Blutspendedienst: Zwei Gewerkschaften im Boot

Der Blutspendedienst wirbt immer wieder für Blutspenden, die dringend benötigt werden. Durch jeden Streiktag fehlen jeden Tag hunderte von Litern.

MÄRKISCHER KREIS ▪ Nach den Erfahrungswerten, die der Blutspendedienst West des DRK gesammelt hat, sind es fast 300 Blutspenden, die allein in Menden und Hemer an den vergangenen beiden Tagen nicht erfolgen konnten. Ursache war der Streik, zu dem die Gewerkschaft Verdi ihre Mitglieder aufgerufen hat. Gestern fielen in NRW insgesamt 16 Blutspendetermine deswegen aus.

Hintergrund des Streiks ist ein schon seit Monaten andauernder Tarifstreit. Das Ziel von Verdi ist ein Tarifvertrag mit dem Arbeitgeber, der den gleichen Inhalt hat wie der für den öffentlichen Dienst in kommunalen Krankenhäusern, erklärte Verhandlungsführer Wolfgang Krämer auf Anfrage unserer Zeitung. Seiner Auffassung nach seien Mitarbeiter des Blutspendedienstes deutlich schlechter gestellt als in vergleichbaren anderen Bereichen: „Wir kämpfen für den Verdi-Tarifvertrag.“

Etwa ein Drittel der Mitarbeiter des Blutspendedienstes sind nach dem bisher geltenden Vertrag mit Verdi beschäftigt. Dies erklärten auf Anfrage Friedrich-Ernst Düppe, Pressesprecher DRK-Blutspendedienst West gGmbH, und Hans-Joachim Bondzio, der als Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft DHV auch für deren Schwester-Gewerkschaft Medsonet spricht. Diese vertritt die Interessen von rund 60 Prozent der mehr als 950 Beschäftigten des Blutspendedienstes West. Medsonet habe, so Bondzio, auf Wunsch der Beschäftigten mit dem Blutspendedienst einen Haustarifvertrag abgeschlossen, der auf die spezielle Arbeitssituation der Mitarbeiter ausgerichtet sei.

Schon im Juni hat Medsonet eine Presserklärung herausgegeben, in der die Konkurrenzgewerkschaft Verdi beschuldigt wird, einen Machtkampf auf dem Rücken der Mitarbeiter auszutragen. Die Aufforderung, den Tarifvertrag mit Medsonet zu kündigen und stattdessen mit Verdi abzuschließen, käme einer Einkommensverschlechterung gleich. Bis zu 25 Prozent höher seien die Einkommen bei den DHV- und Medsonet-Verträgen als bei denen mit Verdi. Die große Konkurrenz-Gewerkschaft strebe eine Alleinherrschaft beim Blutspendedienst an, „zu Lasten der Mitarbeiter“, erklärte Medsonet.

Für ehrenamtliche DRKler wie Rosemarie Roder vom Sozialen Arbeitskreis des DRK in Schalksmühle ist dieser Machtpoker ein Ärgernis. Sie organisiert die Blutspendetermine in Schalksmühle und meint, die Streiks gingen zu Lasten der Patienten und der Ehrenamtlichen.

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