Thema der Sendung: „Was passiert in unserem Land?“

Herbert Grönemeyer wundert sich bei Markus Lanz über ein deutsches Phänomen - dann sorgt er für einen Lacher

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Herbert Grönemeyer diskutierte in der ZDF-Sendung bei Markus Lanz. 

Markus Lanz begrüßte in seiner Talk-Show am Mittwoch unter anderem Sänger Herbert Grönemeyer. Der 62-Jährige kritisierte dabei vor allem die deutsche Politik und deutsche Politik-Talk-Sendungen. 

Hamburg - Sänger Herbert Grönemeyer steht seit Jahrzehnten im Fokus der Musik, liefert in regelmäßigen Abständen Hits und zählt zu einem der erfolgreichsten deutschen Musiker aller Zeiten. Schon immer setzte er dabei aber auch politische Statements, ob mit seinen Songs oder mit seiner Haltung in der Öffentlichkeit. Am Mittwoch war der 62-Jährige nun Gast in der Talk-Sendung Markus Lanz. Zentrales Thema der Diskussionsrunde: „Was passiert in unserem Land?“. 

Herbert Grönemeyer bei Markus Lanz: Sänger spricht über Situation in Deutschland

Obwohl Lanz neben dem Sänger noch Politikournalistin Claudia Kade und Grünen-Chef Robert Habeck zu Wort kommen lässt, weiß sich Grönemeyer zu positionieren. Mit seinem neuen Album „Tumult“ greift der 62-Jährige vor allem die momentane gesellschaftliche Situation in Deutschland auf. Diese „Tumulte“ in Deutschland würde der Sänger am liebsten mit Gelassenheit bekämpfen.  „Ich glaube grundsätzlich, dass wir eine gewisse Gelassenheit lernen müssen. Wir sind ein erwachsenes, aufgeklärtes Land. Es wundert mich, dass wir uns so aufscheuchen lassen“, erklärt Grönemeyer am Mittwochabend. 

Herbert Grönemeyer wundert sich über Hysterie als deutsches Phänomen

Moderator Markus Lanz hakt bei dieser Aussage genauer nach: „Das heißt, wir sind hysterisch?“ Grönemeyer nickt zunächst und fügt dann an: „Ja. Die Engländer nennen uns ‚nervous Germans‘. Wo die Engländer ein Problem sehen, da hätten wir uns schon längst aufgehängt“, ist sich Grönemeyer sicher. Der Sänger geht sogar noch weiter und meint: „Wir müssen mit stolzer Brust voraus gehen. Wir wissen, wir wollen nicht nach rechts. Wir wollen nicht, dass Menschen gejagt oder ausgegrenzt werden. Wir wissen das, und darum können wir unseren Mann stehen. Das Land ist stärker als man denkt.“ 

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Herbert Grönemeyer: „Der Politik ist es lästig, den Menschen zuzuhören“

Auf die Frage, wieso Deutschland nicht die Führung in der aktuellen gesellschaftlichen Situation gelingt, erklärt Grönemeyer: „Wir sind ein ganz junges Land, wir sind eben erst 28 Jahre alt. In diesem Land ist noch gar nicht geklärt, wie das zusammenhängt. Wir sind ein ganz zartes Geflecht und die Wiedervereinigung ist noch nicht vollzogen worden. Kein Mensch hat den Menschen aus dem Osten zugehört und jetzt rächt sich das.“ Dabei pocht der Sänger auf eine klare Positionierung gegen Rechts, gibt jedoch soziale aktuelle Probleme zu: „Wer sind wir eigentlich? Wie es in unseren Köpfen und in unserer geistigen Kultur aussieht, darüber redet keiner.“

Trotzdem ist sich Grönemeyer sicher: „Wir haben sicherlich soziale Probleme. Aber ganz klar ist, dass jeder weiß, diesen Ruck nach Rechts und dieses Gepöbel, das will hier keiner.“ Der Sänger geht sogar noch weiter und behauptet: Eines unserer Probleme sei die Kommunikation in unserer Politik: „Ich bin mittelprächtig geistig bestückt, aber ich muss ehrlich sagen: Ich versteh da wenig. Ich denke, dass es der Politik manchmal lästig ist, den Menschen zuzuhören. Und das spüren die Menschen. Die Menschen fühlen sich einfach nicht angesprochen.“ Viel lieber würden es sich viele Politiker lieber in Berlin bequem machen: „Ist grade viel schöner in Berlin. Da kann ich essen gehen und mein Auto hab ich auch. Ist doch ganz dufte hier.“ 

Als Claudia Kade, Ressortleiterin der Politik bei der Welt versucht, Grönemeyer Zusammenhänge näher zu erklären, wirft der Sänger ein: „Ich hab jetzt auch vieles nicht verstanden, ehrlich gesagt“, lacht der 62-Jährige. Und auch das Publikum scheint der Meinung des Sängers zuzustimmen, brandet kurz darauf Gelächter und Applaus auf. 

Als Kade dann versucht, das Wachstum der AfD in bayerischen Regionen zu erklären, wirft der Sänger ein: „Wir müssen jetzt mal Ruhe bewahren. 90% der Menschen sind noch relativ stabil im Kopf.“ Viel eher vergleicht Grönemeyer die politische Richtung mit einem gefährlichen Virus: „Wir sind alle gefährdet, dass uns dieser Virus einschleicht. Da muss man ganz klar sagen ‘Nein!‘. 

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Herbert Grönemeyer: „Wir können stolz sein, dass die Leute zu uns kommen“

Über die aktuelle Flüchtlingssituation führt Grönemeyer an: „Wir können doch stolz sein, dass die Leute zu uns kommen. Aufgrund unserer Geschichte wäre Deutschland glaube ich nicht das erste Land, in das ich kommen würde.“ Viel eher vergleicht der Sänger die aktuelle Situation in Deutschland mit den Zuständen der Heimatländer der Flüchtlinge: „Die Menschen kommen gerade aus der Verfolgung, und jetzt fängt das Land an, in dem sie dachten, sie wären in Sicherheit. Und jetzt werden sie hier plötzlich wieder verfolgt.“ 

Bei seinem Rundumschlag bekommt nicht nur die Politik ihr Fett weg, auch Markus Lanz und alle Talk-Shows im deutschen TV kritisiert Grönemeyer. „Ich will die Talk-Shows gar nicht sehen. Ich versteh da eh nichts. Jeder Politiker kämpft um die Minuten, die er reden kann und redet über den Moderator hinweg.“

Erst vor wenigen Wochen wurde Markus Lanz in seiner ZDF-Talk-Sendung persönlich. Zu Gast war Hinrich Lührssen von der AfD.

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