-Werk liegt in Yangzhou, rund 700 Kilometer von Wuhan entfernt. Auch Flüge zum Werk habe man den Mitarbeitern untersagt. Da auch Schürholz-Kunden in Wuhan ansässig seien und in der Region um Yangzhou erste Erkrankungen aufgetreten seien, agiere man sehr vorsichtig.

Auch bei der Firma CD Wälzholz, die neben dem Hauptwerk in Hagen und dem Werk in Plettenberg unter anderen auch ein Werk in Taicang bei Shanghai betreibt, hat man Konsequenzen gezogen. „Wir haben sämtliche Flüge von Europa nach China seit letzter Woche untersagt und kommunizieren bis auf weiteres nur noch per Telefonkonferenz", teilte eine Sprecherin des Unternehmens mit.  

Meinerzhagen: Otto Fuchs verzichtet auf Geschäftsreisen nach China

Auch die Firma Otto Fuchs aus Meinerzhagen hat Konsequenzen aus den Coronavirus-Fällen gezogen. Wie eine Unternehmenssprecherin mitteilte, wurden sämtliche Geschäftsreisen nach China ausgesetzt. Das Unternehmen betreibt ein Werk in Shenyang

Die Stadt liegt im Nordosten der Volksrepublik China und gilt als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum Nordostchinas. Das Fuchs-Werk in der 4,6-Millionen-Einwohner-Metropole produziere aber weiter. "Mit aller Vorsicht und Kontrolle", wie es vom Unternehmen heißt. Bislang habe man keine Kenntnis von Coronafällen im Werk. Shenyang liegt rund 1800 Kilometer von Wuhan entfernt.

Coronavirus in Deutschland: Erste Verdachtsfälle in Nordrhein-Westfalen

Das Coronavirus hat Europa und Deutschland inzwischen erreicht. Auch im Märkischen Kreis gab es bereits einen Verdachtsfall. Am Mittwoch wurden zudem Verdachtsfälle in Siegen bekannt. Die aktuellen Entwicklung zum Coronavirus gibt es in unserem News-Ticker

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