Leichenfund in See und ICE-Selbstmord: Zusammenhang?

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Ein Leichensack mit Leichenteilen liegt am Montag (04.10.2010) am Ufer eines Badesees bei Erlabrunn bei Würzburg (Unterfranken) hinter einer Polizeiabsperrung. Ein Mann hat am Sonntagnachmittag mehrere Leichenteile in einem Badesee bei Erlabrunn gefunden. Laut einem Polizeisprecher weise alles auf ein Verbrechen hin.

Leinach - Binnen weniger Stunden haben Rettungskräfte in der Nähe von Würzburg zwei Leichen geborgen, zwischen denen womöglich ein Zusammenhang besteht.

Am Sonntag entdeckte ein Fischer im Erlabrunner Badesee Überreste einer Frauenleiche. Bei einer Suchaktion fand die Polizei am Montag weitere Körperteile. Kurz darauf und nur zwei Kilometer entfernt wurde in einem Bahntunnel der ICE-Strecke bei Margetshöchheim eine weitere Leiche geborgen. Nach ersten Erkenntnissen war ein Mann kurz vor der Tunneleinfahrt auf die Gleise gesprungen. Er wurde vom Zug erfasst und getötet. “Aufgrund der räumlichen Nähe ist ein Zusammenhang nicht auszuschließen“, sagte Polizeisprecher Karl-Heinz Schmitt der Nachrichtenagentur dapd am Abend.

Die Ermittlungen stünden aber noch ganz am Anfang. Fast vier Stunden mussten 600 Passagiere des ICE nach der Notbremsung gegen 9.25 Uhr in einem Tunnel bei Leinach ausharren, der unmittelbar vor dem knapp zwei Kilometer langen Neubergtunnel lag, wie Polizei und Deutsche Bahn mitteilten. Die Passagiere des ICE Hamburg-München stiegen schließlich in einen Ersatzzug um. Der Lokführer stehe “extrem unter Schock“, sagte ein Polizeisprecher. Unter den Reisenden wurde niemand verletzt, eine chronisch kranke Person musste nach Angaben des Rettungsdienstes aber aus dem Tunnel gebracht werden. Die Evakuierung war nach Auskunft eines Bahnsprechers um 13.00 Uhr beendet.

Bei dem Fund der weiblichen Leichenteile gehen die Ermittler von einem Gewaltverbrechen aus. Zur Identität und zu den Todesumständen der Frau gab es zunächst keine Erkenntnisse. Der Fischer hatte am Sonntagnachmittag nach Wilderern Ausschau gehalten, als er die Leichenteile im Wasser entdeckte. Sie lagen “noch nicht allzu lange“ in dem unwegsamem Gelände, wie ein Polizeisprecher sagte. Spürhunde und Polizeitaucher suchten am Montagvormittag das Naherholungsgebiet ab. Dabei wurden weitere Leichenteile sowie ein weiblicher Torso entdeckt. Die Überreste sollten am Dienstag von Rechtsmedizinern untersucht werden, um die Todesursache zu klären. Die Ermittlungen stünden noch am Anfang, betonte der Polizeisprecher. Routinemäßig würden derzeit alle Vermisstenfälle abgeglichen. Der Erlabrunner Badesee ist Teil einer Naherholungsanlage, die im Sommer Tausende Würzburger und Menschen aus dem Umland anzieht.

dapd

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