Chancen in der Region so gut wie bei Volkswagen

SÜDWESTFALEN – Was VW kann, können wir auch.“ Die Fragestellung „Hochschulen als Standortfaktor – Wie begegnen wir gemeinsam dem demografischen Wandel?“ beantwortete Arndt G. Kirchhoff, Geschäftsführer des gleichnamigen Automobilzulieferers mit Sitz in Attendorn, noch am deutlichsten. Bei den Hagener Hochschulgesprächen appellierte er an die Studenten in der Fachhochschule Südwestfalen: „Bleiben Sie hier. In Südwestfalen sind die Karrierechancen genau so gut wie in Wolfsburg.“

Neben Kirchhoff, dessen Unternehmen den Umsatz im vergangenen Jahr um 7,2 Prozent auf 1,34 Milliarden Euro steigerte, war die Runde der Referenten am Montagabend prominent besetzt: Svenja Schulze, NRW-Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung, Prof. Dr. Ute Götzen, Leiterin des Bereichs Hochschulkommunikation bei der Volkswagen AG in Wolfsburg, Hagens Oberbürgermeister Jörg Dehm und FH-Präsident Prof. Dr. Claus Schuster.

Junge Menschen gut ausbilden und keine Talente verschenken, was sich das Land nicht leisten könne, Potenziale der Hochschulen nutzen und mehr Interesse für technische Studiengänge zeigen – wesentlich neue Erkenntnisse hatte die Ministerin hinsichtlich ihrer Appelle erwartungsgemäß nicht zu bieten. „Die Generation Google“, so die Ministerin weiter, „ist problematisch, weil es ihr oft an Leistungswillen fehlt“. Gerade die Naturwissenschaften bedürften der Nachhilfe. Zwar würden schon im Kindergarten die Jüngsten mit Technik vertraut gemacht, „aber die Begeisterung müssen wir über die Pubertät retten“.

Oberbürgermeister Jörg Dehm hat zwar mit einem Standort der Fachhochschule Südwestfalen, der einzigartigen Fern-Universität und der Fachhochschule für öffentli- che Verwaltung erstklassige Adressen für Bildungungseinrichtungen in seinen Grenzen, „die Wahrnehmung von außen ist aber nicht so“, bedauerte das Stadtoberhaupt. Mit Blick auf die Schul- und Hochschulpolitik mahnte Dehm eine klare und verlässliche Linie an. „Wir wurschteln uns von Schritt zu Schritt. Das müssen wir endlich hintereinander bringen.“

Was eine Marke wie VW alles kann und macht, stellte Prof. Dr. Götzen zwar ausführlich dar, aber ihr Vortrag würde den demografischen Wandel in Südwestfalen wohl eher beschleunigen, sollte der akademische Nachwuchs den Verlockungen aus Wolfsburg zu sehr erliegen. „Die Region ist uns wichtig, aber sie ist nicht alles“, umriss sie die Vorstellungen eines Weltunternehmens.

Deshalb ging Kirchhoff auch gleich in die Offensive. „Nicht nur bei VW, auch bei uns können die Absolventen promovieren.“ Die Unternehmen in Südwestfalen bräuchten zweifellos die Spitzen, aber auch die zweite und dritte Reihe. „Wir haben Jobs ohne Ende, die müssen gemacht werden.“ Hier gebe es gute Schulen, ein attraktives Freizeitangebot und kurze Wege ohne Staus. „Das Leben ist preiswert und nicht weniger lebenswert als in einer Großstadt“, warb der Geschäftsführer für ein Bleiben in der Region.- be

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