Auslandspraktika gewinnen an Bedeutung

SÜDWESTFALEN – Wenn angehende Köche aus Wittgenstein in einem Schweizer Hotel hinter die Kulissen schauen dürfen, Werkzeugmechaniker aus Finnentrop die innerbetrieblichen Prozesse im polnischen Tochterunternehmen kennen lernen oder die junge Industriekauffrau eines metallverarbeitenden Unternehmens in Meinerzhagen für vier Wochen Vertriebserfahrung auf Malta sammelt, dann profitieren Auszubildende und Ausbildungsbetriebe gleichermaßen.

Auslandspraktika in oder nach der Lehre vermitteln schließlich mehr als nur Fachwissen, Sprachkenntnisse und interkulturelle Erfahrungen für die Praktikanten selbst. Mit den erworbenen Kompetenzen sind junge Menschen ohne Zweifel insbesondere in international aufgestellten Unternehmen besser einsetzbar, so die Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK). Es gibt aber noch weitere gute Gründe, den Nachwuchs einmal für eine begrenzte Zeit „von der Leine“ zu lassen, wie IHK-Hauptgeschäftsführer Franz J. Mockenhaupt betont: „Unternehmen, die ihren Nachwuchskräften frühe internationale Erfahrungen ermöglichen, gewinnen dadurch deutlich an Attraktivität. Dies gilt insbesondere auch im Hinblick auf potenzielle Lehrstellenbewerber – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal im zunehmend härter werdenden Wettbewerb um die zukünftigen Fachkräfte.“

Seit knapp drei Jahren unterstützt die IHK mit wachsendem Erfolg tatkräftig Auslandspraktika für Auszubildende und junge Fachkräfte. Die eigens eingerichtete Servicestelle registrierte allein im vergangenen Jahr 76 im Ausland absolvierte Ausbildungsabschnitte, 2010 waren es noch rund 50. Die Servicestelle hilft interessierten Betrieben bei allen organisatorischen Fragen rund um ein Auslandspraktikum. Insgesamt wurden 2011 mehr als 100 Unternehmensvertreter beraten, hinzu kamen noch einmal etwa 60 Auszubildende und Fachkräfte. „Ein wichtiger Punkt ist auch die Finanzierung – vor allem für Auszubildende gibt es gute Chancen, ein entsprechendes Stipendium zu erhalten“, erläutert Jutta Rathmann, Mobilitätsberaterin der IHK. Rund 60 000 Euro an Fördermitteln – größtenteils aus dem europäischen Programm für lebenslanges Lernen – flossen allein 2011 in die durch die IHK Siegen unterstützten Mobilitätsmaßnahmen.

Der englischsprachige Raum ist nach wie vor besonders beliebt, aber auch etwas „exotischere“ Länder wie zum Beispiel Island oder Finnland waren im vergangenen Jahr dabei. Es sind längst nicht nur die großen Industriebetriebe, deren Azubis Auslandsluft schnuppern dürfen – auch kleinere Firmen erkennen zunehmend den Nutzen solcher Auslandsaufenthalte. Nicht zuletzt auch das wachsende Engagement der Berufskollegs erleichtert für viele Auszubildende den Schritt ins Ausland.

Bereits drei Berufskollegs im Kreis Siegen-Wittgenstein organisieren erfolgreich eigene Austauschprojekte. In den Gastronomieberufen besteht die Möglichkeit, nach Frankreich (Berufskolleg Allgemeingewerbe, Hauswirtschaft & Sozialpädagogik) oder in die Schweiz (Berufskolleg Wittgenstein) zu gehen, für angehende Kaufleute hat das Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung in Siegen als Europaschule Projekte mit verschiedenen europäischen Ländern im Angebot und arbeitet stetig an der Ausweitung seiner Kontakte.

Für dieses Jahr erhofft sich die IHK Siegen eine Stabilisierung oder gar Steigerung der Teilnehmerzahlen an Auslandsmaßnahmen. Zusätzlich wird an einem eigenen Projekt gearbeitet, das insgesamt 15 Auszubildenden aus dem Kammerbezirk vierwöchige Aufenthalte in Großbritannien ermöglichen soll.

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