Brustimplantate: Klinikum warnt vor Panik

MÄRKISCHER KREIS - „Ruhe bewahren und das Gespräch mit dem Arzt suchen.“ Nach dem Skandal um minderwertige Brustimplantate der Firmen PIP und Rofil sieht Dr. Hadrian Schepler, Direktor der Klinik für Plastische-, Rekonstruktive- und Ästhetische-Chirurgie in Hellersen, keinen Grund zur Hysterie, da Produkte dieser Hersteller im Klinikum nicht verwendet würden.

Auf 50 000 bis 100 000 Operationen schätzt Dr. Schepler das jährliche Aufkommen, im Klinikum sind es gerade einmal 20 bis 25 kosmetische Eingriffe. Hinzu kämen medizinische Indikationen, zum Beispiel nach Brustkrebs oder bei Deformitäten. Alle Patientinnen erhielten im Klinikum einen Implantatausweis mit dem Namen des Herstellers. Durch die umfangreiche Dokumentation im Krankenhaus seien die Eingriffe auch in den OP-Büchern und Akten vermerkt.

Mit zwei Firmen, die Implantate vertreiben, stehe das Klinikum in Verbindung. Die seien zertifiziert und würden keine Produkte der beiden Hersteller von Billigimplantaten liefern.

Dass Bausilikon nichts im menschlichen Körper zu suchen hat, steht für den Mediziner außer Frage. „Schließlich werden auch die Fugen im Bad nach ein paar Jahren rissig.“ Vergleichbares vollzieht sich nach den Brustoperation, wenn statt des medizinischen Silikons das Billigmaterial verwendet wurde. Bei zahlreichen Kissen sind inzwischen Risse aufgetreten – das Silikon soll sich in den Körpern der betroffenen Frauen verteilt haben. Kritiker fürchten, der Stoff könnte krebserregend sein. Ein wissenschaftlicher Nachweis dafür fehlt allerdings.

Unabhängig von der jetzt aufgeflammten Diskussion rät Dr. Schepler, nach zehn bis 15 Jahren über einen Austausch der Implantate nachzudenken. „Auch sie unterliegen wie künstliche Hüft- oder Kniegelenke einem Alterrungsprozess.“ Wir besprechen dann in Ruhe mit den Patientinnen, welche Form und Größe ideal ist. Dabei gehe es nicht um die luxuriöseste, sondern um die verlässlichste Variante. Die heute verwendeten Implantate hätten im Vergleich zu früheren Materialien an Festigkeit gewonnen. „Die bleiben wie ein Wackelpudding stehen.“ Nach wie vor seien Brustvergrößerungen, und darum gehe es bei den kosmetischen Eingriffen, ein heikles Thema. Vorstellungen und Realität drifteten oftmals weit auseinander. „Wir sagen den Patientinnen, was geht und was nicht geht. Die Hochglanzbilder in Zeitschriften sind in der Regel reine Illusion.“ Für jede Operation würden dann die Implantate individuell bestellt. Der Eingriff dauere etwa eine Stunde, nach einem Tag könne die Patientin das Klinikum wieder verlassen.

Angesichts der vergleichsweise geringen Zahl an kosmetischen Operationen halte sich auch die Zahl besorgter Anruferinnen in engen Grenzen, so Dr. Schepler. Gerade einmal fünf Frauen hätten zum Hörer gegriffen und sich über mögliche Folgen informiert. „Das dürfte in den Schönheitskliniken in Düsseldorf anders aussehen. Da dürften in den vergangenen Tagen vermutlich die Drähte geglüht haben.“ - be

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