Es knirscht auch bei den Vorbereitungen

ESC 2017: Der erste Polit-Skandal droht 

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Der ESC 2017 findet im Ausstellungszentrum in Kiew statt.

Kiew - Glanz und Glamour sollen auch in Kiew beim diesjährigen Eurovision Song Contest den Ton angeben. Doch bei den Vorbereitungen gibt es Probleme, auch könnte Russland bei dem Mega-Event einen Eklat provozieren.

Dass die Ukraine in diesem Jahr das Event austrägt, wird von Kritik vom Nachbarn Russland begleitet. Die Krimtatarin Jamala stach 2016 mit ihrer umstrittenen Ballade „1944“ ihren russischen Konkurrenten in letzter Sekunde aus. Russland grämt sich nicht nur wegen der Niederlage. Viele sind auch der Meinung, dass der russische Sänger wegen politischer Unstimmigkeiten in der Ukraine-Krise unfair bewertet wurde.

Was rund 700 Kilometer östlich der Hauptstadt im Kriegsgebiet Donbass seit 2014 mit Waffengewalt ausgetragen wird, erreicht nun mit dem ESC eine weitere Dimension. Russische Medien befürchten, dass Männern im wehrfähigen Alter der Ticketkauf und die Einreise für das Event erschwert würden.

Der Geheimdienst in Kiew setzte zudem rund 140 russische Künstler wegen „antiukrainischer Handlungen“ auf eine schwarze Liste. Vizeregierungschef und ESC-Organisator Wjatscheslaw Kirilenko gilt als einer der härtesten Verfechter, auch bei diesem Musikevent keine Ausnahmen bei den Einreiseverboten zu machen. Nun befürchten die Veranstalter, dass Moskau einen Befürworter der russischen Annexion der Halbinsel Krim auswählen und so einen Skandal provozieren könnte.

Streit um Ticket-Verkauf

Verwirrung herrschte auch um den Verkauf der begehrten Tickets. Ein Mitbewerber der beauftragten Ticketagentur hatte die Ausschreibung angefochten, und das Kartellamt schritt ein. 

Doch nun geht der Run los: Innerhalb eines Tages sind bereits viele der begehrten Tickets für das ESC-Finale am 13. Mai verkauft worden, bei dem Isabella Levina Lueen (25) für Deutschland antreten wird. Sie kosten zwischen 30 und 500 Euro. Für die Generalprobe waren ebenfalls nur noch wenige Tickets erhältlich, wie der Webseite des offiziellen Verkäufers am Mittwoch zu entnehmen war. Der Kartenverkauf hatte erst am Dienstag begonnen. Die Veranstalter hatten zuvor angekündigt, dass „in naher Zukunft in mehrere Wellen“ Tickets verfügbar werden.

Teile des Vorbereitungsteams steigen aus

Bei den Vorbereitungen läuft drei Monate vor dem ESC - immerhin

eines der größten TV-Ereignisse der Welt, bei dem 43 Länder gegeneinander antreten

- nicht alles glatt. Am Montag warfen 21 Mitarbeiter des Organisationsteams hin: Ihr neuer Chef, eingesetzt vor zwei Monaten, bremse die Arbeit, verhindere Ausschreibungen verhindert und blockiere damit die Arbeit.

Die Europäische Rundfunkunion (EBU) als internationaler Veranstalter des größten europäischen TV-Events dankte ihnen in einer knappen Mitteilung für die geleistete Arbeit. Zugleich rief die EBU die ukrainische Seite auf,

die Vorbereitungen schnell mit anderem Personal fortsetzen

.

„Die Eurovision findet planmäßig statt, denn an ihrer Vorbereitung arbeiten Hunderte Menschen. Wir lassen ein Scheitern nicht zu“, sicherte Anna Bitschok von der Fernsehleitung zu.

Dabei hat Kiew bereits Erfahrungen mit Großveranstaltungen dieser Art. 2005 war die Drei-Millionen-Stadt nach dem Sieg von Sängerin Ruslana mit „Wild Dances“ bereits schon einmal Gastgeber. Damals schaffte das Land nach der Orangenen Revolution sogar extra die Visapflicht für Westeuropäer ab. Und 2012 gab die Europameisterschaft im Fußball dem Land einen riesigen Imageschub.

Glanz reicht nicht weit

Kiew versucht auch über diese Ereignisse, sich dem Westen anzunähern. Die ukrainische Führung hat sich zum Ziel gesetzt, das Land möglichst zügig in die Europäische Union zu führen. Der Kampf um die Westbindung hatte die Ukraine Ende 2013 jedoch in eine tiefe politische Krise gestürzt. Seit drei Jahren kämpfen im Osten des Landes Regierungstruppen gegen prorussische Separatisten. Wie kann das vom Krieg traumatisierte und von einer schweren Wirtschaftskrise geschwächte Land die Mega-Show stemmen?

Kiews Bürgermeister Witali Klitschko will die Stadt dafür auf Vordermann bringen: Straßen sollen repariert werden, Grünanlagen neugestaltet und zusätzliche Busse und ein Flusstaxi eingesetzt werden. Selbst Fahrkartenkontrolleure werden zu einem Basiskurs Englisch verdonnert. 

Der angepeilte Glanz reicht jedoch nur einige Hundert Meter weit. „Weit muss man nicht gehen. Unweit der geplanten Blumenbeete ist das Elend der ukrainischen Hauptstadt in seiner ganzen Pracht zu sehen“, schreibt die Kolumnistin Natalja Mitschkowskaja. Unbeleuchtete Durchgänge und kaputte Rolltreppen machten den Weg zum Hauptbahnhof zu einem Hindernislauf. „Vielleicht sollten der Bürgermeister und seine Stellvertreter wenigstens ein Mal aus ihrem Auto aussteigen und ein paar Dutzend Meter laufen?“, fragt sie.

Klitschko zuversichtlich: „Wir schaffen alles“

Für Klitschko läuft alles nach Plan: „Wir schaffen alles. Wir arbeiten rund um die Uhr“, versichert er. Die Stadt werde bereit sein, sagt er. Damit die mehr als 200 Millionen Zuschauer weltweit die Bilder von Krieg und Kämpfen in der Ostukraine ausblenden, greifen die Organisatoren tief in die Tasche. Für die Infrastruktur stellt die Stadtverwaltung etwa sieben Millionen Euro bereit. Knapp 15,5 Millionen - rund 40 Prozent des Jahresbudgets - muss das Staatsfernsehen per Regierungserlass für das Mega-Ereignis im Mai reservieren. 

Dadurch bleibe der TV-Anstalt jedoch zu wenig Geld für andere Projekte, erklärte der Ex-Chef des ukrainischen Staatsfernsehens, Surab Alassanija. Die Finanzierung sei „katastrophal“, warf er den Organisatoren vor, bevor er seinen Posten räumte.

So lief der ESC-Vorentscheid 2017 - Bilder

dpa

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