6000 offene Stellen „erschreckend hoch“

„Historisches“ auf dem Arbeitsmarkt im Märkischen Kreis

Jobcenter

Lüdenscheid - Der Begriff „historisch“ kennzeichnet derzeit eine Reihe von Ereignissen auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Erwerbslosen im Märkischen Kreis war im Juli mit 13.020 Personen (Quote 5,8 Prozent) historisch niedrig, mehr als 6000 offene Stellen sind dagegen entsprechend hoch.

„Der Arbeitsmarkt ist weiterhin sehr aufnahmefähig“, erklärte am Dienstag Sandra Pawlas. Die Kehrseite: Es fehlt an den dringend benötigten Fachkräften. Die Chefin der Agentur für Arbeit stellte gemeinsam mit Volker Riecke, Geschäftsführer des Jobcenters, die aktuelle Entwicklung am Arbeits- und Ausbildungsmarkt vor.

Für Lüdenscheid ergibt sich folgendes Bild: Im Juli registrierte die Behörde 2919 Arbeitslose (7,2 Prozent), fünf mehr als im Monat zuvor. Deutlich größer fällt der Unterschied beim Blick auf den Vorjahresmonat Juli aus. Damals suchten 3284 Menschen (8,2 Prozent) eine Anstellung.

Die gute Konjunktur sorgt bereits seit einigen Monaten für volle Auftragsbücher, gleichzeitig wachsen in den Chefetagen die Sorgen, weil wichtige Positionen nicht besetzt werden können. Ob Speditionsbranche, das Handwerk oder der gewerblich-technische Bereich – „der Mangel an Fachkräften weitet sich auf immer mehr Berufszweige aus“. Sorgenkind ist bereits seit einiger Zeit der Gesundheits- und Pflegesektor.

Die Auslastung in den Betrieben hat zwei sonst eher abgehängten Gruppen neue Chancen eröffnet. Riecke: „Die Langzeitarbeitslosen haben von der guten Auftragslage überproportional profitiert.“ Denn auch der Helferbereich finde wieder Beschäftigung. „Die Unternehmen setzen auf Qualifizierung.“ So waren für Lüdenscheid im Juli 1275 Langzeitarbeitslose gemeldet, vor einem Jahr waren es noch 1386 Personen.

Gleichzeitig sei die hohe Zahl an offenen Stellen „schon etwas erschreckend“, wie Sandra Pawlas sagte. Die Schere gehe immer weiter auseinander, die Vermittlung werde deutlich schwieriger. „Wenn der 1a-Kandidat nicht mehr vorhanden ist, dann muss man versuchen, die Defizite von 1b- oder 1c-Bewerbern auszugleichen.“ 

Das betreffe auch den Ausbildungsmarkt. Derzeit gibt es noch 959 offene Ausbildungsstellen und 703 unversorgte Bewerber. Die von Betrieben geforderten Mobilitätserwartungen könnten junge Menschen ohne Führerschein oft gar nicht erfüllen. Pawlas: „Von den Arbeitgebern ist stärkere Kreativität gefragt.“

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