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CDU gewinnt im Wahlkreis 121 auch frühere SPD-Hochburgen

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Von: Volker Heyn, Thomas Bender, Susanne Fischer-Bolz

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Wie bei allen Wahlen der jüngeren Vergangenheit war die Zahl der Briefwähler sehr groß. In mehreren Briefwahlbezirken wurden ab 18 Uhr wie hier im Werdohler Rathaus die Stimmen ausgezählt.
Wie bei allen Wahlen der jüngeren Vergangenheit war die Zahl der Briefwähler sehr groß. In mehreren Briefwahlbezirken wurden ab 18 Uhr wie hier im Werdohler Rathaus die Stimmen ausgezählt. © Heyn, Volker

Thorsten Schick und die CDU sind die klaren Sieger im Wahlkreis 121. Nach Auszählung der Stimmen in Iserlohn, Nachrodt-Wiblingwerde, Altena und Werdohl lag der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion fast zwölf Prozent vor seiner SPD-Kontrahentin Anja Ihme.

In allen vier Kommunen des Wahlkreises hatte die CDU die Nase vorn, auch in den bisherigen SPD-Hochburgen im Lennetal. Dort hatten Sozialdemokraten bei der Landtagswahl 2017 gewonnen.

Thorsten Schick blickte am Wahlabend mehr nach Düsseldorf als in seinen eigenen Wahlkreis. „Die Wähler haben klar entschieden, dass die Geschicke des Landes zukünftig schwarz-grün gesteuert werden sollen“, sagte er. Eine rechnerisch ebenfalls mögliche Ampelkoalition zwischen SPD, Grünen und FDP ist in seinen Augen keinen Option: „Die SPD hat erneut ein historisch schlechtes Ergebnis eingefahren. Eine rot-grün-gelbe Koalition wäre nicht die richtige Antwort darauf“, sagte er. Berührungsängste zu den Grünen hat der Iserlohner nicht. Die CDU habe in der letzten Legislaturperiode, in der sie zusammen mit der FDP im Landtag nur eine Stimme Mehrheit hat, ihre Konsensfähigkeit unter Beweis gestellt.

Ihme möchte bei der nächsten Wahl wieder antreten

Anja Ihme (SPD) akzeptierte ihre Wahlniederlage und zeigte sich enttäuscht: „Ich hatte für mich persönlich mit einem anderen Wahlausgang gerechnet. Mein Ergebnis ist auch hinter meinen eigenen Erwartungen zurückgeblieben.“ Sie habe sich weniger oder vielleicht keinen Abstand zwischen Schick und sich gewünscht: „Ich bin enttäuscht, dass mein Ergebnis nicht dem entspricht, was ich an den Türen und in den Städten in meinem Wahlkreis persönlich wahrgenommen habe.“ Als Seiteneinsteigerin sei sie zufrieden gewesen, zwischenzeitlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen bestritten zu haben. „Aber ich möchte gerne weitermachen, ich würde bei der nächsten Landtagswahl wieder kandidieren wollen.“ Immerhin liege sie ganz knapp über dem Landesergebnis: „Das baut mich etwas auf.“ Es könne sein, dass das Wählermilieu der SPD sich durch den Krieg und damit verbundene Existenzängste in der „größten Krise“ befinde.

John Haberle, Grünen-Kandidat aus Iserlohn, fühlt sich wie ein Wahlgewinner: „Wir freuen uns wie verrückt über das gute Ergebnis im Land.“ Mit seinem persönlichen Abschneiden sei er „glücklich“ , er habe einen schönen und angenehmen Wahlkampf erlebt. Im Wahlkreis wie im Land sei es zu einem Zweikampf zwischen CDU und SPD gekommen, darunter hätten die kleineren Parteien gelitten. CDU und Grüne hält er für die Landesregierung nicht zwingend gesetzt. Die CDU habe 35 Prozent bekommen, deren Wähler wünschten sich sicherlich eine Alleinregierung. Die Wähler der Grünen wünschten sich, dass möglichst viele Inhalte in der Regierung vertreten seien. Die Bürger hätten aber nicht schwarz-grün gewählt. Deshalb könnten die Grünen „selbstbewusst und hart“ mit CDU und SPD verhandeln. „Wir schauen, wer uns mehr bieten kann.“ Er persönlich würde am liebsten mit der SPD koalieren: „Mein grünes Herz schlägt links.“

„Schwere Niederlage“ für die FDP

Alexander Lilienbeck bezeichnet das Abschneiden der FDP und sein persönliches Ergebnis als „schwere Niederlage“. „Das schmerzt, weil ich selber viel Zeit und Kraft in den Wahlkampf gesteckt habe.“ Er wisse nicht, warum die FDP ihre Themen nicht beim Wähler platzieren konnte. Die Zweitstimmenkampagne der CDU sei zu Lasten der FDP gegangen. Landesthemen hätten im Wahlkampf kaum eine Rolle gespielt, da sei es viel mehr um die Waffenlieferungen an die Ukraine gegangen. Bundesthemen hätten den Wahlkampf „absolut dominiert“.

Für eine Außenseiterin konnte Petra Triches, die für die Freien Wähler angetreten ist, ein gutes Ergebnis erzielen – zumindest in ihrer Heimatgemeinde Nachrodt-Wiblingwerde, wo sie auf Platz 3 landete, im Wahlkreis reichte es aber nur für 1,73 Prozent. „Ich bin zufrieden“, sagt Petra Triches, „da ich mich sehr kurzfristig für eine Kandidatur entschieden hatte. Ich dachte, ich versuche es mal. Ganz besonders deshalb, um aus diesem Verkehrs-Dilemma herauszukommen.“ Ihr Chef werde sich freuen, dass sie nicht in den Landtag einziehen werde. „Der hatte schon Sorge“, so die Brenscheiderin, die hofft, dass das märkische Sauerland jetzt mehr in den Fokus der Landespolitik rücken wird.

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