Ditib kündigt abendliche Schließung von Moscheen an

Ausgangssperre im MK: Muslime dürfen im Ramadan auch nachts in die Moschee

Ramadan
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Wie findet Ramadan 2021 in Zeiten des Coronavirus statt? (Symbolbild).

Muslime dürfen während der Fastenmonats Ramadan nach 21 Uhr in der Moschee zur Religionsausübung zusammenkommen. Auch der nächtliche Weg zur Moschee stellt demnach einen triftigen Grund dar. Das hat der Märkische Kreis am Montag klargestellt und damit die eigene Aussage vom vergangenen Freitag kassiert.

Update vom 13. April, 15.17 Uhr: Mehrere Ditib-Moscheegemeinden im Märkischen Kreis haben angekündigt, auch während des Ramadan die Moschee ab 21 Uhr zu schließen. Das bestätigte Göksal Ücüncü, Vorsitzender der Moscheegemeinde in Lüdenscheid, auf Anfrage. Damit wolle man einen Beitrag zur Eindämmung des Corona-Infektionsgeschehens leisten. Die Regelung gilt für die Ditib-Moscheen in Lüdenscheid, Werdohl, Balve und Hemer. Weitere Moscheegemeinden könnten nachziehen. Die Schließung der Moscheen ist unabhängig von der Gültigkeit der Ausgangssperre im MK. Sie war am Dienstag vom Verwaltungsgericht Arnsberg gekippt worden.

In einer am Montag verbreiteten Mitteilung führt der Märkische Kreis aus: „Der Fastenmonat Ramadan beginnt für viele Muslime im Märkischen Kreis am Dienstag, 13. April. Durch die Corona-Pandemie ist auch in diesem Jahr vieles anders als gewohnt.“ Der Kreis appelliert an alle Muslime, sich auch während des Ramadans an die Kontaktbeschränkungen im öffentlichen und privaten Raum zu halten.

Der Ramadan ist wichtiger Bestandteil des islamischen Glaubens, weiß der Märkische Kreis. Schon im Vorjahr war der Fastenmonat aufgrund der Corona-Pandemie von vielen Einschränkungen betroffen. Die Fastenzeit der Muslime werde auch in diesem Jahr anders sein, als viele sie kennen, heißt es aus dem Kreishaus.

Der Krisenstab des Märkischen Kreises appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, ihre religiösen Pflichten und Gebete in der Moschee oder privat mit dem eigenen Hausstand zu verrichten. Auf die Einladung von Freunden und Familien, um gemeinsam das Fasten zu brechen, sollte aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation verzichtet werden. Im Ramadan dürfen Muslime erst nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang essen und trinken. Am Dienstag geht die Sonne um 20.23 Uhr unter.

Die von § 1 Abs. 3 der CoronaSchVO getroffenen Regelungen für Gottesdienste und andere Versammlungen zur Religionsausübung werden von der durch den Märkischen Kreis erlassenen Allgemeinverfügung nicht berührt. Der Besuch eines Gottesdienstes oder einer anderen Versammlung zur Religionsausübung nach § 1 Abs. 3 der CoronaSchVO unterliegt dem Buchstaben h) der Ausnahmen zu Punkt I der Allgemeinverfügung. Dies gilt auch für den Besuch in der Moschee.

Noch am Freitag hatte der Märkische Kreis eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung („Sind Treffen aus religiösen Gründen auch nach 21 Uhr möglich, wenn die Teilnehmerzahl begrenzt wird und ein Hygienekonzept durch den Veranstalter vorgelegt wird?“)  anders beantwortet: „Solche Treffen sind zwar gemäß Coronaschutzverordnung weiter zugelassen, gelten aber nicht als eine der Ausnahmen um die Ausgangsbeschränkung aufzuheben, also die eigene Wohnung (oder Wohnung des Partners/Ehegatten/etc.) zu verlassen/sich im öffentlichen Raum aufzuhalten“, hieß es aus dem Kreishaus. Demnach wäre der Weg zur Moschee und zurück nicht durch die Allgemeinverfügung gedeckt. Nun also die 180-Grad-Kehrtwende:

Wie der Märkische Kreis am Montag in einer Mitteilung erklärt, „liegt ein gewichtiger Grund vor, sich von der Gebetsstätte auch nach 21 Uhr auf direktem Wege nach Hause zu begeben – das heißt, für die An- und Abreise sind die Besucher der Gottesdienste von der Ausgangssperre befreit.“ Moscheevereine können Bescheinigungen ausstellen. Eine glaubwürdige Erklärung reicht als Begründung aus. Mehrere Moscheevereine aus dem MK hatten am Montag gegenüber unserer Zeitung angekündigt, aufgrund der pandemischen Lage generell auf Veranstaltungen in den Moscheen zu verzichten.

Allerdings sei zwischen religiösem Handeln im engeren Sinne und daran anschließenden Aktivitäten mit mehr weltlichem Charakter stringent zu unterscheiden. „Es besteht insoweit kein Widerspruch zwischen der Religionsausübung und der Ausgangssperre“, behauptet der Märkische Kreis. Nicht zulässig sind demnach Familienzusammenkünfte im privaten Bereich über die Kontaktbeschränkungen der Coronaschutzverordnung des Landes und die Allgemeinverfügung des Kreises hinaus. Derzeit bedeutet das im Märkischen Kreis: Ein Haushalt darf sich auch in der eigenen Wohnung mit maximal einer Person eines zweiten Haushalts treffen, Kinder unter 14 Jahren werden nicht mitgezählt.

„Wir wünschen allen Muslimen in unserem Kreis – trotz der herausfordernden Situation – eine gesegnete und sichere Fastenzeit“, teilt der Märkische Kreis mit. „Bitte bleiben Sie gesund und sorgen Sie dafür, dass auch andere gesund bleiben!“

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