TV-Kritik: „#widerstand“ (SWR)

Jung, weiblich, politisch aktiv

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Helene zündet am Ende der Demo in Athen, gegen die geplante Räumung der besetzten Häuser, ein Bengalo an.

Ein Beitrag der SWR-Reihe „Junger Dokumentarfilm“ gewährt Einsichten in das Denken der jungen Generation.

Drei junge Frauen, drei Positionen. Die achtzehnjährige Helene hält Widerstand angesichts der aktuellen Weltlage für unumgänglich. „Zumindest ist das Teil meiner politischen Analyse.“ Die Wienerin Ingrid ist vierundzwanzig und Mutter einer kleinen Tochter. Für sie heißt Widerstand, „nicht wegzuschauen“. Ihr geht es darum, die nationale Identität zu verteidigen. In Berlin setzt die deutsche Muslima Aïcha, ebenfalls achtzehn, auf das gesprochene Wort und beteiligt sich an Slam-Poetry-Veranstaltungen. Ihr Credo: „Im Endeffekt geht es darum, Menschen zu berühren und zum Nachdenken anzuregen.“

In ihrem sechzigminütigen Dokumentarfilm „#widerstand“, vom SWR ausgestrahlt in der Reihe „Junger Dokumentarfilm“, porträtiert die Filmemacherin Britta Schoening drei Protagonistinnen, die sich politisch engagieren. Mit teils konträren Zielen.

Auch bei Maybrit Illner wird über die Meinungsfreiheit diskutiert und wie die Rechte die Debatte darüber für sich nutzt.

Helene gehört in Athen zu den Besetzern des City Plaza Hotels. Jahrelang stand es leer, eine Solidaritätsinitiative für Flüchtlinge nahm es 2016 in Beschlag und richtete einen Ort gemeinsamen Wohnens für vierhundert Heimatvertriebene und eine Gruppe von Unterstützern ein. So lautete eines der Ziele der Aktion: angesichts elender Lager und Kasernierungen zu beweisen, dass eine menschenwürdige Unterbringung von Flüchtlingen möglich ist. Nicht dirigistisch verwaltet, sondern kollektiv und zivilgesellschaftlich organisiert.

Ingrid steht auf der anderen Seite des politischen Spektrums. Sie gehört der österreichischen Identitären Bewegung an. Wie die Solidaritätsinitiative in Athen, machen auch die Identitären mit Straßenaktionen auf ihre Ziele aufmerksam. Dort werden symbolische Mauern errichtet, die es einzureißen gilt, hier schlitzen Vermummte ihren Opfern scheinbar den Hals auf. Einer der Slogans der Identitären: „Islamisierung tötet!“

Ingrid, Tochter einer kroatischen Mutter, ist eine moderne junge Frau, dreht unter dem Titel „European Kitchen“ Filme fürs Internet, am Wochenende imkert sie. Doch auch diese Hobbys stehen im Zeichen ihres Weltbilds. Jedes Bienenvolk lebt für sich, vermischt sich nicht mit anderen. In Ingrids Ideologie ein Vorbild. Ihre rechtsgerichtete Gruppierung vertritt eine Politik strikter Abgrenzung.

Britta Schoening schafft eine Grundlage für eine Debatte der dargestellten Positionen

„#widerstand“, Donnerstag, 14.11., SWR Fernsehen, 23.45 Uhr

Die Berliner Schülerin Aïcha kennt diskriminierendes Verhalten von Kindesbeinen an. Ihre Mutter musste es erfahren, später sie selbst. Sie wehrt sich verbal, mit politisch-poetischen Vorträgen, trotzig nicht nur gegen Rassismus, sondern auch gegen paternalistische Vereinnahmungen als Vorzeige-Migrantin. „Ich bin Muslima. Ich bin ein Mensch“, sagt sie. Unerschrocken spricht sie sogar vor dem Berliner Abgeordnetenhaus, hofft auf die Anwesenheit der AfD. Sie möchte nicht angreifen, sondern überzeugen.

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Die Filmemacherin Schoening verzichtet auf Kommentare, überlässt das Wort ihren Protagonistinnen. Durch den Schnitt entsteht ein Dialog, in Teilen frei von der unversöhnlichen Rhetorik, derer sich vor allem Ingrid in ihren Internet-Auftritten bedient. So unterläuft Britta Schoening die einseitige, oft unsachliche Kommunikation der Web-Medien und schafft eine Grundlage für eine Debatte der dargestellten Positionen. 

Ein gelungener Film, der vor der TV-Ausstrahlung auf vielen Festivals gezeigt wurde und angesichts einer zunehmenden Polarisierung über seinen konkreten Inhalt hinaus die Frage aufwirft, ob in naher Zukunft der gesellschaftliche Diskurs etwaig nur noch über die filmische Montage möglich sein wird.

Von Harald Keller

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