Kompliziertes Lügen-Konstrukt

Betrug im Vier-Phasen-System: Täter mit allen Wassern gewaschen

Betrüger, die mit allen Wassern gewaschen waren, haben mit einem Konstrukt aus Lügengeschichten versucht, eine Seniorin auszunehmen. Die Polizei warnt vor Betrug im Vier-Phasen-System.

Märkischer Kreis - Erst falsche Enkelin, dann falsche Polizeibeamte - so fasst die Polizei im Märkischen Kreis das Vorgehen von hinterlistigen Betrügern zusammen. Diese schrecken demnach nicht davor zurück, mehrere fiese Maschen zu kombinieren.

KreisMärkischer Kreis
Bevölkerung414.886 (2016)
HauptstadtLüdenscheid

Sie sitzen laut Polizei möglicherweise nebeneinander in einem Call-Center im Ausland, um sich die Bälle gegenseitig zuzuspielen - ihre Rollen: : Anwälte, Notare, Gericht, Polizei. „Die Trickbetrüger sind mit allen Wassern gewaschen und bauen umfassende Lügengeschichten“, warnt die Polizei einmal mehr vor den schlechten Theaterstücken mit bösen Folgen..

Der Betrug im Vier-Phasen-System, wie die Polizei im Märkischen Kreis das Vorgehen nennt, wurde nicht zum ersten Mal angewendet - am Mittwoch in Iserlohn allerdings ohne Erfolg.

Betrugsversuch im Vier-Phasen-System: Polizei erklärt das Vorgehen der Täter am Beispiel aus Iserlohn

Phase 1: Gegen Mittag meldete sich der Polizei zufolge eine Frau bei einer 85-jährigen Iserlohnerin am Telefon. „Überraschung, die Enkelin ist dran.“ Ihre veränderte Stimme erklärte die Anruferin mit einer Erkältung. Die 85-Jährige glaubte ihr. Natürlich kam die Anruferin sofort auf Geld zu sprechen, so die Polizei weiter. Sie brauche 25.000 Euro. So viel hatte die Seniorin zwar nicht, doch sie lud ihre „Enkelin“ für den Nachmittag ein, um darüber zu sprechen. Darauf ging die Betrügerin offenbar zum Schein ein, heißt es.

Die Polizei im Märkischen Kreis warnt vor Betrügern, die im Vier-Phasen-System Senioren um ihr Erspartes bringen.

Phase 2: Kaum ist das Gespräch beendet, klingelt erneut das Telefon. Diesmal meldet sich ein angeblicher Kriminalbeamter. Er behauptet, dass Senioren im Raum Dortmund vermehrt Anrufe von Enkeltrickbetrügern bekämen. Die Frau berichtet von dem vorhergehenden Anruf. Zum Beweis, dass er wirklich bei der Polizei arbeitet, lässt der Betrüger die Frau noch im laufenden Gespräch die 110 wählen. Damit wird natürlich keine neue Verbindung zur echten Polizei aufgebaut, sondern das alte Gespräch aufrechterhalten, weist die Polizei im MK auf einen weiteren fiesen Trick hin.

Betrugsversuch im Vier-Phasen-System: Das sind die Phasen drei und vier

Phase 3: Mit Phase 3 kommt auch Betrüger Nummer 3 ins Spiel, wie die Polizei weiter berichtet. Denn ein weiterer falscher Polizeibeamter meldet sich. Er tut so, als verbinde er mit dem letzten Gesprächspartner der Seniorin. Dem gibt die Seniorin nun Auskunft über ihre Vermögensverhältnisse. Als die falsche Enkelin nicht wie erwartet am Nachmittag an der Tür steht, wird sie misstrauisch. Die Seniorin wählt erneut die 110 - und landet nun natürlich bei der echten Polizei.

Die leitet entsprechende Maßnahmen ein und gibt der Seniorin Verhaltensregeln an die Hand. In ihrer Mitteilung betont die Polizei einmal mehr: „Die echten Polizeibeamten nehmen kein Geld in ‚sichere Verwahrung‘. Denn das würde die echte Polizei NIE tun - im Gegensatz zu den falschen Polizisten, die in Phase 4 einen Abholer schicken und abkassieren würden.“

Telefon-Betrüger im Märkischen Kreis bei Senioren mehr als 40 Mal erfolgreich

Im vergangenen Jahr waren die Enkeltrickbetrüger, falschen Polizeibeamten und Gewinnspielbetrüger im Märkischen Kreis mindestens 40-mal bei Senioren erfolgreich und ergaunerten so 379.000 Euro. „Zurück bleiben völlig verunsicherte Senioren. Ihre Scham ist groß. Die Polizei geht davon aus, dass gar nicht alle Betrugsfälle angezeigt wurden“, berichtet die Polizei. In Plettenberg etwa kassierten Enkeltrick-Betrüger kürzlich ab und flüchteten mit Taxi und Zug.

Die Polizei hat viele wichtige Hinweise für Menschen, die von Betrügern angerufen werden könnten. Wir geben diese hier im Wortlaut wieder:

  • Die Betrüger durchsuchen Telefonverzeichnisse nach älter klingenden Vornamen: Eine Wilhelmina muss also eher mit betrügerischen Anrufen rechnen als eine Xenia. Deshalb sollten Senioren besser ihre Vornamen im Telefonbuch streichen lassen oder zumindest nur abkürzen. Eine Alternative wäre, ganz auf einen Eintrag zu verzichten.
  • Lassen Sie sich erst gar nicht auf solche Anrufe ein! Verwandte sollen sich mit ihrem Namen nennen und keine Ratespielchen veranstalten nach dem Muster „Hallo Omi, rat mal, wer hier ist!“ Es ist dann nicht unfreundlich, direkt aufzulegen.
  • Wenn die echte Polizei anruft, erscheint NIE die 110 im Display. Wollen Sie nach Anrufen die Echtheit prüfen oder Anzeige erstatten, beenden Sie das erste Gespräch, legen auf und zählen langsam bis 5. Erst dann wählen Sie die 110!
  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Lassen Sie sich nicht zum „Stillschweigen“ verdonnern.
  • Die echte Polizei nimmt weder Geld noch Wertsachen in Verwahrung. Sie veranlasst auch niemanden, Geld vom Konto abzuheben, um es dann in einem Plastikbeutel an die Mülltonne zu stellen!
  • Legen Sie sich eine Liste mit den wichtigsten Rufnummern neben das Telefon. So können Sie echte Enkel, Neffen, Freunde oder Nachbarn befragen oder um Hilfe bitten.
  • Lassen Sie keine Fremden in Ihre Wohnung!

Rubriklistenbild: © Martin Gerten / dpa

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