Analyse der Maßnahmen

Ausgangssperre und Co.: Wie haben sich die Maßnahmen auf die Corona-Lage im MK ausgewirkt?

Die Coronamaßnahmen seit dem 19. März im Märkischen Kreis und die Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen.
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Die Coronamaßnahmen seit dem 19. März im Märkischen Kreis und die Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen.

Seit dem 19. März gelten im Märkischen Kreis strengere Coronaschutzmaßnahmen als im Rest des Landes. Damals lag die Sieben-Tage-Inzidenz bei 204,8 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner und war die höchste in ganz NRW. Die Infektionszahlen gehen seitdem nicht nennenswert zurück. Am Mittwoch wies das Robert-Koch-Institut (RKI) für den Kreis sogar einen höheren Wert aus als zu Beginn der Verschärfungen, am Donnerstag lag er etwas darunter. Haben die Coronaschutzmaßnahmen überhaupt etwas bewirkt? Wir dokumentieren die Fragen der Redaktion und die Antworten des Märkischen Kreises.

1. Welchen Gesamteffekt haben die angeordneten Maßnahmen seit dem 19. März aus Sicht des Märkischen Kreises gebracht? 2. Welche Erwartungen hatte der Kreis an die getroffenen Maßnahmen und haben Sie sich erfüllt? 3. Hat es im MK eine Analyse gegeben, welche Maßnahmen welche Wirkung hatten? Wenn ja, was kam dabei heraus? 4. Welche angeordnete Maßnahme hatte und hat aus Sicht des Märkische Kreises den größten Effekt auf das Infektionsgeschehen gehabt? 5. Welchen Effekt hatten die Schulschließungen auf das Infektionsgeschehen? 6. Welchen Effekt hatten die Ausgangssperren bisher auf das Infektionsgeschehen? 7. Worauf ist der neuerliche Anstieg der Infektionszahlen in den vergangenen Tagen zurückzuführen? 8. Wirken die angeordneten Coronamaßnahmen nicht? 9. Oder ist der Grund, dass sich die Menschen im MK nicht an die Regeln halten?

Der Märkische Kreis beantwortet die Fragen 1 bis 9 zusammenfassend: „Ziel aller Maßnahmen ist und war eine Eindämmung des Infektionsgeschehens zu erwirken und das Gesundheitssystem vor Überlastung zu schützen. Die Maßnahmen zum Infektionsschutz wirken immer im Zusammenspiel. Sie wurden in enger Abstimmung mit dem NRW-Gesundheitsministerium erlassen. Gegen Ende März meldete der Märkische Kreis den höchsten Inzidenzwert in NRW. Der erhoffte Effekt der Maßnahmen zeigt sich an den verringerten Steigungsraten der Infektionszahlen. Ein exponentielles Wachstum wurde vermieden. Während in anderen Kreisen und kreisfreien Städten weiterhin die Infektionszahlen steigen, zeigte das Infektionsgeschehen im Märkischen Kreis zuletzt eine stagnierende Seitwärtsbewegung. Durch die ansteckendere vorherrschende Virusmutation B.1.1.7. bleibt das Infektionsgeschehen hoch und diffus. Der Krisenstab analysiert die Lage täglich und berät die notwendigen Maßnahmen. Dabei steht immer im Vordergrund, dass diese zur Lage passen und verhältnismäßig sind. Wir haben anhand der Situation und unseres Lagebildes Schritt für Schritt weitere Maßnahmen erlassen sowie dabei stets zunächst das mildere Mittel gewählt. Jede und jeder kann etwas beitragen, um die dritte Welle zu brechen. Der dringende Appell des Krisenstabs bleibt: Kontakte auf das Nötigste reduzieren, Abstands- und Hygieneregeln beachten und die kostenfreien Schnelltestangebote nutzen.“

Das sind die wichtigsten Verschärfungen im Märkischen Kreis seit dem 19. März.

  • 19. März: Kontaktbeschränkungen werden auf die private Wohnung ausgeweitet, Maskenpflicht 150 Meter rund um Schulen und Kitas
  • 24. März: Präsenzunterricht wird in allen Schulen untersagt
  • 9. April: Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr, Spazierengehen, Joggen und Radfahren erlaubt
  • 19. April: Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr, Spazierengehen, Joggen und Radfahren verboten
  • 26. April: Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr (Spazierengehen bis 24 Uhr erlaubt) gemäß Bundes-Notbremse

In wie vielen Fällen wurde eine Übertragung des Virus innerhalb der Schule oder der Kita beobachtet?

Dazu der Kreis: „Seit November sind bei unserem Gesundheitsamt rund 1000 Infizierte mit Verbindung zu Schulen oder Kitas aktenkundig geworden.“ Das heißt nicht, dass die Kinder und Schüler sich in der Schule oder in der Kita angesteckt haben. Dies ist eher die Ausnahme.

In wie vielen Fällen im MK wurde eine Übertragung im Supermarkt oder im Einzelhandel nachgewiesen?

Antwort des Kreises: „Hierzu gibt es keine belastbaren Daten.“

In wie vielen Fällen wurde eine Übertragung in der Gastronomie nachgewiesen?

Antwort des Kreises: „Hierzu gibt es keine belastbaren Daten.“

In wie vielen Fällen im MK wurde eine Übertragung in Firmen nachgewiesen?

Antwort des Kreise: Rund 200 Infizierte sind in der Statistik in Verbindung zu Firmen aufgeführt. Das bedeutet weder, dass die Übertragung bestätigt in der Firma stattgefunden hat, noch, dass es nur 200 Fälle in Firmen gab.“

Hat der Krisenstab des Märkischen Kreises Erkenntnisse, wie viele der Positivgetesteten Symptome ausbilden?

Dazu der Kreis: „Unser Gesundheitsamt führt keine Statistik über den Gesundheitszustand von Infizierten oder Kontaktpersonen. Diese sind angehalten Tagebuch über ihre Symptome zu führen und sich bei Auftreten oder Verstärkung dieser an einen Arzt und das Gesundheitsamt zu wenden. Wichtig ist, dass das Virus auch ohne Symptome übertragen werden kann.“

Wie hoch ist der Anteil der bisher typisierten Varianten?

Der Kreis antwortet wie folgt: „Proben werden typisiert, um Verbreitungen der sogenannten besorgniserregenden Virusvarianten schnell zu erkennen und zu unterbinden. Aktuell überwiegt im MK die Virusvariation die zuerst in England aufgetreten ist (B.1.1.7.). Über 95 Prozent der Proben gehen auf diesen Virustyp zurück. Vereinzelte Fälle sind auf die sogenannte südafrikanische Variante zurückzuführen.“

Wie hoch ist die Gefahr aus Sicht des Kreises, sich bei Tragen von Maske und unter Einhaltung des Abstands unter freiem Himmel anzustecken?

Der Kreis verweist auf das RKI, dazu schreibt: „Übertragungen von Sars-CoV-2 im Freien über Distanzen von mehr als 1,5 Meter und außerhalb von größeren Menschenansammlungen sind bisher nicht beschrieben. Das Einhalten eines Abstands von mindestens 1,5 Meter und die Vermeidung von größeren Menschenansammlungen werden daher auch im Freien empfohlen, um eine direkte Exposition gegenüber Tröpfchen und Aerosolen zu minimieren.“

Plant der Kreis weitere Coronaschutzmaßnahmen?

Die Antwort aus dem Kreishaus: „Aktuell nicht.“ Die Stadt Meinerzhagen reguliert allerdings Religionsgemeinschaften nun strenger - über eine neue Allgemeinverfügung.

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