„Brot und Butter“ aus Europa

SIHK-Hauptgeschäftsführer Hans-Peter Rapp-Frick (l.) und Fachbereichsleiter Rudolf Wittig stellten die Umfrage vor.

MÄRKISCHER KREIS – Rettungsschirm, Schuldenexplosion, Euro-Krise und Rezession – die Nachrichtenlage ist zu Beginn des Jahres alles andere als erbaulich. Um so überraschender war es gestern für Hans-Peter Rapp-Frick, Hauptgeschäftsführer der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen (SIHK), dass sich die Stimmung in den heimischen Unternehmen verbessert hat.

Nach einer Umfrage floriert der Export, ist der Arbeitsmarkt robust und die Lagebeurteilung auf hohem Niveau außerordentlich gut.

Während Ende September der Ausblick auf die wirtschaftliche Entwicklung noch skeptisch gewesen sei, habe es Ende des Jahres einen spürbaren Wandel gegeben. „Trotz zahlreicher Risiken rechnen die Unternehmen nicht mit einem gravierenden Einbruch, sondern sind zuversichtlich, dass sich die positive Geschäftsentwicklung, wenn auch abgeschwächt, im weiteren Verlauf des Jahres fortsetzen wird.“ Der aktuelle Grund für den Optimismus ergibt sich aus den Geschäftsbüchern. Die Umsätze sind gestiegen, die Erträge haben sich deutlich verbessert und die Liquiditätslage ist entspannt, so Rapp-Frick. Unter einer Kreditklemme wie in der Zeit der Finanzkrise litten heute keine Unternehmen, sondern Schuldenstaaten. An der Winterumfrage der Kammer beteiligten sich 228 Betriebe mit rund 34 000 Beschäftigten. Der Anteil aller Befragten, die von einer guten Geschäftslage berichten, ist zwar von 59 auf 53 Prozent gesunken, aber gleichzeitig rechnen jetzt 21 Prozent gegenüber 14 im Herbst des Vorjahres mit einer Verbesserung im laufenden Jahr, während nur noch jeder Fünfte eine weitere Abkühlung der eigenen Geschäftsentwicklung befürchtet.

Bei einer Produktionskapazität von 85 Prozent herrsche Vollauslastung, so Rapp-Frick. Die Industrieumsätze im Märkischen Südwestfalen reichten bis November 2011 fast an das Rekordniveau aus 2008 heran und seien mit fast 17 Prozent deutlich stärker als in Land und Bund mit knapp zwölf Prozent gestiegen. „Die Arbeitsproduktivität konnte seit der vergangenen Krise sogar weiter gesteigert werden.“ Während es in diesem Zeitraum gerade bei den in Südwestfalen stark vertretenen Automobilzulieferern große Probleme gegeben habe, sei die Situation jetzt umgekehrt. „Es läuft richtig gut.“

Für 90 Prozent der heimischen Betriebe zähle die Euro-Zone zum Absatzgebiet. Und 34 Prozent erwarteten weiter steigende Auslandsumsätze. „Das ist eine eindrucksvolle Sache.“ Allerdings warnte der Hauptgeschäftsführer beim Blick auf die finanzielle Lage Italiens und Spaniens allein den Focus auf das Sparen zu richten. „Das ist zweifellos unerlässlich, aber die Wirtschaft darf dadurch nicht abgewürgt werden.“ Sonst bricht der Export in diese wichtigen Abnehmerländer weg. Von all den negativen Meldungen aus den Euro-Staaten ließen sich die Betrieb bisher aber nicht anstecken. Die Märkte in den USA, China und Asien seien zwar stabil, aber für die heimischen Unternehmen liefere noch immer Europa „Brot und Butter“.

Ebenso zufrieden wie die Industrie ist nach der Umfrage auch der Handel: „Das Kaufverhalten im Schlussquartal 2011 sowie insbesondere im Weihnachts- und Jahresendgeschäft war, bis auf witterungsbedingte Ausfälle, für den südwestfälischen Handel ausgesprochen zufriedenstellend. Bundesweit hat die Branche im letzten Jahr ein Plus von etwa drei Prozent erzielt. Der Klimaindex erreicht im Einzelhandel mit aktuell 137 Punkten ein Allzeithoch. 2011 war auch für den Großhandel in der Region ein insgesamt erfolgreiches Jahr.“ Die stabile Lage auf dem Arbeitsmarkt habe auch den Konsum der Menschen beflügelt.

Die Betriebe setzten bei der aktuellen Auslastung verstärkt auf Neueinstellungen. Rapp-Frick: „Die deutsche Wirtschaft hat gute Chancen, dem Abschwung in den europäischen Staaten erfolgreich zu trotzen. Wir sollten keine Rezession herbei reden.“ -be

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