Aus nach 34 Jahren

„Lindenstraße“-Produzenten sauer auf die ARD - WDR widerspricht

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Produzieren die „Lindenstraße“: Hana und Hans W. Geißendörfer

Fans der „Lindenstraße“ müssen jetzt tapfer sein: Die ARD hat eine finale Entscheidung getroffen. Die Produzenten regen sich darüber auf. 

Update 19.11., 17.21 Uhr: Die „Lindenstraße“-Produzenten Hana und Hans W. Geißendörfer haben kein Verständnis für die Entscheidung zum Aus der Kultserie. „Das Absurde ist ja, dass diese Entscheidung gerade jetzt kommt, wo unsere Quote wieder steigt“, sagte Hana Geißendörfer (34) im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ (Montag). Barbara Feiereis, Sprecherin des für die Serie verantwortlichen Westdeutschen Rundfunks (WDR), betonte dagegen, die Zuschauerzahlen seien seit Jahren leider rückläufig.

Sie seien allein in den 20 Jahren von 1995 mit damals 6,74 Millionen im Jahresschnitt bis 2015 auf 2,52 Millionen gesunken und auch in den beiden anschließenden Jahren zurückgegangen, sagte Feiereis am Montag. Von 2017 auf 2018 habe es einen leichten Anstieg von 2,14 auf 2,18 Millionen gegeben, der auch auf die zuschauerstarke Folge zurückzuführen sei, in der Joachim Hermann Luger als Hans Beimer seinen Abschied gab.

Produzent der „Lindenstraße“: Wenig Unterstützung der ARD

Hans W. Geißendörfer (77), der Erfinder der 1985 gestarteten Serie, ergänzte: „Wir hatten sehr, sehr wenig werbemäßige Unterstützung der ARD. Im Vergleich zu anderen Sendungen kann man sagen: null. Ich habe mich mehrfach zu den Direktoren begeben und auf Knien klargemacht: Wir brauchen das.“ 

Auch das will der WDR so nicht stehen lassen: „Wir haben eine ganze Menge gemacht, auf unterschiedlichen Kanälen“, sagte Feiereis. „Es gibt viele Presse- und Online-Aktivitäten. Wir nutzen auch Events, um auf die „Lindenstraße“ aufmerksam zu machen.“ 2014 habe es eine Werbekampagne zur 1500. Folge, 2015 eine zu „30 Jahre Lindenstraße“ gegeben. „2017 hatten wir eine bundesweite Infoscreen-Kampagne zum Wiedereinstieg nach der Sommerpause.“

War die „Lindenstraße“ der ARD zu teuer?

Hana Geißendörfer wehrt sich außerdem dagegen, die Produktionskosten seien ein Argument gegen die Fortsetzung der „Lindenstraße“, deren letzte Folge im März 2020 zu sehen sein soll. „Der durchschnittliche Minutenpreis des 18.50-Uhr-Sendeplatzes in der ARD liegt bei 8750 Euro. Wir liegen drunter“, sagte sie im Interview. 

WDR-Sprecherin Feiereis dazu: „Das stimmt so nicht.“ Alle anfallenden Kosten rund um die Produktion auf dem WDR-Gelände in Köln-Bocklemünd müssten berücksichtigt eingerechnet werden.

„Lindenstraße“-Aus: Schauspielerinnen Mutter Beimer und Gabi Zenker äußern sich

Das Aus für die Lindenstraße nach 34 Jahren! Zwei Frauen trifft diese Nachricht besonders schwer. Marie-Luise Marjan (78) alias Mutter Beimer und Andrea Spatzek (59) alias Gabi Zenker waren seit der ersten Folge im Jahr 1985 mit dabei. Vom Serien-Aus erfuhren die Schauspielerinnen selbst erst am Freitag auf einer Gala in Griechenland. 

Mutter Beimer prangert die Entscheidung des ARD‘s im Bild-Interview an. Und zwar nicht nur aus persönlichen Gründen: „Natürlich bin ich traurig. Natürlich bin ich enttäuscht.  Aber – es geht um Größeres. Die ARD hat einen öffentlich-rechtlichen Auftrag. Wir zahlen Steuern dafür. Und wir müssen doch ein gehaltvolles Programm bekommen!“ Sie fährt entrüstet fort: „Der WDR hat uns zum Kult erhoben. Und Kult schafft man nicht ab. Kult bleibt!“

Schauspielerinnen sorgen sich um Zukunft nach Lindenstraße

Auch Spatzek wirkt traurig vor der Kamera, ihre Augen sind glasig: „Es ist ein Hammer! Man ist wirklich bestürzt, wenn man das so plötzlich knallhart gesagt bekommt.“ Die Schauspielerin scheint sich auch Sorgen um ihre eigene Zukunft zu machen: „Man muss abwarten, was man da jetzt machen kann. In Frührente werde ich wohl noch nicht gehen können.“, sagt die 59-Jährige fassungslos. 

„Ich war länger als mein halbes Leben bei der Lindenstraße“

Die Frage, ob sie geweint habe, nachdem sie vom Serien-Aus erfuhr, bejahte die Spatzek und erklärt: „Im Grunde habe ich mehr als mein halbes Leben bei der Lindenstraße verbracht.“ Sichtlich kämpft sie mit den Tränen und seufzt: „Heftig!“ 

Mutter Beimer findet die Lindenstraße besonders wichtig, um gesellschaftliche Themen erzählerisch aufzugreifen: „Migration, Fremdenfeindlichkeit, Religionen“ - all das wurde in der Kult-Serie behandelt. Abgesetzt werden soll Lindenstraße erst in eineinhalb Jahren, im März 2020. „Dann werden wir mal sehen, was das Publikum sagt“, ist die 78-Jährige schon gespannt. 

Promis zum „Lindenstraße“-Aus 

Update vom 17. November, 08.21 Uhr: Das Aus für den Dauerbrenner „Lindenstraße“ hat bei Prominenten auf der Bambi-Verleihung in Berlin unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. „Es ist eine Institution. Es war die erste Serie, die es in dieser Form gab. Aber irgendwann ist etwas auch mal auserzählt“, sagte Schauspieler Heino Ferch (55, „Comedian Harmonists“) der Deutschen Presse-Agentur. 

„Mein Vater hat damals alle Folgen auf Videorecorder aufgenommen. Ich hätte ihn wahrscheinlich sehr stolz gemacht, wenn ich dort mal mitgespielt hätte. Diesen Wunsch kann ich ihm leider jetzt nicht mehr erfüllen“, erklärte Oliver Wnuk (42, „Stromberg“).

„The Voice of Germany“-Moderator Thore Schölermann (34), der mehrere Jahre in der mittlerweile eingestellten Soap „Verbotene Liebe“ mitgespielt hat, denkt vor allem an die Schauspieler und Mitarbeiter der Serie. „Das ist ja eine Produktion ähnlich einem Großunternehmen. Und dort stehen bald viele vor der Tür und wissen nicht, wohin sie sollen.“

Comedian Luke Mockridge (29), dessen Vater Bill jahrelang als Erich Schiller in der „Lindenstraße“ mitgespielt hat, nimmt das Aus der Kultserie mit Humor. „Das ist ja eine schreckliche Nachricht. Warum wurde der Bambi nicht abgesagt? Wie hat die Börse reagiert?“

So reagieren Politiker und die Polizei München 

ARD stellt „Lindenstraße“ ein: Kein Verständnis bei Produzent Geißendörfer

Update vom 16. November 2018, 15.10 Uhr: Vor Kurzem gab der Westdeutsche Rundfunk (WDR) bekannt, dass sich die Fernsehprogrammkonferenz der ARD gegen eine Verlängerung der „Lindenstraße“ entschieden hatte. Damit endet die Kult-Serie nach 34 Jahren TV-Ausstrahlung. 

Ein Betroffener ist damit jedoch ganz und gar nicht glücklich: „Lindenstraße“-Gründer und Produzent Hans W. Geißendörfer. Nach einem Bericht der „Bild“ sei er mit der Entscheidung nicht einverstanden und meinte: „Lindenstraße steht für politisches und soziales Engagement, für Meinungsfreiheit, Demokratie, gleiche Rechte für alle und Integration, was in Zeiten von Rechtsruck und Ausländerfeindlichkeit wichtiger ist denn je.“ Weiter sei er demnach bestürzt, dass die ARD eine Serie nicht mehr fortsetzen möchte, die eine solche Haltung vertrete.

Aus für Kult-Serien „Lindenstraße“

Meldung vom 16. November 2018, 9.23 Uhr: Die Fernsehserie „Lindenstraße“ wird nach 34 Jahren beendet. Die Fernsehprogrammkonferenz der ARD habe sich mehrheitlich gegen eine Verlängerung des Produktionsvertrags entschieden, teilte der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am Freitag in Köln mit. Die letzte Folge soll im März 2020 laufen.

„Lindenstraße“ läuft seit 1985 im TV

Die „Lindenstraße“ wurde erstmals am 8. Dezember 1985 um 18.40 Uhr ausgestrahlt. Nun ist mit der Sonntagsserie Schluss. Es wird keine neuen Geschichten mehr über die Bewohner in einer Münchner Straße und deren Alltag geben.

„‚Lindenstraße‘ ist eine Ikone“

„Diese Entscheidung hat sich die Fernsehprogrammkonferenz der ARD nicht leicht gemacht. Denn die 'Lindenstraße' ist eine Ikone im deutschen Fernsehen, die uns seit Jahrzehnten begleitet“, erklärte ARD Programmdirektor Volker Herres in einer Pressemitteilung.

Die Serie „Lindenstraße“ wurde von Hans W. Geißendörfer erfunden und wird inzwischen von dessen Tochter Hana Geißendörfer betreut. Der Dauerbrenner sorgte gerade in ihren Anfangsjahren immer wieder für öffentliche Debatten, etwa durch das Thematisieren von Homosexualität.

Darum stellt die ARD die „Lindenstraße“ ein

Allerdings sinken wohl seit Jahren die Zuschauerzahlen bei der „Lindenstraße“.  Das Aus begründete die ARD mit wirtschaftlichen Zwängen. 

Auf dem offiziellen Twitter-Account der „Lindenstraße“ heißt es: „Das ist die traurigste Nachricht, die wir euch jemals mitteilen mussten: Die Lindenstraße wird nicht fortgesetzt. Die letzte Folge läuft voraussichtlich im Frühjahr 2020.“ 

Nächsten Sonntag läuft um 18.50 Uhr (ARD) eine neue Folge „Lindenstraße“ mit dem Titel „Der Mann im Aufzug“ - es ist übrigens die Folge Nummer 1696.

Schon ein angekündigter Todesfall in der „Lindenstrasse“ sorgte im August für Schlagzeilen.

Video: Lindenstraße wird eingestellt

Die Reaktionen auf das Aus der „Lindenstraße“

In den sozialen Netzwerken lassen die Reaktionen der Nutzer nicht lange auf sich warten. 

So twittert @KarlaKnows: „Nach 34 Jahren: Aus für die Lindenstraße.

Kein Wunder, die Bewohner können sich die Wohnungen in der Lindenstraße sicherlich auch nicht mehr leisten bei den aktuellen Mietpreisen und der anhaltenden Gentrifizierung.“

Einige machen sich auch über das Ende der „Lindenstraße“ lustig.

„Wo warst Du, als Du vom Ende der #Lindenstraße erfahren hast?“, fragt @textaufgabe

Doch es gibt auch Menschen, die etwas mit der ARD-Serie verbinden. Und bei der Nachricht offenbar traurig werden.

„Das Ende der #Lindenstraße.... Wer wie ich damit aufgewachsen ist und Benni sterben sah kommt nur ein Gedanke...“, schreibt Twitter-User @kartonbau.

dpa/afp/ml

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