Neue Serie

Netflix zeigt „Skylines“: Authentisches aus Frankfurt, mit etwas viel Klischee

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Edin Hasanovic (2.v.r.) spielt Jinn, den aufstrebenden Hip Hop Producer.

Die neue Netflix-Serie „Skylines“ spielt in Frankfurt und startet diesen Freitag, mit ordentlich Lokalkolorit und etwas zu viel Klischee.

Frankfurt - Kameraschwenks per Drohnenflug, das funktioniert in Frankfurt. Wenn der Blick vom Asphalt der Straße auf den in der Nacht von den Lichtern der Hochhäuser glitzernden Main fällt, wenn dann ein Zug über die Eisenbahnbrücke vor dem futuristischen Klotz der EZB fährt und sich im Hintergrund die Skyline erhebt, dann sieht Frankfurt aus wie eine Metropole. Groß wie Schanghai und unwirklich wie Gotham City.

Man muss kein Genie sein, um zu erkennen, dass die Topographie der Stadt diese Kamerafahrten nahezu erzwingt. Ob die tiefen Häuserschluchten zwischen den Türmen der Banken oder die Karrees im Bahnhofsviertel, deren Bordsteine vom roten Licht der Bordelle gefärbt sind – es sind Bilder der vielen widersprüchlichen Ebenen der Stadt, die ihren Charme definieren.

Und die der neuen Netflix-Serie namens „Skylines“ den Handlungsrahmen vorgeben. Es ist die erste in Frankfurt gedrehte Eigenproduktion des Streaming-Dienstes.

Netflix-Serie „Skylines“ spielt in Frankfurt

Natürlich spielt dort das allgegenwärtige Kapital seine Rolle, bei „Skylines“ in Person eines geschäftstüchtigen Immobilienmaklers, der vom Brexit profitieren will. In der Stadt, deren Jugend sie mit trotzigem Stolz „Hauptstadt des Verbrechens“ nennt, geht es selbstverständlich auch um drogenhandelnde Gangster.

„Skylines“ in Frankfurt: So feierten die Stars aus Film und Rap den Start der Serie

Doch eigentlich erzählt „Skylines“ die Geschichte eines Hip-Hop-Produzenten. Auch das ist schlüssig in Frankfurt, der – wenn auch disputablen – Geburtsstätte des deutschen Raps und der – unumstrittenen – Heimat von Legenden des Genres wie Tone Nordmassiv und Azad.

Rapgrößen geben sich bei „Skylines“ auf Netflix die Ehre

Letzterer ist mit von der Partie. Er spielt sich selbst und das gar nicht mal schlecht. Das gilt ebenso für Celo und Abdi, Olexesh, Nura und die anderen Rapgrößen, die sich bei „Skylines“ die Ehre geben. Ihr schauspielerisches Talent überrascht, man hatte weniger erwartet und eher befürchtet, dass sie schwächeln werden im Zusammenspiel mit Zunftgrößen wie Edin Hasanovic, Murathan Muslu, Richy Müller und Peri Baumeister.

Lesen Sie auch: Edin Hasanovic zeigt sich vor „Skylines“-Start aufgeregt

Die Besetzung aber funktioniert, man verzeiht den Rappern die eine oder andere Schwäche und den Profis ihre Tatort-Routinen. Stattdessen folgt man ihnen in die Frankfurter Halbwelten, die in ihrer Nähe zueinander irreal wirken, doch gelebter Alltag in dieser Stadt sind. In der Banker über Milliardengeschäfte in Glastürmen verhandeln und Junkies in den Bordsteinrinnen nach Cracksteinen suchen – alles auf engstem Raum, nebeneinander, getrennt nur von wenigen Metern, lässt man den Höhenunterschied außer Acht. Und alle treffen sich im Rotlicht, beim Dealer oder eben bei der Musik.

Serie spielt in Frankfurt: Man verzeiht „Skylines“ die Klischees

Die Charaktere, die Drehbuchautor Dennis Schanz für „Skylines“ entworfen hat und deren Konflikte die Regisseure Max Erlenwein und Soleen Yusef inszenieren, könnten klassischer kaum sein: Junges musikalisches Supertalent, das vor dem Durchbruch steht, doch sein Erfolg entfremdet ihn von Freunden und Familie. Überarbeitete Kommissarin vernachlässigt ihre Familie. Windiger Immobilienmakler, der sich mit den falschen Leuten einlässt. Und ein Rapstar, dessen kriminelle Vergangenheit ihn einholt.

Das ist viel Klischee und wenig Originelles, aber das verzeiht man der Serie, wenn man sich auf die Schauspieler und die aufwendig produzierten Bilder der Stadt einlässt. Wenn die groß gewordenen Straßenjungen in bestem OFFFM-Kanakisch miteinander reden und „Haftbefehl“ die musikalische Untermalung liefert, wenn im Tanzhaus gefeiert wird oder die rechte Hand des Rapmoguls diesem an den Kopf wirft: „Dann hätten wir auch gleich in Offenbach bleiben können!“ Dann ist „Skylines“ authentisch.

Netflix-Serie „Skylines“ mit einer Schwäche

Die meiste Zeit zumindest. Denn da liegt auch die Schwäche der Serie: Wer den Lokalkolorit so sehr für die eigene Inszenierung nutzt, der kann auch schnell daneben liegen. Zum Beispiel, wenn er von Hooligans des FSV Frankfurt erzählt, die sich darüber unterhalten, wie sie einst in Dresden „von Dynamo auf dem Acker auf’s Maul bekommen haben“ wollen. Dann wirken die Charaktere unglaubwürdig, weil FSV-Fans sich nicht mit Dynamo-Fans auf einem Acker prügeln und das auch noch nie getan haben.

Murathan Muslu übernimmt die Rolle des Rapstars „Kalifa“, Gründer und Chef bei Skyline Records.

Das weiß, wer Frankfurt kennt und liebt und sich bis zu diesem Zeitpunkt ganz der liebevollen Inszenierung des Lebensgefühls der Stadt erfreut hat. Dann holt die Realität die Illusion ein und das Bild Frankfurts, das in „Skylines“ gezeichnet wird, funktioniert nicht mehr so ganz. Hätten sie doch einfach Eintracht-Frankfurt-Fans genommen, alles wäre gut gewesen.

„Skylines“ zeigt Frankfurt in Elend und Herrlichkeit

Mit diesen Momenten kann die Serie aber versöhnen, sieht man die Frankfurter Maskottchen Celo und Abdi ihr Ding machen, die Wolkenkratzer, das Elend und die Herrlichkeit und die in der Nacht erleuchteten Trinkhallen. Dann geht das wieder klar und man freut sich einfach am Hollywood-Flair, in den „Skylines“ die eigene kleine Stadt kleidet. Vor allem, wenn man in Frankfurt wohnt.

Netflix-Serie „Skylines“ kommt aus Frankfurt

Erstmeldung vom 19.09.2019: Frankfurt – Drogen im Bahnhofsviertel, Parties auf den Hochhausdächern, Immobilienhandel und der Brexit – alles untermalt mit deutschem Rap aus dessen Geburtsstadt. All das bei „Skylines“, der Netflix-Serie aus und über Frankfurt.

Am 27. September bringt Netflix mit „Skylines“ die erste aufwendig produzierte Serie aus Frankfurt am Main an den Start. Die erste Staffel besteht aus sechs Folgen, die mit Spiellängen von etwa einer Stunde für eine Serie dieser Art überdurchschnittlich lang ausfallen.

Skylines bei Netflix: Richy Müller, Nura und Haftbefehl wirken mit

Mit dabei sind neben deutschen Schauspielgrößen wie Richy Müller und Edin Hasanovic auch zahlreiche Rapstars aus Frankfurt und Berlin, darunter Celo und Abdi, Azad, Olexesh und Nura. Den Titelsong liefert Offenbachs Rapstar „Haftbefehl“.

Seit November 2018 wurde „Skylines“ an zahlreichen Orten in Frankfurt* gedreht: darunter die Discothek Tanzhaus, der Frankfurter Osthafen, die Häuserschluchten des Westends und natürlich das Frankfurter Bahnhofsviertel. Weitere Szenen entstanden außerdem in Offenbach, Berlin und Wiesbaden.

Die Handlung von Skylines: Es geht um Frankfurt, Mainhattan und „Crack City“

Unter dem Slogan „Frankfurt, Mainhattan, Crack City“ wirbt Netflix für die Eigenproduktion – und gibt damit direkt den Handlungsrahmen vor: Ein junger, aufstrebender Hip-Hop-Produzent namens Jinn (Edin Hasavonic) steht kurz vor dem Durchbruch. Doch kaum unterschreibt er einen Vertrag beim Hip-Hop-Label namens „Skylines“ holt deren Betreiber ihre kriminelle Vergangenheit ein.

Skylines - alles zur Netflix-Serie am Freitag

Auf Netflix abrufbar ist die Serie ab Freitag, den 27. September 2019. Ebenfalls demnächst auf der Plattform des Streaming-Dienstes verfügbar sind die neuen Folgen von „Disenchantment“, der aktuellen Serie von „Simpsons“-Macher Matt Groening. Premiere feierte die Netflix-Serie „Skylines“ vergangenen Donnerstag in Frankfurt.

Ärger um Netflix-Serie Skylines

Im Vorfeld hatte eine Plattenfirma aus Frankfurt versucht, die Ausstrahlung von „Skylines“ per Unterlassungsklage zu verhindern. Laut dem Labelinhaber und Frankfurter Rapper Jan Lehmann verstoße „Skylines“ gegen Markenrechte. Denn das in der Serie fiktive Label Skyline Records gibt es wirklich. Der Anwalt des Rappers sagte zudem gegenüber der F.A.Z., die Geschichte der Serie basiere in Wahrheit auf dem Leben seines Mandanten.

Faustdicke Überraschung! Netflix setzt "Skylines" ab. Das verriet Hauptdarsteller Edin Hasanovic via Instagram.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

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