Wahlkreis 150: SPD-Kandidatin fordert Neubewertung der Energiepolitik

Dagmar Freitag sieht in Bildungspolitik wichtigen Schwerpunkt

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Prominente Wahlkampfunterstützung: Martin Schulz kam im August in Dagmar Freitags Wahlkreis und sprach bei einer Betriebsversammlung der Post.

Lennetal - „Es geht nicht nur um Medaillen“. Das sagt Dagmar Freitag, wenn man sie als Vizepräsidentin des Deutschen Leichtathletikverbandes auf der Abschneiden der Deutschen Läufer Springer und Werfer anspricht. An sich selbst stellt sie allerdings ganz andere Ansprüche.

Erklärtes Ziel der SPD-Kandidatin ist es, am 24. September auf dem Treppchen ganz oben zu stehen, also den Wahlkreis 150 wieder direkt zu holen.

1994 zog Dagmar Freitag erstmals in den Bundestag ein – damals noch über die Reserveliste ihrer Partei. Seit 1998 holte sie fünf Mal das Direktmandat im Wahlkreis 150. Das ist nicht selbstverständlich, ist die Region doch im Kern eher konservativ. 

Hauchdünner Vorsprung 2013

Bei der Wahl im Jahr 2013 kam die SPD in ihrem Wahlkreis auf 32,2 Prozent der Zweitstimmen, 41,69 Prozent der Erststimmen entfielen auf Dagmar Freitag. Die zweite Stelle hinterm Komma ist wichtig, weil Freitags Vorsprung vor der CDU-Bewerberin Christel Voßbeck-Kayser damals hauchdünn ausfiel. 

Natürlich liest auch Dagmar Freitag Umfragen und Hochrechnungen: „Die Ausgangslage ist schwieriger denn je“, weiß sie und gibt auch zu bedenken, dass der Anteil der noch unentschlossenen Wähler immer größer wird. Folgerichtig bemüht sie sich, mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen. 

Ab 15 Uhr werden deshalb Klinken geputzt, und das möglichst täglich. Es freut sie, wenn sich Türen öffnen und die Menschen sie sofort erkennen und sie auch wertschätzen. Das tröstet auch über Frustmomente hinweg. 

Kein Zuckerschlecken

Mal ist die Darstellung in den Medien nicht so, wie sie sich das erhofft hatte, mal fehlt es an Unterstützung der Genossen vor Ort – dieser Wahlkampf ist offenbar kein Zuckerschlecken. „Ich bin Sozialdemokratin, und das aus Überzeugung“ antwortet sie auf die Frage, warum die SPD auf ihrem Wahlkampfbus nicht auftaucht, sondern nur ihr eigenes Konterfei. 

Einerseits mache sie Wahlkampf für die SPD, andererseits führe sie daneben aber auch eine Erststimmenkampagne, erklärt sie. Die zurückliegenden Wahlen hätten gezeigt, dass sie auch Stimmen von Menschen bekomme, die ihre Stimme splitten – „um die kämpfe ich mit einer eigenen Kampagne“. 

20 Jahre Bundestag, davor als Lehrerin im Staatsdienst – eigentlich hat die 64-Jährige ausgesorgt. Warum sie noch mal antritt? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Es macht mir immer noch Spaß“. Wobei sich das mehr auf die Arbeit vor Ort bezieht, aus der sie Kraft schöpft. 

Koalitionen sind Zweckbündnisse

Die Arbeit in Berlin sei natürlich in den vergangenen vier Jahren dadurch geprägt gewesen, dass die SPD Juniorpartner in der großen Koalition war. Wenn die Zusammenarbeit mit der CDU nach der Wahl fortgesetzt würde, bräche für Dagmar Freitag keine Welt zusammen: Koalitionen seien Zweckbündnisse. Ob sie funktionieren, hänge von Funktionsträgern wie den Fraktionsvorsitzenden oder den Fraktionsgeschäftsführern ab. 

Professionell und „überwiegend verlässlich“ sei der Umgang miteinander gewesen, lobt die Abgeordnete und betont, dass die SPD in dieser Konstellation wesentliche Ziele erreicht habe – zum Beispiel die Einführung des Mindestlohns, was sie „sehr bemerkenswert“ findet, weil sich CDU und CSU lange dagegen gesträubt hätten. 

Ganz wichtig ist ihr auch das Thema Bildung – die Abschaffung des Kooperationsverbotes (es verhinderte, dass Bundesmittel in die Bildung flossen) ist in ihren Augen eine der wichtigsten Entscheidungen der letzten Legislaturperiode gewesen. 

Die Zukunftsthemen

Bildung und Bildungsgerechtigkeit seien wichtige Zukunftsthemen, sagt die Kandidatin und sieht sich darin auch durch viele Gespräche bestätigt, die sie (nicht nur im Wahlkampf, wie sie betont) mit mittelständischen Unternehmern in der Region führt und bei denen es auch um die Probleme geht, die es bei der Suche nach Auszubildenden gibt.

„Wir müssen mehr denn je darauf achten, jedem Kind die bestmögliche Qualifikation zukommen zu lassen“, betont die Politikerin. Das müsse schon im Kindergartenalter beginnen: „Wenn ein Kind in die Grundschule kommt, dann muss das die deutsche Sprache beherrschen.“ 

Neubewertung der Energiepolitik

Stichwort Unternehmensbesuche: Immer wieder höre sie dort Klagen über die hohen Energiepreise und die damit verbundenen Wettbewerbsnachteile, berichtet Dagmar Freitag und bedauert, dass der einst von der Regierung Schröder mit den Energiekonzernen ausgehandelte Fahrplan zum Atomausstieg von Angela Merkel zunächst aufgekündigt worden sei. 

Nach der Atom-Katastrophe von Fukushima habe die Kanzlerin dann zum zweiten Mal die Rolle rückwärts gemacht und im Alleingang den Atomausstieg befohlen – mit Konsequenzen, die sie „den Wählern nicht mehr erklären könne“, sagt Freitag und spielt damit auch darauf an, dass die relativ sauberen Enervie-Kraftwerke geschlossen werden, während die umwelttechnisch hoch problematischen Braunkohlekraftwerke im Rheinland mit Volllast weiterlaufen. Es müsse deshalb nach der Wahl zwingend zu einer Neubewertung der Energiepolitik kommen, fordert die Iserlohnerin. 

Abgesichert über die Reserveliste

Da sie auf der SDP-Reserveliste gut abgesichert ist, wird Dagmar Freitag dem nächsten Bundestag wohl auch dann angehören, wenn die Sache mit dem Direktmandat nicht klappt. 

Auch in der kommenden Legislaturperiode werde ihr Schwerpunkt möglichst auf der Außenpolitik liegen, sagt sie. Sie würde gerne weiter an der Spitze der deutsch-amerikanischen Parlamentariergruppe stehen, weil sie diese Arbeit nicht trotz, sondern wegen Donald Trump für bedeutsam hält: „Wichtiger denn je“ sei es, die Kontakte auch zu den gemäßigteren Republikanern des US-Kongresses zu pflegen, meint sie. 

Ein zweites, wichtiges Aufgabenfeld sieht sie in Afrika, besonders zum Süden des Kontinents hat sie Verbindungen. Sie begleite da eine Vielzahl von Projekten insbesondere im Bildungsbereich, berichtet sie. Und dann ist da noch der Sport. 

Nicht nur nach Medaillen schielen

Dagmar Freitag ist auch Vorsitzende des Sportausschusses, der sich auch mit der Förderung des Spitzensports beschäftigt. Ob die ausreichend sei? 

Freitag berichtet von den sich zäh gestaltenden Versuchen, die Richtlinien zu reformieren und warnt dann Gesellschaft und Medien davor, nur nach den Medaillen zu schielen: Es sei schon eine gute und anerkennenswerte Leistung, wenn junge Sportler sich für internationale Turniere qualifizierten – vor allem vor dem Hintergrund, dass Spitzenplätze und Rekorde in der Vergangenheit allzu oft mit Doping im Zusammenhang gestanden hätten.

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